Stand: 08.11.2018 08:39 Uhr

Wunstorfer Heimkinder: Jugendamt rückt in Fokus

Erstmals hat das Land Details über Arzneimittelversuche an Kindern im ehemaligen Landeskrankenhaus Wunstorf vorgelegt. Den Kindern sei Unrecht widerfahren, die Verantwortlichen hätten weggeschaut, urteilte eine Abteilungsleiterin des Sozialministeriums am Mittwoch bei einem Symposium zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort wurden Zwischenergebnisse einer Studie zu den Vorfällen präsentiert. Demnach habe das Jugendamt Hannover damals pauschal in fragwürdige Untersuchungsmethoden eingewilligt, während andere Jugendämter sich geweigert hätten.

Altes Gebäude von außen.

Wunstorfer Heimkinder: Erste Ergebnisse

Hallo Niedersachsen -

Um die Vorfälle über Experimente an Heimkindern in der früheren Psychiatrie in Wunstorf aufzuarbeiten, wurde ein Forschungsauftrag vergeben. Erste Ergebnisse wurden jetzt präsentiert.

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Betroffene berichten über jahrzehntelange Schmerzen

Zwar hätten die meisten Eltern beispielsweise in die fragwürdigen Hirn-Untersuchungen ihrer Kinder eingewilligt, sagte Christine Hartig von der Robert-Bosch-Stiftung. Allerdings hätten Ärzte die Nebenwirkungen bis in die 1970er Jahre hinein bewusst verharmlost. Bei der Veranstaltung berichteten Betroffene erneut von Ohnmachtsanfällen, tagelangen Kopfschmerzen und Übelkeit. So auch Sieglinde Massong, die sich als 14-Jährige einer Hirnwasserentnahme unterziehen musste. Wiedergutmachen können diese Schmerzen niemand, sagte die heute 65-Jährige. Das Land dürfe nach den ersten Ergebnissen der Studie zu den Arzneimittelversuchen nun nicht aufhören.

Rolle von Arzt soll beleuchtet werden

Unklar ist noch die Rolle eines damaligen Psychiatriereferenten. Er hatte sich als Arzt im Landeskrankenhaus Wunstorf Mitte der 1960er Jahre für Arzneimittelversuche an Kindern von Pharmakonzernen bezahlen lassen und war später im Sozialministerium für die Aufsicht über die Kinder- und Jugendpsychiatrie zuständig. Seine Rolle soll im zweiten Teil der Studie beleuchtet werden, genauso wie mögliche Arzneimittelversuche in Heimen des Landes in Lüneburg oder Göttingen.

Weitere Informationen

Medizintests: Land will Heimkinder entschädigen

Kinder und Jugendliche, an denen in den 70er-Jahren Medikamente getestet wurden, sollen vom Land Niedersachsen entschädigt werden. Der NDR hatte die Arzneimitteltests aufgedeckt. (08.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.11.2018 | 07:30 Uhr

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