Stand: 25.03.2019 17:53 Uhr

Fall Lügde: Jugendamtsleiter darf wieder arbeiten

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Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat im Missbrauchsfall von Lügde Fehler im Jugendamt eingeräumt. Der suspendierte Leiter der Behörde darf dennoch demnächst wieder im Kreishaus arbeiten.

Der im Zuge der Ermittlungen rund um den Missbrauchsskandal von Lügde suspendierte Leiter des Hamelner Jugendamtes darf demnächst wieder im Kreishaus arbeiten. Die Vorwürfe seien nicht so schwerwiegend wie die Vorwürfe gegen eine Mitarbeiterin, der fristlos gekündigt werden solle, sagte die Sprecherin des Landkreises Hameln-Pyrmont, Sandra Lummitsch gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Dem Leiter des Jugendamtes, der vor rund fünf Wochen vom Dienst freigestellt wurde, wird vorgeworfen, in der Akte eines Pflegekindes beschönigende Sätze hinzugefügt zu haben, um in dem Fall besser dazustehen. Auf welcher Position der bisherige Jugendamtsleiter arbeiten werde, ist allerdings offen. Klar sei, dass er nicht auf seinen Posten im Jugendamt zurückkehren wird, so die Sprecherin.

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Weitere Konsequenzen sind noch offen

Ob der Fall für den bisherigen Jugendamtsleiter noch weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen haben wird, ließ die Landkreissprecherin offen. Der Kommunalverband wolle abwarten, bis die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen hat.

Jugendamtsleiter zeigte sich selbst an

Der Mann hatte sich selbst angezeigt, nachdem die Akten-Manipulation bekannt geworden war. Mitte Februar hatte Landrat Bartels dazu gesagt, dass ein Mitarbeiter eingeräumt habe, einen Vermerk zur Sache nachträglich in Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben. Dies sei zwar ein üblicher Vorgang, den Vermerk aber im Nachhinein zu erzeugen und rückzudatieren, lasse den Verdacht auf einen Verstoß gegen die Dienstpflichten zu, sagte der Landrat vor rund fünf Wochen. Dagegen werde der Mitarbeiterin vorgeworfen, die Hinweise auf die Pädophilie des Hauptverdächtigen in dem Missbrauchsfall vom Computer gelöscht zu haben, so Sprecherin Sandra Lummitsch. Die Daten wurden von der Polizei aber rekonstruiert.

Landrat räumt Fehler ein

Im Fall des jahrelangen massenhaften Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen steht auch der Landkreis Hameln-Pyrmont unter Druck. Landrat Tjark Bartels (SPD) hatte in der vergangenen Woche erneut eingeräumt, dass das Jugendamt Fehler gemacht habe. So sei die Behörde 2016 trotz mehrfacher Hinweise auf eine mögliche Pädophilie des 56 Jahre alten Hauptverdächtigen nicht nachgegangen.

35 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht

Das Jugendamt hatte dem Mann im Mai 2016 auf Wunsch der Mutter die Pflegschaft für ein heute achtjähriges Mädchen übertragen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand gehen die Ermittler davon aus, dass der 56-Jährige gemeinsam mit einem Komplizen 35 Kinder und Jugendliche auf dem Campingplatz in Lügde sexuell missbrauchte und die Taten filmte. 16 weitere Verdachtsfälle werden noch überprüft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.03.2019 | 17:00 Uhr

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