Stand: 22.02.2019 14:54 Uhr

Lügde: Verschwundene Beweise Thema im NRW-Landtag

Bei den Ermittlungen zum massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde bei Bad Pyrmont ist Beweismaterial verschwunden. Es handelt sich um einen Koffer und eine Hülle mit insgesamt 155 CDs und DVDs, wie der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag mitteilte. Um das Verschwinden der Beweise aufzuklären, seien fünf Sonderermittler eingesetzt worden. Das Material verschwand den Angaben zufolge aus einem Sichtungsraum der Kriminalpolizei. Der Raum sei unzureichend gesichert gewesen, sagte Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann. Und: "Wir können nicht mit Gewissheit sagen, was auf den 155 Datenträgern abgespeichert war."

Polizeiabsperrung, im Hintergrund ein Trampolin und ein Wohnwagen.

Lügde: Innenminister räumt Polizeiversagen ein

NDR//Aktuell -

Bei den Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Lügde ist Beweismaterial verschwunden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul spricht von einem Debakel für die Polizei.

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Sondersitzung des Innenausschusses geplant

Unterdessen haben SPD und Grüne am Freitag im Düsseldorfer Landtag angekündigt, eine Sondersitzung des Innenausschusses zu beantragen. Dann müsste sich das Parlament in der kommenden Woche mit den verschwundenen Beweisstücken beschäftigen.

BDK: "Katastrophe für das Ansehen der Polizei"

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sprach angesichts der verschwundenen Beweise von einer Katastrophe für das Ansehen der Polizei. "Die Bevölkerung vertraut uns, die Opfer vertrauen uns - und wir haben dieses Vertrauen hier offensichtlich verspielt", sagte Oliver Huth, Nordrhein-Westfalens Vize-Landesvorsitzender des BDK im WDR.

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01:54
Hallo Niedersachsen

Missbrauch in Lüdge: Beweise verschwunden

21.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Dem Missbrauchs-Skandal auf einem Campingplatz bei Bad Pyrmont folgt jetzt offenbar ein Polizei-Skandal. Aus der Kreispolizeibehörde Lippe sind wichtige Beweismittel verschwunden. Video (01:54 min)

31 Opfer identifiziert, drei Männer in U-Haft

Tausendfach sollen auf dem Campingplatz Kinder missbraucht worden sein. Bislang sind 31 Opfer im Alter zwischen 4 und 13 Jahren identifiziert, darunter Kinder aus Niedersachsen. Ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus Stade sitzen als Hauptverdächtige in Untersuchungshaft. Ihnen wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen. Ermittelt wird zudem gegen drei weitere Verdächtige sowie gegen zwei Polizisten. Vorwürfe gibt es auch gegen die Jugendämter der Landkreise Hameln-Pyrmont und Lippe: Es wird untersucht, ob Mitarbeiter ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.

Weitere Informationen

Lügde: Über Wochen kaum Besuche bei Pflegevater

Im Fall Lügde hat der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont eingeräumt, dass zuvor regelmäßige Besuche beim verdächtigen Pflegevater über Wochen kaum stattgefunden haben. (19.02.2019) mehr

Sicherungskopien nur von drei CDs

Die verschwundenen Datenträger waren zuletzt am 20. Dezember gesehen worden. Ihr Fehlen wurde erst Ende Januar bemerkt und erst jetzt öffentlich gemacht. Riesige Datenmengen von rund 15 Terabyte hatten Ermittler sichergestellt. Drei bereits gesichtete CDs enthielten offenbar Fotos, jedoch keine Kinderpornografie, sagte NRW-Innenminister Reul laut WDR.de. Von diesen drei CDs seien Sicherungskopien angefertigt worden - vom Rest nicht. Immerhin: Auch große Mengen Filmmaterial liegen noch vor, wie das NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen berichtet. Das verbliebene Beweismaterial werde für eine Verurteilung ausreichen, davon sei er überzeugt, so der Minister. Er entschuldigte sich bei den Opfern und ihren Angehörigen.

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Tatort Campingplatz: Zehn Jahre Kinder missbraucht

Auf einem Campingplatz in Lügde bei Bad Pyrmont sind Ermittlern zufolge zehn Jahre Kinder sexuell missbraucht worden. Ein 56-jähriger Hauptverdächtiger lebte seit Langem dort. (30.01.2019) Bildergalerie

Verschwinden wird von mehreren Seiten untersucht

Reul sprach von "Polizeiversagen". Die ersten Ermittlungen hätten gezeigt, dass es bei der Auswertung des Beweismaterials durch die Polizei "zu schweren handwerklichen Fehlern gekommen ist", sagte Reul. "Das gilt sowohl für die Auswahl des eingesetzten Personals als auch für die Struktur der Ermittlungen." In Nordrhein-Westfalen wird jetzt von mehreren Seiten ermittelt. Die Kreispolizeibehörde Lippe mit Sitz in Detmold räumte "eklatante Fehlleistungen" ein und hat einen unabhängigen, bislang nicht mit dem Fall betrauten Kommissariatsleiter mit der Untersuchung beauftragt. Seit Mittwoch ist auch das Landeskriminalamt NRW mit dem Fall befasst.

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Lügde: Jugendamt-Mitarbeiter freigestellt

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat nach den Missbrauchsfällen in Lügde einen Mitarbeiter des Jugendamtes freigestellt. Er soll unter anderem einen Vermerk zum Fall rückdatiert haben. (15.02.2019) mehr

Drei weitere Tatverdächtige im Fall Lügde

Die Missbrauchsfälle in Lügde ziehen weitere Kreise: Neben den bisher drei Tatverdächtigen wird nun gegen drei weitere Personen ermittelt - wegen Beihilfe und Strafvereitelung. (14.02.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 22.02.2019 | 14:00 Uhr

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