Stand: 21.01.2020 11:15 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Der Wolf lebt: Ein Jahr erfolglose Jagd

Irgendwo muss er sein, der Leitwolf des Rodewalder Rudels. Die Jagd nach ihm verläuft jedoch schon ein Jahr erfolglos. (Symbolbild)

Der Wolf ist sicherlich bis kommenden Sonntag tot - so hieß es aus Niedersachsens Umweltministerium Ende März 2019. Dort war man damals noch zuversichtlich. Vor einem Jahr, am 23. Januar 2019, wurde eine Ausnahmegenehmigung erteilt, den Leitwolf des Rudels aus Rodewald (Landkreis Nienburg) zu "entnehmen", also zu töten. Er hatte unter anderem Rinder gerissen. Das Umweltministerium beschloss: Der Wolf muss weg. Der Wolf ist ein Jahr später aber immer noch da. Davon geht man im Ministerium zumindest aus.

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Das Ziel: Schnellstmögliche Tötung

Monat für Monat wird die Ausnahmegenehmigung verlängert. Nur im Februar lag sie mal wegen einer Klage vorübergehend auf Eis, doch Gerichte bestätigten: Das Tier darf geschossen werden. Wölfe sind streng geschützt, regelmäßig muss überprüft werden, ob die Tötung wirklich noch notwendig ist. Aus dem Ministerium wird das bejaht. Auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen teilt man dort mit, der Rüde habe seit dem 23. Januar 2019 nachweislich ein Kalb und zwei Schafe getötet sowie zwei Schafe verletzt, zuletzt im Juli. Beim Riss eines Pferdes im Februar und eines Rinds im September gebe es zumindest Hinweise, dass der gesuchte Wolf beteiligt war.

Die Verantwortlichen betonen, dass der Rüde mit der offiziellen Bezeichnung "GW717m" so schnell wie möglich aus der Natur verschwinden müsse. Denn dieser Wolf, der sogar Rinder reißt, die in der Herde eigentlich als geschützt gelten, gebe seine Jagdtechniken an andere Rudelmitglieder weiter. Werden neue Welpen geboren und der Leitwolf ist immer noch da, lernten die Jungtiere seine Techniken. So sei er auch dann eine Gefahr, wenn er selbst keine Tiere mehr reißen sollte.

Örtliche Jäger sollen erfolgreicher sein

Es sollte also zügig gehen mit der Tötung. Dieses Ziel ist eindeutig nicht erreicht worden. "Das Vorhaben ist aufgrund der Größe des Gebiets von bis zu 600 Quadratkilometern, in dem sich der gesuchte Wolf aufhält, nicht leicht", teilt das Ministerium mit. "Wir möchten bei der Entnahme die größtmögliche Gewissheit haben, das richtige Tier zu entnehmen und gehen entsprechend vorsichtig vor." Bislang sollten externe Fachleute den Wolf zur Strecke bringen. Das hat offenbar nicht geklappt. Mitte Januar teilte Umweltminister Olaf Lies (SPD) deshalb mit, er wolle die örtliche Jägerschaft einbinden. Dafür müsse das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden, was im Februar geschehen solle.

Mit der Jagd geht auch die Diskussion immer weiter

Dadurch, dass die Wolfsjagd sich so lange hinzieht, geht auch die hitzige Debatte um das Thema beständig weiter. Insbesondere in den sozialen Medien kochen Emotionen derart hoch, dass Namen der an der Jagd beteiligten Personen aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden. Die anhaltende Kritik ist ein Aspekt, der das Ministerium seit einem Jahr begleitet. Die steigenden Kosten der Wolfssuche sind ein weiterer Kritikpunkt. Bis Ende September hat die Jagd auf "GW717m" laut Lies an die 100.000 Euro gekostet.

Tötung von "Problemwolf" auch für den Artenschutz

Das Ministerium steht unter Rechtfertigungsdruck. Verteidigt aber, dass es keine andere Möglichkeit gebe, als an der Tötung festzuhalten. Der Rodewalder Leitwolf habe nachweislich etwa 40 Nutztiere getötet - Schafe, Rinder, Ponys, ein Alpaka. Hinzu kämen mehrere verletzte Weidetiere. Dieser Wolf ist ganz offiziell ein "Problemwolf", wie das Umweltministerium erklärt: "Im Zusammenhang mit der Weidetierhaltung ist ein Wolf problematisch, wenn er gelernt hat Tiere zu reißen, die als ausreichend geschützt gelten."

Und seine Entnahme diene nicht zuletzt dem Schutz der Wölfe: Sollte er seine problematischen Jagdtechniken an Rudelmitglieder weitergeben, müssten vielleicht auch diese getötet werden. "Um dies zu verhindern, ist in Fällen wie von 'GW717m' möglichst schnell zu handeln, um weitere Ausnahmen vom Artenschutz zu vermeiden", schreibt das Umweltministerium.

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Hallo Niedersachsen | 23.01.2020 | 19:30 Uhr

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