Stand: 03.04.2019 08:12 Uhr

Hildesheim: Missbrauchsvorwürfe werden untersucht

Ein Mann hatte dem Bistum Hildesheim im vergangenen Jahr davon berichtet, wie er als Heimkind missbraucht wurde.

Im Bistum Hildesheim sollen externe Experten einen Ende des Jahres bekannt gewordenen Vorwurf von sexuellem Kindesmissbrauch untersuchen. Bischof Heiner Wilmer und die beauftragten Fachleute wollen am frühen Nachmittag bekannt geben, wie sie bei der Aufarbeitung vorgehen wollen. Ein Mann hatte dem Bistum geschildert, wie er als ehemaliges Heimkind Ende der 50er-Jahre von mehreren Geistlichen sexuell missbraucht worden sei. Es gibt Hinweise auf systematischen sexuellen Missbrauch von Heimkindern durch Verantwortliche der Kirche. Die Vorwürfe richteten sich unter anderem gegen den bereits 1988 verstorbenen Altbischof Heinrich Maria Janssen.

Beschuldigte sind bereits als mutmaßliche Täter bekannt

Der Mann hatte geschildert, dass er sich vor dem damaligen Bischof Janssen habe ausziehen müssen. Er sei von Janssen dann mit den Worten weggeschickt worden, er könne ihn nicht gebrauchen. Zum Bischof gebracht und wieder abgeholt habe ihn der damalige Leiter des Kinderheims "Bernwardshof", ein Priester, der ihn auch missbraucht haben soll. Auch ein Kaplan habe sich an ihm vergangenen. Beide beschuldigten Geistlichen sind dem Bistum bereits als mutmaßliche Täter bekannt. Auch sie sind schon verstorben.

Institut wirft Bistum schwere Versäumnisse vor

Gegen Janssen hatte es bereits 2015 einen Missbrauchsvorwurf gegeben. Das mit der Untersuchung beauftragte Institut konnte allerdings keine Zeugen mehr finden, weshalb sich der Vorwurf nicht erhärten ließ. Es warf dem Bistum Hildesheim aber jahrzehntelange schwerwiegende Versäumnisse im Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen vor. Nach einer Ende September veröffentlichten Studie gab es im Bereich des Bistums Hildesheim in den vergangenen Jahrzehnten mindestens 153 Menschen Opfer von sexualisierter Gewalt.

Wilmer: Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch

Erst vor Kurzem hatte Bischof Wilmer das Zölibat in Verbindung mit den Missbrauchsfällen in der Kirche gebracht. "Es scheint offensichtlich, dass die Kirche durch den Zölibat sexuell unreife Männer angezogen hat", sagte er. Statt der Abschaffung der Ehelosigkeit von Priestern forderte er verschärfte Aufnahmekriterien zum Priesteramt und eine reformierte Ausbildung. Auf ihrer Frühjahrstagung in Lingen hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Aufarbeitung des Missbrauchs angekündigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 03.04.2019 | 08:30 Uhr

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