Stand: 05.03.2020 21:31 Uhr

Hannover: Continental macht Milliardenverlust

Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender der Continental AG, und Wolfgang Schäfer, Finanzvorstand, stehen bei einem Presstermin nebeneinander. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Der Continental-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart und Finanzvorstand Wolfgang Schäfer haben die Unternehmens-Bilanz für 2019 vorgestellt.

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental hat 2019 einen Milliardenverlust gemacht. Für das vergangene Jahr habe man mehr erwarte, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer bei der Präsentation der Zahlen am Donnerstag in Hannover. Auch wenn der Umsatz leicht auf 44,5 Milliarden Euro gestiegen ist, bleibt unter dem Strich ein Nettoverlust in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Dax-Konzern noch knapp 2,9 Milliarden Euro Plus gemacht. Trotzdem sei das Unternehmen solide aufgestellt, sagte Schäfer. Denn Continental habe wenig Schulden und vergleichsweise viel Eigenkapital. Außerdem sei der Automobilzulieferer in den Wachstumsbereichen der Industrie erfolgreich.

Conti stellt sich auf weiterhin schwierige Zeiten ein

Beim automatisierten Fahren sei das Unternehmen "ganz stark", so Schäfer. Auch in die neuen Hochleistungscomputer für Fahrzeuge setzt Conti große Hoffnungen. Momentan hat das Unternehmen aber mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen. Das Quartal ist nach Unternehmensangaben verhalten angelaufen, für das Geschäftsjahr 2020 erwartet der Konzern höchstens so viel Umsatz wie im vergangenen Jahr, möglicherweise auch deutlich weniger. Der größte Teil des erwarteten Minuseffektes sei auf das Coronavirus zurückzuführen. "Insgesamt wird das wirtschaftliche Umfeld 2020 sehr herausfordernd bleiben", sagte Schäfer.

Mitarbeiter werden für Zukunftsbereiche geschult

Vorstandschef Elmar Degenhart will jetzt noch mehr einsparen. "Es ist gerade mal fünf Monate her, dass wir dachten, wir gehen tief genug", sagte er. Heute müsse man erkennen, dass weitere Maßnahmen nötig seien. Im Mai will die Unternehmens-Führung über die weitere Umsetzung des Umbaus sowie über zusätzliche Schritte informieren. Im Rahmen des bereits aufgelegten Umbauprogramms "Transformation 2019-2029" sollen möglichst viele Mitarbeiter weiterqualifiziert werden, um für die Bereiche Sensorik, Elektronik und Software fit gemacht zu werden. Andere Bereiche wie Hydraulik und Verbrenner-Technik will das Unternehmen dagegen runterfahren.

"Veränderungen" bei 15.000 Arbeitsplätzen geplant

Nach bisherigen Plänen von Continental dürfte es bis 2023 weltweit für 15.000 Arbeitsplätze "Veränderungen" geben. 1.000 Beschäftigte sind laut Degenhart bereits von Kürzungen betroffen. Im Extremfall könnten auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden. Dies sei jedoch "die letzte drastische Maßnahme, die vorstellbar ist. Es werde die Wettbewerbsfähigkeit jedes Standorts bewertet. Continental-Betriebsratschef Hasan Allak kritisierte, dass der Vorstand betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen will. Diese seien "völlig inakzeptabel". "Mit Kahlschlag lässt sich keine Transformation betreiben", so Allak.

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Niedersachsen 18.00 | 05.03.2020 | 18:00 Uhr

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