Stand: 04.09.2017 19:45 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Mit Bußgeld im Kampf gegen "Elterntaxis"

von Bertil Starke

Vogelgezwitscher und Kinderlachen waren die einzigen Geräusche, die am Montagmorgen direkt vor der Albert-Schweitzer-Schule in Hannover zu hören waren. Noch vor wenigen Monaten war das ganz anders: Unzählige Autos zwängten sich nach Angaben der Polizei Hannover vor Beginn der ersten Stunde in die kleine Sackgasse im Stadtteil Limmer. Das Ziel der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule brachten, sei es, die Grundschüler möglichst nah an das Schultor zu fahren. Dabei wurde nicht selten auf dem Gehweg gewendet, heißt es von der Polizei weiter. Täglich gerieten deshalb viele Kinder zwischen den rangierenden Wagen in Gefahr.

Straße ist eine Stunde lang tabu

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An der Albert-Schweitzer-Schule in Hannover-Limmer werden jetzt Bußgelder gegen "Elterntaxis" verhängt.

Seit Beginn des Schuljahres ist damit nun Schluss. Rund 150 Meter vor der Grundschule hat die Stadt eine Parkzone für die sogenannten Elterntaxis eingerichtet. Hier können Kinder gefahrlos aus den Autos steigen. Vor der Parkbucht ist ein Plakat befestigt. Ein großer Pfeil mit der Aufschrift "Kinder" zeigt darauf in Richtung Schule, ein anderer Pfeil weist mit dem Wort "Elterntaxi" auf die Ausstiegsplätze hin. Die Straße vor der Schule ist für Autos nun am Morgen eine Stunde lang tabu.

Kein einziger Verstoß

Nachdem die Polizei die Eltern in den vergangenen Wochen über die zeitweise Sperrung informiert hat, ist es seit Montag nun ernst: Wer das von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr geltende Verbot ignoriert, muss 20 Euro zahlen. Ein Bußgeld, das offensichtlich abschreckt. Zum Start der Kontrollen hat die Polizei keinen einzigen Cent eingenommen - alle haben sich, zumindest an diesem Tag, an die neuen Regeln gehalten.

"Wurde Zeit, dass sich was ändert"

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Am ersten Tag hielten sich die Eltern an die Sperrung der Straße vor der Schule.

Viele Eltern atmen auf. Eine Mutter, die mit ihrem Sohn an der Hand zu Fuß in Richtung Schule läuft, sagt: "Ich beobachte dieses Theater schon seit Jahren. Es wurde endlich Zeit, dass sich was ändert. Denn einige Eltern interessiert es überhaupt nicht, dass sie durch ihr Verhalten andere Kinder in Gefahr bringen. Sie sind mehrfach unter anderem von Lehrern darauf hingewiesen worden, aber haben trotzdem nichts an ihrem Verhalten geändert." Das Thema "Elterntaxis" habe in der Schule immer wieder für schlechte Stimmung gesorgt, sagt die Mutter, bevor sie mit ihrem Sohn weitereilt. 

Polizei ist zufrieden und kündigt Stichproben an

Die Polizei ist mit den ersten Ergebnissen zufrieden. "Bisher haben eigentlich alle Eltern großes Verständnis für die Verbotszone. Das liegt wohl auch an der Berichterstattung in den Medien. Die hat ohne Zweifel Wirkung gezeigt", sagt Frank Heseler, der gemeinsam mit einem Kollegen vor der Albert-Schweitzer Grundschule im Einsatz ist. Wie lange die Beamten dort nun kontrollieren, lassen sie offen. Klar ist, dass die Polizei nicht genug Personal haben, um dauerhaft "Elterntaxis" zu kontrollieren. Heseler kündigt aber jetzt schon an: "Nach der ersten Projektphase wird die Polizei Hannover immer wieder stichprobenartig kontrollieren."

Ein ähnliches Projekt wie in Limmer gib es bereits in Osnabrück in Form von Bannmeilen vor einigen Schulen. Die Verwaltung ist jüngst vom Rat beauftragt worden, ein entsprechendes nachhaltiges Konzept für die gesamte Stadt zu entwickeln. Erste Ergebnisse sollen noch in diesem Monat vorgestellt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 04.09.2017 | 17:00 Uhr

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