Soldaten steigen aus den Transportflugzeugen A400M der Bundeswehr und dem Airbus A310 der Luftwaffe nach der Landung auf dem niedersächsischen Stützpunkt Wunstorf. © dpa Foto: Daniel Reinhardt

Jetzt auch "MedEvac" in Wunstorf gelandet

Stand: 29.08.2021 09:36 Uhr

Die fliegende Intensivstation "MedEvac" ist am Sonnabendnachmittag in Wunstorf (Region Hannover) angekommen. Auch eine weitere Transportmaschine des Typs A400M landete.

An Bord waren die letzten 16 Soldaten der Sicherungstruppe für die Flugzeuge in Kabul sowie Material. Damit sind nun alle Einsatzkräfte zurück in Deutschland. Der "MedEvac", ein umgebautes Flugzeug vom Typ A400M, war nach dem Ende der Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan einen Tag länger auf dem Flugplatz in Taschkent (Usbekistan) geblieben, "um die amerikanischen Kräfte bei Bedarf unterstützen zu können", wie das Bundesverteidigungsministerium via Twitter mitteilte.

Hunderte Soldaten am Freitag in Wunstorf gelandet

Am Freitagabend waren drei Flugzeuge der Bundeswehr mit Hunderten Soldatinnen und Soldaten auf dem Fliegerhorst in der Region Hannover gelandet. Die erste Maschine setzte gegen 19.45 Uhr auf, die beiden anderen folgten wenige Minuten später. Zunächst hatte die Bundeswehr die Ankunft der Soldatinnen und Soldaten in zwei Maschinen des Typs A400M und einem Airbus A310 für 16 Uhr angekündigt, dann für 18.30 Uhr. Dem Vernehmen nach hatte sich der Abflug wegen Verstimmungen mit der usbekischen Seite verzögert, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Die heimgekehrten Einsatzkräfte wurden nach der Landung von Wunstorf aus mit Bussen in ihre Heimatstandorte gebracht. Unter ihnen waren unter anderem Fallschirmjäger aus Seedorf im Landkreis Rotenburg und Sanitäter aus Leer in Ostfriesland.

Kommandeur Arlt: "Dieser Einsatz wird mich prägen"

Brigadegeneral Jens Arlt, der Kommandeur der Mission, sagte nach der Landung in Wunstorf, es sei gelungen, humanitäre Not zu lindern. "Dieser Einsatz wird mich prägen, wird uns alle prägen", so Arlt. Er berichtete von den Zuständen auf dem Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. "Der zivile Teil auf der Südseite ist zerstört", sagte der Brigadegeneral. Es werde schwierig, Gebäude und die notwendige Sicherheitsstruktur wieder herzustellen. Das Ausfliegen schutzbedürftiger Menschen sei allein aus dem militärischen Teil erfolgt.

Kramp-Karrenbauer würdigt "unglaubliche Leistung"

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gibt am Fliegerhorst in Wunstorf ein Statement ab.
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Einsatzkräfte auf ihrem Flug von Taschkent nach Wunstorf begleitet.

An Bord waren auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die Wehrbeauftragte Eva Högl sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, Deutschlands ranghöchster Soldat. Sie waren am Donnerstagabend nach Taschkent gereist, um den an der Afghanistan-Mission beteiligten Soldatinnen und Soldaten zu danken. Kramp-Karrenbauer würdigte nach der Landung den Einsatz der beteiligten Kräfte. "Wir alle haben den Männern und Frauen unser vollstes Vertrauen geschenkt, und ich kann nur sagen, dass sie dieses mehr als erfüllt haben", sagte die Verteidigungsministerin. "Dafür bin ich ihnen zutiefst dankbar. Wir alle in Deutschland stehen ihnen gegenüber in einer ganz tiefen Schuld." Die Soldaten und Einsatzkräfte hätten Unglaubliches geleistet und Unfassbares gesehen und erlebt. "Es wird eine geraume Zeit dauern, dies alles zu verarbeiten", so Kramp-Karrenbauer.

Großer Dank vom Bundespräsidenten

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte den Rückkehrern für ihren Einsatz bei der Luftbrücke: "Unser Land ist stolz auf Sie", schrieb Steinmeier in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. "Danke für Ihren mutigen Einsatz in einer sehr gefährlichen Mission - wie gefährlich, das hat nicht zuletzt der brutale Anschlag am Flughafen Kabul gezeigt. Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben Sie Tausende Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht."

Verteidigungsministerin: 5.347 Menschen wurden evakuiert

Die rund 600 Einsatzkräfte waren laut Bundeswehr "an der bisher größten militärischen Evakuierungsmission der Bundesrepublik" beteiligt. Die Evakuierungsoperation in Kabul sei "hochgefährlich" gewesen, teilte auch das Verteidigungsministerium am Freitagmorgen über Twitter mit. Nach elf Tagen hatte die Bundeswehr am Donnerstag die Luftbrücke zwischen der afghanischen Hauptstadt und dem usbekischen Taschkent beendet. Laut der Verteidigungsministerin wurden bei dem Einsatz 5.347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4.000 Afghanen.

37 Evakuierungsflüge vom Flughafen Kabul

Mit Transportflugzeugen vom Typ A400M seien die Einsatzkräfte rund um die Uhr zwischen Kabul und Taschkent unterwegs gewesen, teilte die Bundeswehr mit. Insgesamt habe es 37 Flüge gegeben. Fallschirmjäger, Soldaten des Kommandos Spezialkräfte, Feldjäger, Krisenunterstützungsteams, Sanitäter, Militärpolizei, Angehörige der Luftwaffe und weitere Spezialistinnen und Spezialisten aller Bereiche der Bundeswehr seien in Deutschland, in Taschkent und am Flughafen in Kabul im Einsatz gewesen, um die Evakuierung von deutscher Seite sicherzustellen.

Bundesregierung will Schutzsuchenden weiter Ausreise ermöglichen

Überschattet wurde der letzte Evakuierungsflug am Donnerstag von seit Tagen befürchteten Terroranschlägen des "Islamischen Staates" (IS) vor dem Flughafen in Kabul. Zahlreiche Afghaninnen und Afghanen sowie 13 US-Soldaten wurden getötet. Die Anschläge hätten deutlich gemacht, "dass eine Verlängerung der Operation in Kabul nicht möglich war", sagte Kramp-Karrenbauer am Donnerstag. Nach Angaben des Auswärtigen Amts arbeitet die Bundesregierung auch nach dem Ende der Luftbrücke weiter daran, "denjenigen Menschen in Afghanistan, für die wir besondere Verantwortung tragen, eine sichere Ausreise zu ermöglichen". Nach Schätzung des Auswärtigen Amts sind noch mehr als 10.000 Menschen in Afghanistan zurückgeblieben, die eine Aufnahmegarantie von Deutschland haben. Unter ihnen sind einem Sprecher zufolge noch rund 300 deutsche Staatsbürger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.08.2021 | 10:00 Uhr

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