Stand: 03.02.2017 13:35 Uhr

Römerlager: Region will Kiesabbau genehmigen

Die Entdeckung der Überreste eines römischen Marschlagers im Hemminger Ortsteil Wilkenburg (Region Hannover) hat Archäologen begeistert. Seit der Entdeckung 2015 haben Forscher immer weitere antike Fundstücke zu Tage gefördert - Ausrüstungsteile, Gewandnadeln und Münzen. Doch die Region Hannover will das Areal lieber für den Kiesabbau freigeben - wenn auch unter Auflagen. Mittlerweile fordern aber Anwohner, Archäologen und Denkmalschützer von der Region, die Pläne noch einmal zu überdenken.

Forscher wollen Fundstelle erhalten

Laut dem niedersächsischen Landesarchäologen Henning Haßmann hat die Fundstelle des Römerlagers eine große Bedeutung, da solche Fundstellen sehr selten sind und deswegen die Erhaltung des Bodendenkmals aus archäologischer Sicht extrem wichtig ist. Seiner Ansicht nach reicht es nicht aus, diese Überreste auszugraben und zu archivieren. "Wir brauchen das als Forschungsreserve, damit wir in zehn, in 100 oder in 200 Jahren mit neuen Methoden hier Fragen beantworten können, die wir jetzt noch gar nicht zu stellen vermögen. Und wir möchten es original, so wie es liegt, so behalten, für Schulklassen, für den Tourismus, für die Identitätsstiftung in der Region", sagt der Wissenschaftler.

Arbeitsgemeinschaft erhebt schwere Vorwürfe

Damit stehen die Landes-Experten im Widerspruch zu den Experten der Region. Die Römer AG Leine, ein Zusammenschluss von Forschern und Hobby-Archäologen, spricht in einem offenen Brief sogar von wissenschaftlichem Fehlverhalten. "Wir werfen der Region vor, dass sie tatsächlich die archäologischen Belange nicht wirklich abgewogen hat. Wenn also gesagt wird, es ist eins von vielen Lagern, so können wir nur dagegen halten, ja, aber es ist das einzige, das erhalten geblieben ist", sagt Mitunterzeichnerin Carola Hagemann.

Bürgermeister gegen Kiesgrube

Die Region will nach der Kritik noch einmal das Gespräch suchen und verweist darauf, dass das Genehmigungsverfahren für den Kiesabbau noch läuft. Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht (SPD) hofft, dass am Ende die Vernunft siegt. Die Interessen der Bürger wie auch eine mögliche Lärmbelästigung seien vernachlässigt worden. Er fordert: "Sichert diese schöne Fläche und verhindert die Auskiesung, weil wir eine Belastung in Kauf nehmen müssen, die nicht erträglich ist." Schacht hat derweil schon einen Aussichtsturm mit weiteren Infotafeln über die Römer in Wilkenburg vor Augen.


03.02.2017 13:34 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages fehlte ein einführender Satz zu dem Niedersächsischen Landesarchäologen. Die Redaktion bedankt sich für den Hinweis eines Nutzers und hat den Satz nun ergänzt.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 02.02.2017 | 17:00 Uhr

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