Stand: 07.08.2020 18:42 Uhr

Coronavirus: Bessere Nachverfolgung durch SORMAS?

Ein Mann stellt die Software "SORMAS" vor. © Picture Alliance Foto: Britta Pedersen
Am Freitag wurde das neue System in Hannover vorgestellt.

Mit einer neuen Methode sollen Niedersachsens Gesundheitsämter künftig besser in der Lage sein, Infektionen mit dem Coronavirus nachverfolgen zu können. Das elektronische System dafür heißt SORMAS, das steht für Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System (Management- und Analysesystem zur Ausbruchüberwachung). Es ermögliche, die Kontaktnachverfolgung effizienter zu gestalten und darüber hinaus die erfassten Daten epidemiologisch auszuwerten, sagte Landessozialministerin Carola Reimann (SPD) am Freitag in Hannover.

Wie funktioniert SORMAS?

Doch wie funktioniert SORMAS konkret? Auf Nachfrage beim Gesundheitsministerium erklärt eine Sprecherin das Prozedere: Das digitale System werde von den Gesundheitsämtern gefüttert. Wenn ein Patient Symptome aufweist und ein Arzt nach einem Corona-Test ein positives Ergebnis feststellt, werde dieser Fall vom Arzt an das örtliche Gesundheitsamt weitergeleitet. Dort wird der Fall in die Datenbank eingepflegt - und auch alle möglichen Kontaktpersonen. "So entsteht ein Cluster (Netz), wer mit wem Kontakt hatte", sagte die Sprecherin NDR.de.

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Entwickelt vom Helmhotz Zentrum in Braunschweig

Die Meldung des Arztes ergehe namentlich, sagte der wissenschaftliche Leiter von SORMAS, Gérard Krause. Das sei vom Infektionsschutzgesetz so vorgesehen, es bestehe eine gesetzliche Meldepflicht. Aber: Die Daten würden bei den Gesundheitsämtern bleiben und nicht an das Robert-Koch-Institut oder Landesbehörden weitergeleitet. Entwickelt wurde das System vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Für die Entwicklung und den Betrieb des Systems stellt das Sozialministerium mehr als eine Million Euro zur Verfügung.

Entlastung für Gesundheitsämter

Bis zum September soll es noch einen Schritt weitergehen: Eine App für Smartphone oder Computer mit einem sogenannten Symptomtagebuch. Hier können Kontaktpersonen von Infizierten täglich mögliche Symptome notieren. "Das erspart den Gesundheitsämtern das Hinterhertelefonieren und entlastet sie", so Krause weiter. Hier könnte allerdings ein datenrechtliches Problem durch die Schnittstelle von Patientendaten und Mobilfunkdaten in der App entstehen. Deshalb soll, kündigte Krause an, eine externe Firma das System auf etwaige Sicherheitslücken kontrollieren.

Derzeit arbeiten bundesweit 39 Gesundheitsämter mit SORMAS - neun davon kommen aus Niedersachsen. Das System wurde im Jahr 2014 zum Einsatz gegen Ebola in Westafrika entwickelt und erstmals eingesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 07.08.2020 | 17:00 Uhr

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