Piktogramm von Mann und Frau gemischt © imago/Christian Ohde Foto: Christian Ohde

Pastor entschuldigt sich nach diskriminierenden Aussagen

Stand: 07.05.2021 14:52 Uhr

Ein evangelischer Pastor aus dem Landkreis Hildesheim hat sich für seine diskriminierenden Aussagen über das sogenannte dritte Geschlecht entschuldigt. Er bedauere, wenn er Menschen verletzt habe.

Der Pastor der St.-Johannis-Gemeinde in Nordstemmen entschuldigte sich schriftlich für seine Aussagen im Gemeindebrief. Auch wenn er es aus Glaubensgründen kritisch sehe, wie sich die Gesellschaft in manchen Teilen entwickle, sei seine Vorgehensweise "nicht fruchtbar" gewesen. "Ich bedauere aufrichtig die Verletzungen und Irritationen, die dieser Artikel ausgelöst hat." Er teile die Auffassung seines Kirchenvorstands, dass in der Kirche alle Menschen ohne Ansehen ihres Geschlechts willkommen sind.

Pastor distanziert sich von umstrittenen Biologen

Außerdem bereue er, in seinem Artikel auf Ulrich Kutschera verwiesen zu haben, "denn ich toleriere unterschiedliche Beziehungs- und Familienformen, in denen Menschen verlässlich zusammenleben und füreinander Verantwortung übernehmen." Der Evolutionsbiologe Kutschera der Universität Kassel musste sich 2020 vor Gericht verantworten, weil er behauptet hatte, Homosexuelle hätten eine Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern.

Pastor: Mit Gott ist nicht zu spaßen

In dem Vorwort zum Gemeindebrief hatte der Pastor vor wenigen Tagen geschrieben, die Ordnung Gottes sehe keine anderen Geschlechter vor als die von Mann und Frau. Wer dies anders sehe, müsse mit dem Unmut Gottes rechnen. "Gott ist durchaus auch einer, mit dem nicht zu spaßen ist", so die Worte des Geistlichen. Zunehmend psychisch erkrankte Kinder sah er demnach als das Resultat der sich auflösenden klassischen Familien aus Mutter-Vater-Kind. Auch gleichgeschlechtliche Ehen lehnte der Mann ab.

Vorerst keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen

Der Kirchenvorstand und die Landeskirche hatten sich von den Aussagen des Pastors distanziert. Arbeitsrechtliche Konsequenzen haben seine Worte nach Angaben der Landeskirche aber erst einmal nicht. Ein Sprecher kündigt allerdings an, es werde weitere Gespräche mit dem umstrittenen Geistlichen geben. Auf Gespräche setzt auch der Pastor: "Ich hoffe sehr, dass wir in Gesprächen einen guten Weg finden, um die Verletzungen zu heilen, die entstanden sind."

Weitere Informationen
Auf einem Poster steht "Liebe für Alle". © NDR

Nach Gemeindebrief: Landeskirche distanziert sich von Pastor

Der Geistliche der St.-Johannis-Gemeinde in Nordstemmen hatte sich gegen geschlechtsdiverse Lebensmodelle ausgesprochen. (05.05.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 07.05.2021 | 15:00 Uhr

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