Stand: 26.05.2020 12:20 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Studie: Mehr Niedersachsen haben Depressionen

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Wenn Traurigkeit und düstere Gedanken den Alltag bestimmen: Mehr Niedersachsen leiden an Depressionen. (Themenbild)

Die Zahl der an einer Depression erkrankten Menschen in Niedersachsen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das ergibt sich aus einer nun veröffentlichten Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Innerhalb von Jahren, untersucht wurde die Zeit zwischen 2008 und 2018, bekamen ein Drittel mehr Personen die Diagnose. Jeder neunte Niedersachse ist demnach erkrankt, sagte KKH-Sprecher Daniel Hinz.

Corona fordert heraus

Mit Blick auf die Corona-Krise könnte das aber noch mehr werden. Das befürchtet zumindest die Ärztekammer Niedersachsen. Gefährdet seien beispielsweise Menschen, die in systemrelevanten Berufen etwa im Krankenhaus oder im Rettungsdienst bis zum Anschlag arbeiteten.

Gefahr durch Isolation

Aber auch Personen, die sich durch die Kontaktregeln isoliert fühlen, sind gefährdet, sagt Ärztekammer-Sprecher Spieker. Zum Beispiel Bewohner von Heimen von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Sie würden häufig nicht oder nur schwer begreifen, "warum sie keinen Besuch mehr bekommen, warum soziale Kontakte eingeschränkt werden, beziehungsweise ganz versiegen." Dann seien die Gefahren für die Entwicklung von depressiven Folgeschäden nochmal umso größer.

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Mehr Antidepressiva-Rezepte

Laut der KKH-Studie sind Frauen doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer. Neben genetischen und neurobiologischen Faktoren könnten traumatische Erlebnisse wie Gewalt und Missbrauch oder Krisen wie Jobverlust, Trennung oder Krankheit die Ursache einer Depression sein, heißt es weiter. In dem untersuchten Zehn-Jahres-Zeitraum habe auch die Verschreibung von Antidepressiva um 21 Prozent zugenommen, so die Krankenkasse.

 

Hilfe für Betroffene

  • Telefonseelsorge: anonyme, kostenlose Beratung rund um die Uhr, Tel. (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222
  • Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": kostenlose Beratung von Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr, Tel. 116 111. Elterntelefon: Mo bis Fr, 9 bis 11 Uhr sowie Di und Do, 17 bis 19 Uhr unter (0800) 111 05 50
  • Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: Mo, Di und Do, 13 bis 17 Uhr sowie Mi und Fr, 8.30 bis 12.30 Uhr. Tel. (0800) 33 44 533. Die Deutsche Depressionshilfe bietet einen Selbsttest sowie eine Übersicht zu regionalen Angeboten.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Krankenkassen: 116 117.
  • Ambulanz der psychiatrischen Abteilung einer Klinik vor Ort - in jedem Fall bei Suizidgedanken.

Sorgen sind individuell

Grundsätzlich hätten betroffene Menschen ganz verschiedene Ängste, so die Ärztekammer. Teils seien sie sehr konkret, zum Beispiel durch Jobverlust oder Kurzarbeit. Teils seien Sorgen aber schwer zu greifen: Sie seien immer etwas persönliches und auch eine Frage wie etwa mit Nachrichten und Informationen umgegangen würde. "Natürlich ist bei dem heutigen Mediennutzungsverhalten bei dem einen oder anderen eine größere Gefahr, diese Situation auf sich zu beziehen oder diese Situation auch negativ auf sich wirken zu lassen", sagt Spieker.

Rat und Hilfe holen

Insofern könne man nur dazu raten, Sorgen mit anderen zu teilen. "Vor allem auch mit Ärzten zu besprechen, wenn man aus einer Krise, aus einer Sackgasse nicht rauskommt. Da gilt es dann auch, sich Hilfe zu holen und sich darüber nicht zu schämen", so Spieker.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.05.2020 | 12:00 Uhr

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