Stand: 13.11.2017 10:00 Uhr

Verwüstungen auf Friedhof: Waren es Jugendliche?

Nach den Gräberschändungen auf dem Stadtfriedhof Ricklingen in Hannover gibt es offenbar erste Hinweise auf mögliche Täter. "Zeugen haben berichtet, sie hätten Jugendliche in der Nähe des Friedhofs krakeelen hören", sagte eine Polizeisprecherin NDR.de. Ob es einen direkten Zusammenhang gibt, sei aber noch unklar. "Die Jugendlichen wurden nicht angetroffen", so die Sprecherin weiter. Mittlerweile ist die Zahl der entdeckten Gräber, die verwüstet wurden laut Polizei von 75 auf 80 gestiegen.

"Keine Hinweise auf politischen Hintergrund"

Bereits am Sonntag gab die Polizei an, dass die Täter vermutlich in "blinder Zerstörungswut" gehandelt hätten. "Wir haben keine Hinweise auf einen politischen oder okkulten Hintergrund", sagte eine Polizeisprecherin. "Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wurden die Gräber wahllos verwüstet." In den vergangenen Jahren war es an anderen Orten rund um den 9. November - dem Gedenktag der Reichspogromnacht 1938 - mehrfach zu rechtsradikal motivierten Friedhofsschändungen gekommen. Auf dem Ricklinger Friedhofs liegen mehrere Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus begraben, zum Beispiel Wilhelm Hahn Junior und Wilhelm Blum.

Regen hat Spuren verwischt

Die Suche nach den Tätern gestaltet sich schwierig. "Leider hat der Regen alle potenziellen Spuren vernichtet", so die Sprecherin weiter. Die Ermittler hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung. Zeugen und Betroffene werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0511) 109 30 17 beim Polizeikommissariat Ricklingen zu melden. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung sowie Störung der Totenruhe.

Unbekannte verwüsten Stadtfriedhof Ricklingen

Schaden im fünfstelligen Bereich

In der Nacht zu Sonnabend zerstörten die Täter unter anderem Figuren, Grablichter sowie weiteren Grabschmuck. Außerdem rissen sie Blumen heraus. In mindestens einem Fall wurde sogar eine massive Grabplatte herausgehoben und auf ein anderes Grabfeld geworfen. Eine Passantin hatte die Schäden am Sonnabend gegen 8.50 Uhr entdeckt und daraufhin die Polizei informiert. Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen im fünfstelligen Bereich.

"Einfach unfassbar"

Als "einfach unfassbar" bezeichnet Michael Ahrend die Schäden. Die Gräber seiner Eltern, die der 59-Jährige aus Wettbergen seit Jahren pflegt, wurden ebenfalls verwüstet. Nach seinen Angaben hat es ähnliche Vorfälle am Ricklinger Stadtfriedhof seit mindestens 20 Jahren nicht gegeben. Auch laut Polizeiangaben war der Friedhof in den vergangenen Jahren nicht von Schändungen betroffen.

Rund 30.000 Gräber auf dem Stadtfriedhof

Der 1908 unter dem Namen "Hauptfriedhof Linden" angelegte Friedhof umfasst auf einer Fläche von 54 Hektar etwa 30.000 Gräber. Unter anderem findet sich in einem nicht von den Verwüstungen betroffenen Areal die letzte Ruhestätte des einstigen SPD-Parteivorsitzenden Kurt Schumacher (1895-1952) sowie des ehemaligen Oberbürgermeisters von Hannover, August Holweg (1905-1989).

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.11.2017 | 19:30 Uhr

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