Stand: 18.06.2018 07:00 Uhr

Bad Bevensen und das Dilemma mit dem Investor

von Torsten Ahles und Andreas Rabe

Aus dem Fußball ist das Phänomen bekannt: ausländischer Investor pumpt Geld in den Club und will dann mitbestimmen. In Niedersachsen spielt sich gerade ein ähnliches Szenario ab, allerdings nicht beim Sport, sondern bei einer Kommune. Ein öffentlichkeitsscheuer Investor aus Aserbaidschan kauft seit 2014 immer mehr Hotels und Immobilien im Kurort Bad Bevensen im Landkreis Uelzen. Er malt den Lokalpolitikern das blumige Bild einer blühenden Hotellandschaft.  Aber dann passiert nichts, die Immobilien verfallen größtenteils. Die Stadt sieht sich nun genötigt, ihm Angebote zu unterbreiten, um die Objekte zurück zu kaufen.

Pensionen gehen teilweise nie in Betrieb

Nach den Worten von Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer hält der Investor Elman Allahverdiyev mit 200 potentiellen Betten mittlerweile zehn Prozent der Kapazität der gesamten Stadt. Sie stehen in geschlossenen und teilweise baufälligen Pensionen und Hotels, die der Investor seit 2014 Privatleuten abgekauft und entweder nie in Betrieb oder nach kurzer Zeit wieder geschlossen hat. Dazu kommt das Areal der ehemaligen Diabetes Klinik - auch in seinem Besitz.  Erst seit kurzem sichert ein Bauzaun das Gelände. Zuvor war es ein Abenteuerspielplatz für Jugendliche und ein Eldorado für Schrottsammler. 

Kriminalbeamte horchen auf

Warum investiert jemand mehr als drei Millionen Euro in Immobilien und lässt die Häuser dann verfallen? Das wüssten auch der Stadtdirektor und Bürgermeister Martin Feller (Grüne) gerne. Sie haben aber nach eigenen Worten noch keine schlüssige Antwort auf diese Frage erhalten. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BdK) zieht Parallelen zu ähnlichen Fällen, bei denen es Ermittlern gelungen ist, Geldwäsche nachzuweisen. Die Methode erklärt Matthias Karsch vom BdK in Niedersachsen so: Kriminelle kaufen privat Immobilien mit Geld, dessen Herkunft sie nicht nachweisen wollen. Nach einiger Zeit werden die Objekte - teilweise sogar zu geringeren Preisen - wieder verkauft. Der dadurch erzielte Betrag ist dann sauber gewaschen, weil als Quelle der Verkauf der Immobilie angegeben werden kann. Ob in Bad Bevensen auch so ein Spiel läuft ist unklar.

Investor soll Herkunft des Geldes nachweisen

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Einige Hotels hat der Investor gar nicht erst eröffnet, andere nach kurzer Zeit geschlossen.

Aber die Stadt Bad Bevensen steckt allein auf Grund des Verdachts in einer Zwickmühle. Zum einen will sie dem Investor einige Objekte abkaufen, um etwas gegen den öffentlich wahrnehmbaren Verfall zu tun. Außerdem soll die Bettenkapazität in der Stadt wieder erhöht werden. Auf der anderen Seite müssen die Lokalpolitiker sicherstellen, dass sie mit öffentlichen Geldern keine Beihilfe zur Geldwäsche leisten. Einzige Möglichkeit, die der Bürgermeister sieht: Der Investor muss nachweisen, woher das in Bad Bevensen investierte Geld stammte. Der Investor hat daran aber offenbar wenig Interesse.

Geschäftsmann will Zulassung für Bauland

Auf zahlreiche Versuche des NDR, Kontakt mit ihm aufzunehmen, antwortet Allahverdiyev per Mail. Demnach gebe es aus seiner Sicht keine Notwendigkeit, die Herkunft des Geldes nachzuweisen. Es gebe auch keine konkreten Pläne, der Stadt Immobilien zu verkaufen. Man befinde sich aber in Gesprächen, die Gebäude der verfallenen Diabetes Klinik abzureißen und das Gelände neu zu bebauen. Dazu müsste die Stadt das Grundstück aber in privates Bauland umwandeln. Ob die Mitglieder der zuständigen Ausschüsse und Räte dem Investor aus Aserbaidschan diesen Gefallen tun werden - nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre fraglich.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 18.06.2018 | 07:30 Uhr

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