Stand: 26.04.2018 14:41 Uhr

Gedenkstein für Wehrmachtseinheit weiter sichtbar

Der umstrittene Gedenkstein für Wehrmachtssoldaten in Lüneburg wird nicht verhüllt. Der Rat der Stadt hat am Mittwoch mit den Stimmen von SPD, CDU, AfD und FDP einen entsprechenden Antrag der Grünen abgelehnt. Auch eine Demonstration von Hinterbliebenen von Holocaust-Opfern vor dem Rathaus und der Appell von Grünen-Fraktionschef Ulrich Blanck an die Ratsmitglieder halfen da nichts. Der Stein müsse verhüllt werden, bis das neue Forum für Erinnerungskultur entschieden habe, wie in Zukunft mit diesem Denkmal umgegangen werden solle, sagte Blanck vor der Abstimmung. Die jetzige Situation sei für die Betroffenen unerträglich.

Division ermordete mehr als 9.000 Zivilisten

Friedrich von Mansberg von der SPD plädierte dafür, den Stein sichtbar zu belassen, damit er störe und Fragen provoziere. Man wolle eben nicht verhüllen, sondern im Gegenteil das Problem sichtbar machen. Einig sind sich die Fraktionen darin, dass die vor einigen Jahren erstellten Erläuterungstafeln am Stein abgebaut werden sollen. Sie trügen eher dazu bei, die Geschichte und die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg falsch darzustellen. Auf dem Stein wird der gefallenen Soldaten der 110. Infanterie-Division gedacht, die in der Kesselschlacht von Minsk fast völlig vernichtet wurde. 1944 ermordeten die Soldaten dieser Division mehr als 9.000 Frauen, Kinder und Kranke im Konzentrationslager Osaritschi in Weißrussland. Wie es nun mit dem Stein weitergeht, das soll eine erste Aufgabe für das von allen Fraktionen beschlossene Forum für Erinnerungskultur sein. Den Hinterbliebenen der Holocaust-Opfer ist das zu wenig. Sie haben die Stadt verklagt.

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Das Rathaus in Lüneburg, aufgenommen von Dirk Rudolph © Dirk Rudolph Foto: Dirk Rudolph

Holocaust-Nachfahren verklagen Stadt Lüneburg

Erneut ist der Gedenkstein für eine Wehrmachts-Division in Lüneburg im Fokus der Kritik. Angehörige von Holocaust-Opfern verklagen nun die Stadt: Sie soll das Denkmal verhüllen. (21.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 26.04.2018 | 17:00 Uhr

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