Mahnwache in Hannover: Für Fakten, gegen Verschwörungsmythen

Stand: 15.01.2022 17:29 Uhr

In Hannover haben am Freitag mehr als 2.000 Menschen an einer Mahnwache für Zusammenhalt in der Corona-Pandemie teilgenommen. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war dabei.

Die Veranstaltung wandte sich gegen die Verharmlosung der Corona-Pandemie und entsprechende Verschwörungsmythen. Aufgerufen zur "Mahnwache für Solidarität, Zusammenhalt und Demokratie" hatte ein Bündnis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, des Freundeskreises Hannover, des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und des Bündnisses "bunt statt braun". Nach Angaben der Polizei kamen rund 2.500 Menschen zusammen.

Onay: Meinungen ja, "falsche Fakten" nein

Belit Onay spricht bei einer Mahnwache auf dem Opernplatz in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Oberbürgermeister Onay warnte vor dem Glauben an "alternative Fakten".

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) bezeichnete Impfungen gegen das Coronavirus als unverzichtbar. In seiner Rede bezog er sich laut einer Meldung der Nachrichtenagentur epd auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und erklärte: "Fakt ist, dass mehr als 115.000 Menschen allein in Deutschland an Corona gestorben sind. Das macht fassungslos, und vor allem macht das traurig. In Europa ist Corona die Todesursache Nummer eins." Die Gesellschaft müsse sich ernsthaft Sorgen machen, wenn Menschen den Bezug zur Realität verlören und sogenannten alternativen Fakten mehr Glauben schenkten als der Wissenschaft. "Meinungen müssen und können wir aushalten, falsche Fakten allerdings nicht."

Bahr: "Es gibt Spalter am Rand"

"Diese Gesellschaft ist nicht gespalten. Es gibt Spalter am Rand", betonte Hannovers evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr, die auch Mitglied des Deutschen Ethikrats ist. Die Teilnehmenden hätten sich stellvertretend auch für die vielen Menschen versammelt, die von der Pandemie besonders betroffen seien oder sich für deren Bekämpfung einsetzten. Wer zu Gewalt aufrufe, Menschen mit dem Tod bedrohe und antidemokratische oder antisemitische Verschwörungsmythen verbreite, dürfe keine Macht haben, sagte Bahr.

Aktion für Demokratie in Celle

An anderen Orten sind ähnliche Aktionen geplant. In Celle hat das Bündnis "Gelebte Demokratie" für Sonnabendvormittag einen Protest angemeldet. Gewerkschaften, Parteien und Netzwerke gegen Rechtsextremismus beteiligen sich an der Veranstaltung auf dem Großen Plan. Die von mutmaßlich rechten Gruppen organisierten Corona-Proteste bildeten einen Teil, aber keinen Großteil der Gesellschaft ab - so die Botschaft. In Bad Nenndorf veranstalten die Verantwortlichen des Bündnisses "Bad Nenndorf ist bunt" bereits jeden Montag eine Kundgebung mit Redebeiträgen und Live-Musik.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir Oberbürgermeister Belit Onay mit den Worten zitiert, Corona sei die häufigste Todesursache in Deutschland. Richtig ist, dass Onay Corona als häufigste Todesursache in Europa bezeichnet hat und sich dabei auf eine Studie der WHO bezog. Wir haben den entsprechenden Absatz geändert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 14.01.2022 | 15:00 Uhr

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