Stand: 17.01.2019 21:28 Uhr

Flüchtiges RAF-Trio: Hilfe durch die Stasi?

von Angelika Henkel

Wo sind die drei ehemaligen Terroristen der RAF, denen das niedersächsische Landeskriminalamt zwölf Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 zurechnet? Freitag vor drei Jahren wurde bekannt, dass die Polizei aufgrund von DNA-Treffern nach Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg fahndet. Doch alle Hinweise liefen ins Leere - trotz aufwendiger Ermittlungen, trotz der qualitativ guten Bilder von Überwachungskameras und umfangreichen Fahndungsaufrufen. Innerhalb der Polizei wird das hinter vorgehaltener Hand mit hohem professionellem Vorgehen der Verdächtigen erklärt. Doch wie heutzutage ein Leben ohne Dokumente, Bankkonto und Adresse möglich sein soll, das ist vielen ein Rätsel.

Ein Fahndungsfoto von Ernst-Volker Staub.

Warum fehlt vom RAF-Trio weiter jede Spur?

Hallo Niedersachsen -

Seit Jahren werden drei ehemalige RAF-Terroristen gesucht, mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen. Doch die Polizei tappt im Dunkeln. Hatten sie einst Hilfe der Stasi?

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Bürgerliches Leben mit falschen Identitäten?

Ulf Küch, Ehrenvorsitzender beim Bund deutscher Kriminalbeamter, vermutet, dass die Untergetauchten mit falschen Identitäten ein unauffälliges, bürgerliches Leben führen. Seine These: Die drei könnten in den 1980er-Jahren Unterstützung der sogenannten Staatssicherheit (Stasi), dem ehemaligen, berüchtigten Geheimdienst der DDR, gehabt haben und noch heute davon profitieren.

Papiere aus der DDR?

"Ich persönlich gehe davon aus, dass sie mit irgendwelchen Personalien mitten unter uns leben", sagte Küch dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. "Wir wissen von den Terroristen in den 1980er-Jahren, dass sie Unterschlupf in der DDR suchten und bekamen. Da werden auch diese drei sicherlich entsprechende Papiere bekommen haben." Auch die Waffen, die die Täter bei einem Raubüberfall im Juni 2015 in Groß Mackenstedt (Landkreis Diepholz) nutzten, seien auffällig und könnten dafür sprechen, dass es eine Spur in die DDR gab. Ulf Küch: "Eine Panzerfaust und Kalaschnikows, das sind militärische Waffen, wie sie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion verwendet wurden."

Stasi und RAF erhofften sich mehr

Naturgemäß hatte die Stasi ein Interesse an der RAF. Sie sammelte in den 1970er-Jahren nicht nur Informationen über die Terroristen - sie billigte auch Aus-und Einreisen über den Ostberliner Flughafen Schönefeld. Dann änderte sich das Näheverhältnis. "Als 1979/1980 Terroristen der RAF aussteigen wollten, half die Stasi ihnen und schaffte ihnen ein neues Asyl, eine neue Identität, neue Berufe in Ostdeutschland", erklärt Dr. Tobias Wunschik, der für die Stasiunterlagenbehörde (BStU) die Zusammenhänge zwischen Stasi und RAF erforscht. Aktive RAF-Mitglieder hätten damals mehr Unterstützung durch den Osten gewünscht. "So kam es zu militärischen Trainings und mehreren Aufenthalten in der DDR. Allerdings zerbrach diese unheilvolle Allianz wenig später, weil sich beide Seiten mehr erhofft hatten." Die Stasi habe damals gehofft, die RAF für eigene Zwecke nutzen zu können, die Gruppe hingegen wollte sich nicht reinreden lassen.

Keine Indizien für Kontakt

Den Höhepunkt der RAF-Stasi-Verbindung sieht der Historiker Anfang der 1980er-Jahre - danach seien die Kontakte abgebröckelt. Tobias Wunschik findet es deshalb unwahrscheinlich, dass die Stasi auch der späteren, sogenannten dritten Generation, unter die Arme griff. Ihr werden die heute Gesuchten zugeschrieben. Die Abteilung Terrorabwehr habe etwa 500 laufende Meter Akten hinterlassen - doch aus ihnen seien keine Indizien auf eine nähere Beziehung ersichtlich. Auch der NDR hat Akten in Augenschein genommen - doch außer Zeitungsausschnitten oder Fahndungsaufrufen des Bundeskriminalamtes gibt es kaum Hinweise auf Klette, Garweg und Staub. Tobias Wunschik: "Die Staatssicherheit wollte die dritte Generation der RAF aufklären, ihre Pläne und Mitglieder kennen. Aber auf der anderen Seite stand die wesentlich größere Sorge, dem Schutz oder Gewährenlassens der Linksterroristen überführt zu werden - vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Diese schlechte Presse wollte die Stasi auf jeden Fall vermeiden."

Leben um Untergrund schwer zu organisieren

Ein ehemaliger RAF-Terrorist der zweiten Generation, den Wunschik durch seine Forschung kennt, habe ihm gesagt, das Leben im Untergrund sei schon ihm und seinen Mitstreitern damals schwer gefallen - etwa Wohnungsmieten nur bar zu bezahlen, Dublẹtten von KfZ-Kennzeichen zu beschaffen. Auch er könne sich kaum vorstellen, wie die dritte Generation ihr Leben heute organisiere.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.01.2019 | 19:30 Uhr

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