Infizierter Fluggast in Hannover: Virus-Variante noch unklar

Stand: 21.12.2020 15:09 Uhr

Aus Sorge vor einer mutierten Form des Coronavirus sind 64 Passagiere aus London auf dem Flughafen Hannover bei der Einreise gestoppt worden. Eine Person wurde positiv auf Corona getestet.

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, wurden der infizierte Fluggast und zwei Familienmitglieder in einem Quarantäne-Transport in ihre Wohnung gebracht und dort isoliert. Ob die oder der Betroffene mit der neuen, möglicherweise besonders ansteckenden Virus-Variante infiziert ist, steht noch nicht fest. Weitere Labortests sollen dies klären. "Die Differenzierung kann nur das Referenzzentrum in Berlin vornehmen", sagte die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Öffentliches Gesundheitswesen der Region Hannover, Marlene Graf. "Der zuständige Professor Drosten bekommt Material vom Labor zugeschickt und wird die Frage dann zügig beantworten."

Alle Passagiere müssen in Quarantäne

Die übrigen Passagiere aus der Maschine von British Airways konnten den Flughafen am Montagmorgen verlassen. Sie müssen sich an ihrem Zielort allerdings in eine zehntägige Quarantäne begeben. Nach fünf Tagen haben sie die Möglichkeit, sich erneut testen zu lassen und bei einem negativen Ergebnis die Quarantäne vorzeitig zu beenden. Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) kündigte an, dass alle Betroffenen mit Wohnsitz in der Region Hannover auf jeden Fall noch einen zweiten PCR-Test machen müssen. Entsprechende Empfehlungen würden auch an die anderen beteiligten Gesundheitsämter weitergegeben. An Bord des Flugzeugs waren insgesamt 64 Personen, darunter auch Kleinkinder. Eine Frau entschied sich nach Angaben der Region dafür, mit derselben Maschine umgehend wieder zurück nach London zu fliegen.

Regionspräsident Jagau rechtfertigt Vorgehen

Die Betroffenen waren am Sonntagabend in Langenhagen gelandet - kurz vor Inkrafttreten des Einreise-Verbots aufgrund der neuartigen Coronavirus-Variante. Nach Angaben einer Flughafensprecherin wurden sie in Terminal D isoliert und mit Feldbetten, Essen und Getränken versorgt. Außerdem wurden umgehend PCR-Tests durchgeführt, die über Nacht ausgewertet wurden. "Die Maßnahmen waren das mildeste Mittel, um sicherzustellen, dass wir hier dieses neue Virus nicht bekommen", sagte Jagau. Kritik daran, dass sich die Passagiere alle in einer Halle aufhalten mussten, wies er mit deutlichen Worten zurück. "Wer in diesen Zeiten reist, muss sich über die möglichen Konsequenzen klar sein", sagte Jagau. Das Ansteckungsrisiko jedenfalls sei im Flugzeug größer gewesen als in der weitläufigen Halle. Von daher habe er kein Verständnis, wenn hinterher jemand "auf Panik" mache.

Terminal D als Nachtlager

Das Terminal wird normalerweise nur als Ausweichort bei Umbauarbeiten eines anderen Terminals oder für die Ankunft von Geflüchteten genutzt und ist für den Publikumsverkehr gesperrt. Es werde nun geprüft, wie die Halle gereinigt werden soll, hieß es. Dafür werde man sich bei Firmen informieren, die sich auf professionelle Desinfektion spezialisiert haben. Das Gebäude, das etwa so groß wie ein Fußballplatz ist, liegt rund 100 Meter entfernt von den anderen größeren Terminals.

Furcht vor mutiertem Virus

Landungen aus Großbritannien sind seit Mitternacht untersagt, wie aus einer Verfügung des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht. Die Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Auch in anderen deutschen Städten wurden aus England kommende Fluggäste positiv auf Corona gestestet. Allein in Hamburg gab es sieben Fälle.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.12.2020 | 16:00 Uhr

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