Stand: 25.07.2020 18:21 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

400 Menschen feiern CSD-Straßendemo im Wendland

von Björn Ahrend
Teilnehmer des CSD laufen mit Fahnen und Bannern über eine Straße. © NDR Foto: Björn Ahrend
Das Motto des CSD im Wendland lautete "Aufstehen gegen Hass und Diskriminierung".

Paraden zum Christopher Street Day (CSD) - das sind normalerweise schrille und laute Demonstrationszüge, die vor allem in den Großstädten Zehntausende anziehen. In diesem Jahr müssen so gut wie alle ausfallen, ins Internet verlagert oder durch deutlich kleinere Formate ersetzt werden - zu groß wäre die Corona-Infektionsgefahr bei solchen Großveranstaltungen. Der laut Veranstalter bundesweit erste CSD in diesem Jahr, der halbwegs wie in früheren Jahren stattfinden kann, fand am Sonnabend in Salderatzen bei Lüchow im Wendland statt. Rund 400 Menschen reihten sich in den bunten Zug ein, wie die Polizei NDR Niedersachsen mitteilte. Der Landkreis hatte den Umzug unter strengen Hygiene-Auflagen erlaubt.

VIDEO: Demo mit Abstand: CSD-Parade im Wendland (3 Min)

Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz

Die Teilnehmenden mussten einen Mindestabstand von 1,5 Metern im Zug und auf den Wagen einhalten und auf Wunsch der Veranstalter einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Rund 30 Ordner - dreimal so viele wie in den Vorjahren - kümmerten sich um die Einhaltung der Regeln. Über diese Auflagen hatten sich Ordnungsbehörden und Veranstalter bei einem ausführlichen Kooperationsgespräch im Vorfeld verständigt.

Erleichterung über Erlaubnis

Carsten Krüger, der mit seinem Ehemann Heinz Laing seit 2013 den CSD im Wendland organisiert, ist sehr froh darüber, dass der Landkreis grünes Licht gegeben hat. Man habe das Motto in diesem Jahr, "Aufstehen gegen Hass und Diskriminierung", bewusst weit gefasst: "Wir wollen uns mit allen Menschen solidarisieren und für deren Rechte und Sicherheit eintreten - egal ob Asylbewerber, Flüchtlinge, Menschen mit Migrationshintergrund oder religiöse Minderheiten", so Krüger. Traditionell sollen CSD-Paraden auf die Belange von sexuellen Minderheiten aufmerksam machen. Auch Frank Socha (CDU), der Bürgermeister der Gemeinde Waddeweitz, zu der Salderatzen gehört, begrüßte die Erlaubnis. "Der CSD hat einen festen Platz bei uns und es ist wichtig, dass das Anliegen auch in diesem Jahr deutlich wird."

Besuch aus der Großstadt

In den vergangenen beiden Jahren hatten rund 300 Menschen an der Demonstration teilgenommen. Die Veranstalter hatten erwartet, dass einige angesichts der Corona-Auflagen nicht kommen würden - aber dafür aus anderen Städten Menschen dazustoßen, in denen CSD-Paraden nicht wie gewohnt veranstaltet werden. So hatte sich unter anderem eine Gruppe aus Hamburg angekündigt.

"Das wird sicher kein Trauermarsch"

Die größte Herausforderung seien es gewesen, trotz der Auflagen eine CSD-typische Atmosphäre zu schaffen, sagten die Veranstalter. Laut war es auf jeden Fall - dafür sorgte eine Trommler-Gruppe aus dem Wendland. Und bunte Dekorationen und Kostüme gab es auch. Die Veranstalter selbst hatten im Vorfeld 100 Gesichtsmasken in Regenbogenfarben bestellt. Außerdem setzten sie auf die Kreativität der Teilnehmenden, trotz Hygiene-Auflagen für Party-Stimmung zu sorgen. "Wir wollen verantwortungsvoll feiern. Aber das wird sicher kein Trauermarsch", kündigte Heinz Laing an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.07.2020 | 14:00 Uhr

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