Stand: 16.12.2015 17:06 Uhr

Missbrauch in Bistum: Wird wieder ermittelt?

Das Bistum Hildesheim gerät nach Bekanntwerden eines Missbrauchsfalls aus dem Jahr 2010 immer stärker unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat nun eine Mitschrift des Bistums Hildesheim angefordert, die Kirchenvertreter über ein Gespräch mit einem mutmaßlichen Missbrauchs-Opfer angefertigt hatten. Darin spricht eine damals 14-Jährige über deutliche Annäherungsversuche eines Geistlichen. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie ihre Ermittlungen gegen den Priester wieder aufnimmt, der auch als einer der Haupttäter im Missbrauchs-Skandal am Berliner Canisius-Kolleg gilt - seine dortigen Taten sind allerdings inzwischen verjährt. Im Fall der heute 20-jährigen Frau hatte die Staatsanwaltschaft ihre ersten Ermittlungen 2011 gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Bereits am Dienstag hatten sich die Vorwürfe gegen das Bistum noch einmal ausgeweitet. Anders als von Bischof Norbert Trelle dargestellt, habe das Opfer bereits in einem ersten Gespräch mit dem Bistum konkrete Angaben zu den Annäherungsversuchen des Priesters gemacht, teilte der WDR am Dienstag mit. Dem Sender liege nun das bislang vom Bistum nicht veröffentlichte Protokoll über das Gespräch mit dem Mädchen am 4. März 2010 vor. Darin stehe unter anderem wörtlich, dass Peter R. dem Mädchen bei einer Übernachtung im selben Zimmer "nahe gekommen" sei. Bischof Trelle wird sich in den kommenden Tagen zu den Vorwürfen äußern, kündigte ein Sprecher des Bistums an. Allerdings nicht persönlich, sondern in einem Brief an die Mitarbeiter des Bistums, der auch im Internet veröffentlicht werden soll.

Opfer fordern Rücktritt von Bischof Trelle

Vor zwei Wochen hatte Bischof Trelle Vorwürfe zurückgewiesen, nach denen Ermittlungen gegen einen Pfarrer im Ruhestand wegen sexuellen Missbrauchs zu spät angezeigt worden sein sollen. Hintergrund war eine WDR-Dokumentation über den Fall der heute 20-jährigen Frau. Sie soll von Pater Peter R. belästigt worden sein, der 2010 auch im Zentrum des Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern stand. Diese Fälle waren jedoch alle verjährt. Daher glauben betroffene ehemalige Canisius-Schüler, dass weitere Ermittlungen im Fall der 14-Jährigen zu einer Verurteilung des heute 74-jährigen Priesters hätten führen können. Die Opferorganisation "Eckiger Tisch" fordert deshalb den Rücktritt von Bischof Trelle.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 15.12.2015 | 17:00 Uhr

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