Stand: 05.09.2019 18:22 Uhr

Kinder misshandelt? Offenbar kaum Infos aus Rumänien

Das niedersächsische Sozialministerium kann Misshandlungsvorwürfe gegen ein deutsches Heim für schwer erziehbare Jugendliche in Rumänien derzeit nicht bestätigen. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Die Lage sei zurzeit noch sehr verworren, sagte Dirk Schröder, Abteilungsleiter im Sozialministerium. Hinweise auf Gewalt gegen niedersächsische Jugendliche in Rumänien gebe es nur aus den Medien. Von den rumänischen Behörden und dem zuständigen Ministerium existierten keinerlei entsprechende Informationen.

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Heimkinder aus Bothel in Rumänien misshandelt?

30.08.2019 09:30 Uhr

In einem rumänischen Heim sind offenbar auch neun Kinder aus dem Landkreis Rotenburg schwer misshandelt worden. mehr

Reimann fordert rumänische Behörden zu Mitarbeit auf

Am Donnerstag berichteten Schröder sowie Vertreter des Landesjugendamts im Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtags über die Erkenntnisse und Entwicklungen in dem Fall. "Ich hoffe, dass die rumänischen Behörden endlich Informationen zu den erhobenen Vorwürfen bereitstellen und den Zugang zu den von ihnen in Obhut genommenen Kindern ermöglichen", sagte Sozialministerin Carola Reimann (SPD). Die Deutsche Botschaft in Bukarest konnte laut Ministerium zu diesen vier Kindern lediglich in Erfahrung bringen, dass diese sich "in einem geschützten Haus" befinden und "mit allem versorgt werden".

Auslandsaufenthalt soll Entwicklung positiv beeinflussen

23 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, davon zehn aus Niedersachsen, waren an das Heim übermittelt worden. Grundlage für ihren Aufenthalt in Rumänien war laut Sozialministerium eine Kooperationsvereinbarung. Das Heim wurde vom Bund mitfinanziert. Jugendliche werden laut Ministerium in Ausnahmefällen im Ausland untergebracht, "wenn die bisherigen Anstrengungen im Inland erfolglos verlaufen sind, eine Unterbringung in den deutschen Regelsystemen keine positive Entwicklung mehr erwarten lässt und ein neues Umfeld hilfreich sein könnte".

Jugendliche in Familien und Wohngruppen untergebracht

Zu schweren Misshandlungen soll es auf einem Bauernhof gekommen sein - Jugendliche mussten dort offenbar arbeiten und wurden laut Staatsanwaltschaft in Bukarest "barbarisch" behandelt. Nach Angaben des Sozialministeriums lebte der größte Teil der an das Heim übermittelten 23 Jugendlichen nicht auf diesem Bauernhof. Fünf seien inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt, den übrigen in rumänischen Pflegefamilien und Wohngruppen untergebrachten Jugendlichen gehe es nach eigenem Bekunden gut. Sie wollten in Rumänien bleiben.

Auch Kinder aus Bothel in Heim

Ende August waren die Vorwürfe gegen das Heim bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft spricht von regelrechter Versklavung. Der deutsche Leiter des Heims wurde festgenommen, er soll die Einrichtung gemeinsam mit seiner Ehefrau geführt haben. Auch vier Rumänen wurden von den dortigen Behörden festgenommen. Neun Kinder aus einem Heim in Bothel im Landkreis Rotenburg sollen in der Einrichtung gelebt haben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.09.2019 | 16:00 Uhr

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