VIDEO: Grausamer Tod in der Weser - Prozessauftakt (3 Min)

Kranke 19-Jährige in Weser ertränkt: Angeklagte schweigen

Stand: 08.02.2021 19:01 Uhr

Zum Auftakt des Prozesses um den Tod einer 19-Jährigen haben sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es geht um ein Verbrechen von außergewöhnlicher Brutalität.

Zwei Männer und eine Frau müssen sich wegen Mordes vor dem Landgericht Verden verantworten. Außerdem droht den Männern eine Verurteilung wegen Menschenhandels und der Frau wegen Beihilfe zum Menschenhandel. Das sagte der Vorsitzende Richter am Montag. Die Angeklagten sollen die 19-Jährige aus Helmstedt an eine 21 Kilogramm schwere Betonplatte gefesselt und in die Weser geworfen haben. Das Opfer habe zu diesem Zeitpunkt erkennbar noch gelebt, so der Vorwurf der Staatsanwältin.

Psychisch krankes Opfer sollte als Prostituierte arbeiten

Die drei Angeklagten aus dem Landkreis Nienburg hätten menschenverachtend und grausam gehandelt. Einer der drei Angeklagten oder alle drei zusammen hatten die junge Frau der Anklage zufolge für 2.000 Euro und den Erlass von Drogen-Schulden von einem Zuhälter "gekauft", um sie als Prostituierte einzusetzen. Einer der 40 und 53 Jahre alten Männer habe sie über eine entsprechende Anzeige angeboten - im Wissen, dass die 19-Jährige an paranoider Schizophrenie litt. "Sie war hochgradig psychotisch", sagte die Staatsanwältin. Die 19-Jährige habe sich nicht äußern oder gar geordnete Gespräche führen können.

Misshandelt und in den Fluss geworfen

Eine Angeklagte sitzt in der Stadthalle Verden. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Die genaue Rolle der weiblichen Angeklagten bei den Taten ist nicht geklärt.

Als sich herausstellte, dass die 19-Jährige wegen ihrer Krankheit nicht für die Arbeit als Prostituierte infrage kam, hielten die Angeklagten sie laut Staatsanwaltschaft in einer Garage fest. Das Opfer habe zeitweise laut geschrien und sei schließlich von allen drei Angeklagten bewacht worden. Schließlich sei der Entschluss gefallen, die Frau zu töten, da man mit ihr kein Geld würde verdienen können. Die Männer hätten die unbekleidete 19-Jährige gewürgt, sie dann an die Betonplatte gefesselt, mit dem Auto zur Weserschleuse gefahren und ins Wasser geworfen. Ob die 39-jährige Angeklagte den beiden Männern dabei half oder im Haus die Spuren der Misshandlungen beseitigte, ist nicht klar. Sie wusste laut Anklage aber von den Vorgängen und soll einen Vorschlag gemacht haben, wie das Opfer getötet werden könnte.

Der Leichnam des Opfers war Ende April 2020 aus dem Schleusenkanal bei Balge (Landkreis Nienburg) geborgen worden.

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19-Jährige, deren Leiche in der Weser gefunden wurde © Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg

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Im Fall der in der Weser ertränkten 19-jährigen Andrea K. gelten vier Personen als tatverdächtig. (14.07.2020) mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.02.2021 | 15:00 Uhr

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