Stand: 01.09.2020 08:45 Uhr

Tempo 30 in Ortsdurchfahrten: Kommunen sehen Bedarf

Zwei Pkw fahren an einem Tempo-30-Schild vorbei. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Region Hannover will auf zahlreichen Durchgangsstraßen die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzen.

Viele Kommunen in der Region Hannover wollen das geplante Tempo-30-Projekt für ihre Ortsdurchfahrten prüfen. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Laut Verkehrsdezernat kommen bis zu 40 Kreisstraßen in Frage. Eine fantastische Aktion, findet Sehndes Bürgermeister Olaf Kruse (SPD). Er will auf jeden Fall den Ortsteil Müllingen vorschlagen. Dort gebe es eine enge, kurvige Ortsdurchfahrt. Die Häuser stünden nah an der Straße, so Kruse. Der Ortsrat kämpfe schon lange für ein Tempolimit.

Tempo 30 soll Straßen sicherer machen

Springes Bürgermeister Christian Springfeld (FDP) wünscht sich Tempo 30 in Völksens Steinhauerstraße - eine wichtige Durchfahrt durch den Ortsteil. Dort gebe es Läden und Geschäfte, viele parkende Autos und Fahrradfahrer, die zum Beispiel in den Stoßzeiten zum Bahnhof fahren. Mit Tempo 30 wäre die Straße sicherer, sagte Springfeld. Die Region Hannover plant, auf Durchgangsstraßen ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde einzuführen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung soll im Rahmen eines Großversuchs für mindestens drei Jahre angeordnet werden.

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Kommunen wählen Strecken mit aus

Laut einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) ermöglicht eine Experimentierklausel, die erst seit April im entsprechenden Bundesgesetz steht, den Großversuch. Grundsätzlich ist ein allgemeines Tempolimit nur vor Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen erlaubt. Für Versuchszwecke darf jetzt auch in den Ortsdurchfahrten eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt werden. Welche Ortsdurchfahrten im Einzelnen infrage kommen, konnte ein Sprecher der Region Hannover auf Anfrage von NDR.de noch nicht sagen. Bis Ende September können Kommunen der Regionsverwaltung melden, mit welchen Straßen sie an dem Experiment teilnehmen wollen. Nach einer dreimonatigen Testphase soll dann eine endgültige Entscheidung über die Strecken getroffen werden.

Startschuss im kommenden Jahr

Schon im kommenden Februar oder März die ersten Tempo-30-Zonen in Durchgangsstraßen eingerichtet werden. Mobile LED-Tafeln sollen die Autofahrer dann auf die Geschwindigkeitsbeschränkungen hinweisen. Für das Projekt kommen ausschließlich Kreisstraßen infrage, für die die Region zuständig ist.

ADAC fordert ergebnisoffene Diskussion

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Niedersachsen/Sachsen-Anhalt begrüßt grundsätzlich die Möglichkeit, mithilfe der Experimentierklausel Konzepte etwa aus dem Ausland zu erproben. Die Pläne der Region Hannover könnten allerdings nur dann belastbare Erkenntnisse liefern, "wenn auf Basis des tatsächlichen Verkehrsaufkommens neben der Geschwindigkeit ein gleichrangiger Fokus auf die bauliche Gestaltung des Straßenraums gelegt und damit auch Alternativmaßnahmen gegenübergestellt werden". Das Aufstellen von Tempo-30-Schildern und entsprechenden Geschwindigkeitstafeln sei eine günstige Variante, führe aber nicht zwingend zu mehr Verkehrssicherheit. Ziel müsse eine "ergebnisoffene Diskussion" sein, hieß es weiter vom ADAC.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.09.2020 | 06:30 Uhr

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