Stand: 15.04.2019 20:30 Uhr

Aufbruch der Gorleben-Schutzmauer hat begonnen

Ein Aufbruch als Aufbruch: Die Schutzmauer um das Erkundungsbergwerk in Gorleben ist am Montag geöffnet worden. Es ist ein symbolischer erster Schritt, später soll die komplette Mauer abgerissen werden. Der Aufbruch soll laut niedersächsischem Umweltministerium bekräftigen, dass die Suche nach einem Endlager in Deutschland "neu und ergebnisoffen" gestartet wurde. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatten Vertreter von Bund, Landkreis und der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg für Montag außerdem zu einer symbolischen Abschlussbefahrung eingeladen.

Graffiti auf Mauer

Gorleben: Letzte Fahrt ins Erkundungsbergwerk

Hallo Niedersachsen -

Jahrzehntelang wurde geforscht, ob sich ein Endlager unter Tage in Gorleben für nuklearen Abfall einrichten lässt. Jetzt wurde zu einer symbolischen Abschlussbefahrung eingeladen.

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Teil der Mauer als Andenken

Landrat Jürgen Schulz (parteilos) und der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg soll nach dem Abriss ein Teil der Mauer übergeben werden, die das Gelände seit den 1980er-Jahren gesichert hat. Dies sei ein Zeichen dafür, dass Gorleben nicht weiter als Endlagerstandort erkundet werde, hieß es von der BGE. Zuvor hatten Geowissenschaftler jahrzehntelang einen Salzstock auf dem Gebiet der Gemeinde Gorleben im Wendland auf seine Tauglichkeit als Endlager für hochradioaktiven Atommüll getestet. Im Zuge des Neustarts bei der Endlagersuche wurden die Erkundungsarbeiten vor gut sechs Jahren eingestellt.

Es folgt: ein "industrieüblicher Sicherheitszaun"

Die Mauer soll nun einem "industrieüblichen" Sicherheitszaun weichen. Das hatte die BGE bereits 2017 in Aussicht gestellt. Der Betriebsrat der Anlage in Gorleben lehnt den Abbau der Mauer allerdings ab. Sie dürfe nicht zurückgebaut werden, sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Ward dem Internetportal wendland.net. "Wir müssen uns gegen gewalttätige Demonstranten, die immer wieder hier reingekommen sind und alles kurz und klein geschlagen haben, schützen."

Protest über Jahrzehnte

Der Protest der Menschen gegen die Erkundung des Salzstocks als Endlager ist so alt wie der Entschluss zur Erkundung selbst. 1977 hatte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) verkündet, im äußersten Nordosten des Landes ein Zentrum für nuklearen Abfall errichten zu wollen. Drei Jahre später besetzten Tausende Atomkraft-Gegner eine Probebohrstelle. Bis zum Jahr 2011 brachten 13 Castor-Transporte Atom-Abfall in das Zwischenlager neben dem Erkundungsbergwerk.

Wendland: Auf den Spuren einer Republik

Endlager in Gorleben längst nicht ausgeschlossen

Auch wenn der Schacht seit 2013 nicht mehr erkundet wird und viele Politiker den Standort Gorleben als politisch verbrannt sehen - ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass Gorleben doch noch zum Endlager wird. Deswegen soll das Bergwerk auch nicht zugeschüttet, sondern offen gehalten werden. Gerade das kritisieren Gegner, zumal die Politik eine bundesweite Endlager-Suche mit einer weißen Landkarte angekündigt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 15.04.2019 | 14:30 Uhr

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