Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit einer Mund-Nasen-Bedeckung. © picture alliance/Moritz Frankenberg/dpa

Corona-Gipfel: Bürger müssen Kontakte stärker reduzieren

Stand: 26.11.2020 13:58 Uhr

Die Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Merkel haben schärfere Corona-Maßnahmen für die Adventszeit beschlossen - und Lockerungen für Weihnachten in Aussicht gestellt.

Mehr als sieben Stunden berieten die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am Mittwoch in einer Videoschalte gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Maßnahmen für den Dezember - mit speziellem Blick auf Weihnachten und Silvester. Demnach werden die Kontaktbeschränkungen bis zu den Feiertagen noch einmal verschärft. Die bisherigen Maßnahmen hätten nicht ausgereicht, um die Infektionszahlen zu senken, hieß es. "Deshalb ist es nicht nur nicht die Zeit für Lockerungen, sondern für noch mehr Zurückhaltung in den direkten Kontakten und für noch mehr Umsicht und Vorsicht und Rücksichtnahme auf andere", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Anschluss an die Beratungen.

VIDEO: Dienstag, 24. November: Die Pressekonferenz in voller Länge (45 Min)

Kontakte: Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten

Ziel sei es, mit den Maßnahmen jeden nicht notwendigen Kontakt zu vermeiden. Dementsprechend werden in den nächsten Wochen private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten auf maximal fünf Personen aus maximal zwei Haushalten beschränkt. Kinder bis 14 Jahren sind davon ausgenommen. "Wenn möglichst viele sich im Dezember an diese Regel halten, wird es", laut Weil, "gut vertretbar sein, über Weihnachten bis zum 1. Januar die Kontaktbeschränkungen maßvoll zu lockern." Bis zu zehn Personen sollen zwischen dem 23. Dezember und Neujahr zusammenkommen dürfen, die Begrenzung auf zwei Haushalte werde vorübergehend ausgesetzt. Kinder bis 14 Jahre zählen nicht mit.

Weihnachtsferien beginnen am 19. Dezember

Um das Infektionsrisiko bei einem Treffen mit der Verwandtschaft zu reduzieren, haben Bund und Länder zudem entschieden, die Weihnachtsferien vorzuziehen. Der letzte Schultag ist demnach der 18. Dezember. "Wir möchten allen Kindern und Jugendlichen die Chance geben, ihre Großeltern an Weihnachten zu sehen, ohne sie zu gefährden", sagte Ministerpräsident Weil. "Natürlich klappt das nur, wenn man sich in den dann schulfreien Tagen bis Weihnachten sehr zurückhält, was direkte Kontakte mit anderen anbelangt."

Weitere Informationen
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gehen gemeinsam zur Landespressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Schule und Corona: Land verschärft Maßnahmen in Hotspots

In einem Landkreis mit einem Inzidenzwert ab 200 geht es zum Beispiel für Schulen nun in den Wechselunterricht. mehr

Tonne stellt "Hotspot-Strategie Schule" vor

Generell sollen Schulen weiterhin im Präsenzunterricht bleiben. Das habe sich bewährt und komme insbesondere Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien zugute, sagte Weil. Um die Ansteckungsgefahr in Schulen zu reduzieren, sollen künftig zusätzliche Regeln gelten. Bei Corona-Fällen an Schulen soll künftig einheitlich vorgegangen werden: Infizierte und alle Klassenkameraden sollen sofort für fünf Tage in Quarantäne geschickt werden. Danach ist ein Schnelltest vorgesehen. Ist der negativ, dürfen die Schüler wieder in die Schule. Für Lehrer soll die Quarantänepflicht nicht gelten. Für Schulen in Infektions-Hotspots hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag zusätzlich eine "Hotspot-Strategie Schule" vorgestellt.

Weitere Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz

  • Betriebe und Einrichtungen in Gastronomie, Kultur, Tourismus, Sport und im Bereich körpernahe Dienstleistungen bleiben weiter zu - vermutlich bis Anfang Januar 2021
  • "Novemberhilfen" für betroffene Firmen und Einrichtungen werden im Dezember fortgeführt, der Bund stellt voraussichtlich 17 Milliarden Euro zur Verfügung
  • strengere Auflagen für den Kundenverkehr in Kaufhäusern und eine Ausweitung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum vor Geschäften und auf Parkplätzen
  • Einführung eines neuen Corona-Warnparameters bei einem Inzidenzwert von mehr als 200 Infizierten pro 100.000 Einwohnern
  • keine Großveranstaltungen in Glaubensgemeinschaften zu Weihnachten
  • Silvester-Feuerwerk an öffentlichen Plätzen und belebten Straßen verboten

Althusmann kritisiert Einschränkungen für Handel

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) kritisierte unterdessen die Einschränkungen für den Groß- und Einzelhandel. Zwar bleiben die Geschäfte geöffnet, doch soll sich in kleinen Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern höchstens eine Person auf je 10 Quadratmetern aufhalten, in größeren Geschäften muss auf eine Person 20 Quadratmeter Einkaufsfläche kommen. Anstatt dass Menschen nach den geltenden Abstands- und Hygieneregeln und mit Maske einkaufen können, werden sich nach Einschätzung von Althusmann vielerorts lange Schlangen vor den Geschäften bilden. "Hier gehen die Einschränkungen am Ziel, möglichst hohen Schutz zu erreichen, vorbei", sagte Althusmann. Die ohnehin existenzbedrohende Situation vieler Einzelhändler werde sich durch die neuen Einschränkungen und damit verbundenen Umsatzausfälle verschärfen, so der Wirtschaftsminister.

Handelsverband befürchtet lange Schlangen vor Supermärkten

Kritik äußerte auch der Handelsverband Niedersachsen-Bremen (HNB). Die Menschen gingen ohnehin weniger einkaufen, das zeige sich in den Innenstädten deutlich, sagte Geschäftsführer Alexander Krack. Zudem befürchtet er lange Schlangen vor den Supermärkten, wenn dort die Einschränkungen auch greifen.

Appell: Weihnachtseinkäufe auch unter der Woche erledigen

Ministerpräsident Weil rief die Bürger dazu auf, ihren lokalen Einzelhandel zu unterstützen. "Es liegt an uns allen, dazu beizutragen, dass wir auch nach der Pandemie noch bunte und lebendige Innenstädte in Niedersachsen haben." Gleichzeitig mahnte er die Bürger, ihre Weihnachtseinkäufe "möglichst klug über die Woche zu verteilen" und wenn möglich mehr auf einmal einzukaufen, um seltener losgehen zu müssen.

Weil blickt optimistisch auf das kommende Jahr

Ministerpräsident Weil appellierte erneut an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen. Was bei der Bund-Länder-Konferenz entschieden werde, sei zwar wichtig, aber noch wichtiger sei das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger. Jeder einzelne könne durch sein eigenes Verhalten dazu beitragen, "dass wir ruhige Weihnachten und einen guten Jahreswechsel miteinander begehen können". Am Ende des Jahres werde man sagen, dass 2020 ein sehr, sehr anstrengendes Jahr gewesen sei. Für 2021 ist Weil jedoch optimistisch, dass es besser werden wird. Dafür gebe es jede Menge Anzeichen, wie etwa Impfschutz, mehr Schnelltests und bessere Medikamente.

Landtag plant Sondersitzung am Montag

Über die neuen Regeln soll in Niedersachsen am Montag der Landtag in einer Sondersitzung beraten. Darauf haben sich nach Angaben eines Landtags-Sprechers die Parlamentarischen Geschäftsführer von SPD, CDU, Grünen und FDP verständigt. Ein Viertel der Abgeordneten müsse die Sondersitzung nun schriftlich beantragen. Dann werde Landtagspräsidentin Gabriele Andretta diesem Wunsch sicherlich entsprechen, sagte der Landtagssprecher. FDP und Grüne hatten sich dafür eingesetzt, dass das Parlament eingebunden wird, bevor die neue Corona-Verordnung für Niedersachsen in Kraft tritt.

Weitere Informationen
Silvesterfeuerwerk zum Jahreswechsel 2020 leuchtet hinter dem Rathaus von Hannover auf. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg

Silvesterfeuerwerk auf belebten Plätzen und Straßen verboten

Bund und Länder wollen so Gruppenbildungen vermeiden. Ein generelles Verkaufsverbot für Böller ist dagegen vom Tisch. (25.11.2020) mehr

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält im Niedersächsischen Landtag eine Pressekonferenz. © picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Weil rechnet nicht mit baldigem Ende des Teil-Lockdowns

Vor dem Bund-Länder-Gespräch am Mittwoch hat sich Niedersachsens Ministerpräsident für mehr Klarheit ausgesprochen. mehr

Medizinische und FFP-2-Masken liegen auf einem Tisch. © NDR Foto: Anja Deuble

In Niedersachsen sind strengere Corona-Regeln in Kraft

Im Nahverkehr und in Supermärkten müssen nun medizinische Masken getragen werden. Ausnahmen gelten für Kinder. mehr

Nordhorn: Ein Abstrich für einen PCR-Test wird von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum genommen. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Corona in Niedersachsen: 457 Neuinfektionen, 15 Todesfälle

Der landesweite Inzidenzwert ist weiter gesunken. Er liegt jetzt bei 88,6. Die Gesamtzahl der Todesfälle beträgt 2.986. mehr

Video-Beiträge des NDR zu Corona
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht im Landtag. © NDR
31 Min

Die Regierungserklärung von Stephan Weil in voller Länge

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verteidigt das Vorgehen der Landesregierung und warnt vor den Virus-Mutationen. 31 Min

Christian Meyer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/die Grünen in Niedersachsen, spricht im Plenarsaal des niedersächsischen Landtags. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
1 Min

Meyer: Landesregierung "hört dem Parlament nicht zu"

Christian Meyer (Grüne) kritisiert die Corona-Politik der Landesregierung als "hektisches Stochern im Nebel". 1 Min

Ministerpräsident Stephan Weil spricht im Landtag. © NDR
1 Min

"Geimpfte Gesellschaft muss vor dem Virus keine Angst haben"

Doch Impfmittel-Lieferengpässe erschwerten derzeit noch dieses Ziel, so Ministerpräsident Weil (SPD). 1 Min

.
1 Min

Impftermin-Vergabe: Großer Andrang erwartet

Zu Beginn wird ein Durchkommen wohl schwierig, da es deutlich mehr Impfberechtigte als Termine pro Woche gibt. 1 Min

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) halten eine PK in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
63 Min

"Eltern entscheiden" - Keine Präsenzpflicht für Grundschüler

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) stellen die neuen Corona-Regeln vor. 63 Min

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) äußert sich in einer Pressekonferenz am 20. Januar 2021 zur neuen Maskenpflicht. © NDR
2 Min

Stephan Weil: Corona-Einschränkungen werden erweitert

Medizinische Masken im ÖPNV und im Einzelhandel, mehr Homeoffice und Coronahilfen: die wichtigsten Änderungen im Land. 2 Min

Nico Bloem, der Betriebsratsvorsitzende der Meyer Werft. © NDR
1 Min

Bloem zu geplanten Entlassungen: "Ein Schlag ins Gesicht"

Dass bis zu 1.800 Mitarbeitende entlassen werden sollen, sei ein Skandal, sagt der Betriebsratsvorsitzende Nico Bloem. 1 Min

Regierungssprecherin Anke Pörksen bei der Landespressekonferenz des Corona-Krisenstabes Niedersachsen. © NDR
1 Min

"Impfzwang bringt uns keinen Schritt weiter"

Regierungssprecherin Anke Pörksen zitiert Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum Thema Impfzwang von Pflegekräften. 1 Min

Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs Niedersachsen, spricht auf einer Pressekonferenz. © NDR
1 Min

Schröder: "Handelt sich tatsächlich um die Mutation B.1.1.7"

Bei zwei Reiserückkehrern wurde das Virus aus Großbritannien nachgewiesen. Vier Kontaktpersonen sind Corona-positiv. 1 Min

Landrat Ebel (CDU) sitzt hinter einem Pult mit Mikrofonen. © NDR
2 Min

Corona: Kontaktbeschränkung und Ausgangssperre in Gifhorn

Der Landkreis hat sich gegen den 15-Kilometer-Radius entschieden. Dessen Wirkung sei im Vergleich „sehr gering“. 2 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.11.2020 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Zwei symbolische Darstellungen des Coronavirus in unterschiedlichen Farben. © PantherMedia Foto: imilian

Region Hannover: Frau mit mutiertem Coronavirus infiziert

Knapp 90 Kontaktpersonen müssen nun in eine verlängerte Quarantäne. Wie sich die Frau angesteckt hat, ist noch unklar. mehr

Blick auf das Impfzentrum der Stadt, welches provisorisch in der Sporthalle am Schlosswall errichtet worden ist. © picture alliance / Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona in Niedersachsen: Alle warten auf die Impfung

Donnerstag startet die Terminvergabe für Über-80-Jährige. Doch wegen Impfstoff-Mangels verzögert sich der Impfstart. mehr

Ein Vater sitzt mit seinem Sohn am Tisch und arbeitet währenddessen am Laptop.  Foto: Westend61

Corona-Regeln: Das gilt ab heute in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen wird der Lockdown bis Mitte Februar verlängert. Die neue Verordnung listet die Regeln auf. mehr

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (l-r, SPD), Dirk Koslowski und Anthony Lee von der Bauern-Bewegung Land schafft Verbindung sowie Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) stehen bei einer Mahnwache von Landwirten in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Lies und Otte-Kinast gehen bei Mahnwache auf Landwirte zu

Seit Sonntag protestieren Bauern in Hannover gegen die Düngeregeln. Am Dienstag ist eine Demo in Berlin geplant. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen