Stand: 20.04.2019 14:57 Uhr

Mehr Cannabis bei Jugendlichen: Debatte schuld?

Der weiter steigende Cannabis-Konsum von Jugendlichen beunruhigt Behörden und Mediziner. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr 4.498 Minderjährige mit Rauschgift ertappt - das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2010. In 3.282 Fällen ging es dabei um Cannabis. Dazu komme eine hohe Dunkelziffer, so eine LKA-Sprecherin.

LKA: Legalisierungsdebatte konterkariert Aufklärung

Mitverantwortlich für den Anstieg machen die Experten des LKA die wiederkehrende Diskussion über die Legalisierung von Canabis. Dadurch würden die Präventionsbemühungen der Beamten an Schulen konterkariert, heißt es. "Die Legalisierungsdebatte suggeriert gerade jungen Menschen, dass etwas, das legal erworben werden kann, für sie ja nicht schädlich sein kann", so LKA-Präsident Friedo de Vries.

Problem der großen Verfügbarkeit

Seit 2016 warnt das Landeskriminalamt mit der Anti-Cannabis-Kampagne "Die Rauchmelder" an weiterführenden Schulen vor den Gefahren des Konsums. Ein vom LKA erstelltes Medienpaket für Lehrer wurde bundesweit 10.000 Mal an Schulen verteilt. Dennoch würden immer mehr minderjährige Schüler eine gefahrenverneinende Einstellung gegenüber Cannabis haben. Problematisch sei zudem die Verfügbarkeit von Cannabis auf dem Markt. Ermittlungen hätten gezeigt, dass Cannabis im großen Umfang aus dem südosteuropäischen Raum importiert werde.

FDP und Grünen stoßen auf Widerstand

Im vergangenen Sommer hatten die Landtagsfraktionen von FDP und Grünen eine legale Abgabe von Cannabis an bestimmte Gruppen von Erwachsenen angeregt. Dazu wollten sie ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt einrichten lassen. Dieser Vorschlag stieß jedoch auf massiven Widerstand.

Ärztekammer warnt vor Gefahren

Auch auf ärztlicher Seite wird eine Freigabe von Cannabis rigoros abgelehnt. "Mit zunehmend großer Sorge beobachte ich bereits jetzt die negativen Auswirkungen der Cannabis-Legalisierungsdebatte mit Verharmlosung der gesundheitlichen Folgen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen", sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker. Eine aktuelle Studie aus Kanada, wo im Herbst mit der Legalisierung begonnen wurde, warne erneut vor frühem Cannabis-Konsum. Dieser verursache demnach einen weitaus größeren gesundheitlichen Schaden in der Entwicklung Heranwachsender als Alkoholmissbrauch. Wenker forderte statt einer Legalisierung von Cannabis eine deutlich stärkere Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2019 | 14:00 Uhr

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