Stand: 26.03.2019 07:52 Uhr

Masern-Fälle: Kinder dürfen wieder zur Schule

Die meisten gesperrten Schüler und Mitarbeiter der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim sind zurück. Ein Mädchen, das keinen Impfschutz nachweisen konnte, ist inzwischen erkrankt.

An der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim kehrt allmählich wieder Alltag ein. Nach dem Bekanntwerden von zwei Masern-Erkrankungen hatte das Landesgesundheitsamt 80 Schüler und fünf Mitarbeiter zeitweise ausgeschlossen, weil diese keinen Impfschutz nachgewiesen hatten. Seit Montag dürfen die meisten von ihnen wieder das Gebäude betreten, wie der Landkreis NDR 1 Niedersachsen bestätigte. Eines der ausgeschlossenen Mädchen sei zwischenzeitlich an Masern erkrankt. Das zeige, wie wichtig das Verbot gewesen sei. Ursprünglich galt Letzteres für 107 Personen, einige legten jedoch kurzfristig ihre Impfpässe vor, so der Landkreis weiter.

Drei weitere Schulen schließen Kinder aus

An zwei anderen Hildesheimer Schulen müssen zusammen neun weitere Kinder ohne ausreichenden Impfschutz bis zum 1. April zu Hause bleiben. In Hannover dürfen derzeit sechs Kinder nicht in ihre Grundschule, weil sie keinen Impfschutz nachweisen konnten.

Debatte um Impfpflicht

Der jüngste Masern-Ausbruch in Niedersachsen hat in Berlin zu einer neuerlichen Debatte über eine Pflicht zur Masern-Impfung geführt. Die Große Koalition prüft eine Impfpflicht für Kinder. Im Bundesgesundheitsministerium mache man sich nach Angaben eines Sprechers große Sorgen über die Ausbreitung der ansteckenden Krankheit. Das Ministerium begrüße daher die Debatte, hieß es. Aus verfassungsrechtlichen Gründen ist eine Impfpflicht allerdings schwer durchzusetzen. Unter anderem könne das einen Eingriff in das Elternrecht oder gegebenenfalls eine Verletzung der Religionsfreiheit bedeuten.

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Masern: Sollte es eine Impfpflicht geben?

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Nach dem Auftreten von Masern-Fällen hat eine Hildesheimer Gesamtschule 80 Schüler ohne Impfschutz vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen. Wäre eine Impfpflicht der richtige Weg? Video (02:30 min)

Bislang 43 Masern-Fälle in Niedersachsen

Niedersachsenweit sind in diesem Jahr bereits 43 Masern-Fälle aus zwölf Landkreisen gemeldet worden, wie das Landesgesundheitsamt bestätigt. Allein 32 davon fallen auf den Landkreis Hildesheim. Fünf Fälle wurden zudem aus dem Landkreis Peine, vier aus dem Landkreis Harburg gemeldet. Jeweils eine Masern-Erkrankung aus den Kreisen Holzminden und Hameln stand der Behörde zufolge im Zusammenhang mit dem Hildesheimer Ausbruch.

Dieses Jahr mehr als doppelt so viele Fälle wie 2018

Die Quoten der Schulanfänger in Niedersachsen, die zweimal gegen Masern geimpft sind. (Grafik)

Dem Landesgesundheitsamt wurden damit schon mehr als doppelt so viele Fälle wie im gesamten Jahr 2018 übermittelt, damals waren es gerade einmal 18. "Es ist ganz wichtig, dass bei jedem Einzelfall die erforderlichen Maßnahmen des Infektionsschutzes vor Ort umgesetzt werden, um eine weitere Ausbreitung der Masern in Niedersachsen zu verhindern", sagte der Leiter des Landesgesundheitsamtes. Nicht nur Kinder seien betroffen: Für Menschen, die nach 1970 geboren seien, aber noch keine Masern gehabt hätten, sei es wichtig, sich auch im Erwachsenenalter noch einmal impfen zu lassen.

Impfquote im Land unter der "Ausbreitungsbarriere"

In Niedersachsen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) im Jahr 2017 93,3 Prozent der Kinder durchgeimpft gewesen, hatten also auch die zweite und für eine Immunität entscheidende Impfung. Damit ist die Zahl leicht rückläufig, 2014 waren noch 94,2 Prozent durchgeimpft. Von einer "Ausbreitungsbarriere" spricht man laut Landesgesundheitsamt ab einer Quote von 95 Prozent. Masernerkrankungen sind demnach extrem ansteckend und können tödlich sein.

Schlusslicht Osnabrück, Spitzenreiter Holzminden

Die Impfquote schwankt in Niedersachsen von Region zu Region. Die meisten Schüler waren 2017 im Landkreis Holzminden zweimal gegen Masern geimpft. Mit 97,5 Prozent fand sich hier der landesweite Spitzenwert. Es folgten der Landkreis Grafschaft Bentheim (97,2 Prozent) und der Landkreis Peine (97,1). Deutlich weniger geimpfte Schulanfänger gab es dagegen im Landkreis Osnabrück (89,8) - der drittschlechteste Wert im Land. Noch weniger geimpft wurde lediglich im Landkreis Lüchow-Dannenberg (87,3) und in der Stadt Osnabrück. Das Schlusslicht weist eine Durchimpfungsquote von lediglich 85,5 Prozent auf.

Weitere Informationen

Unter dem Soll: Masernimpfungen sind rückläufig

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.03.2019 | 09:00 Uhr

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