Stand: 11.10.2019 20:48 Uhr

Burn-out: Landrat Bartels kündigt Rücktritt an

Der Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), hat seinen Rücktritt angekündigt. Es sei ihm gesundheitlich nicht mehr möglich, sein Amt auszuführen, sagte Bartels in einer Videobotschaft, die am Freitagmorgen veröffentlicht wurde. Der 50-Jährige ist bereits seit einigen Monaten krankgemeldet. Bartels erklärte nun, er leide an einem Burn-out. Er wolle wieder genesen. Seine Ärzte hätten ihm aber geraten, nicht in seinen Beruf zurückzukehren, so Bartels. Er habe daher das Innenministerium informiert. "Ich werde formal aus dem Dienst des Landrates ausscheiden", sagte Bartels.

Landrat Bartels

Burn-out: Landrat Bartels will zurücktreten

Hallo Niedersachsen -

Wegen eines Burn-outs hat Landrat Tjark Bartels seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Seiner Behörde in Hameln-Pyrmont wurden im Fall Lügde schwere Fehler vorgeworfen.

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Verfahren eingeleitet

Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte den Eingang des Antrags. Die Dienstfähigkeit des Landrates werde geprüft, dazu werde ein amtsärztliches Gutachten eingeholt. Wann eine Entscheidung vorliege, ob Bartels in den Ruhestand versetzt wird, sei nicht abzuschätzen, sagte die Sprecherin. Der Landkreis Hameln-Pyrmont hatte zuvor mitgeteilt, dass mit einem Ergebnis Ende Oktober bis Anfang November gerechnet werde. Nach der Anerkennung der Versetzung in den Ruhestand des Landrates müssen binnen sechs Monaten Neuwahlen durchgeführt werden. Der Zeitraum ist über das Niedersächsische Beamtengesetz (NBG) festgelegt. Vorerst wird das Kreishaus von Kreisräten geführt, repräsentative Aufgaben übernimmt Ruth Leunig, die stellvertretende Landrätin.

Nachfolger von Butte

Bartels ist seit Oktober 2013 Landrat von Hameln-Pyrmont. Er ist Nachfolger von Rüdiger Butte (SPD), der im April 2013 in seinem Büro im Kreishaus von einem 74-jährigen Rentner erschossen wurde. Bartels hatte sich in einer Stichwahl gegen Ex-Innenminister Uwe Schünemann (CDU) durchgesetzt. Er wurde für acht Jahre gewählt. In Kreisen der Sozialdemokraten war Bartels zwischenzeitlich für höhere Ämter im Land gehandelt worden, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Nach Bekanntwerden des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde, in dem Bartels mehrfach Fehler seiner Behörde einräumte, war davon keine Rede mehr.

"Im Fall Lügde war meine Grenze überschritten"

In seiner Videobotschaft geht Bartels auf den Fall Lügde und die Aufarbeitung in seiner Behörde ein. Er kritisiert den Umgangston im Fall Lügde insbesondere über die sozialen Medien. Politiker seien Beschimpfungen, auch in übler Form, gewohnt. "Auch ich habe das jahrelang ausgehalten. Im Fall Lügde war meine Grenze deutlich überschritten." Der SPD-Politiker kritisiert, dass "Hate Speech" geduldet werde und auch ein Teil der Medienwelt geworden sei. Bartels beklagt die Folgen: "Ich glaube, wir müssen uns darüber ernsthaft Gedanken machen", sagt Bartels.

Reaktionen auf Rückzug

Kommunalpolitiker im Landkreis reagierten unterschiedlich auf die Rücktrittsankündigung: Ulrich Watermann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, sprach von einem großen Verlust. Es sei dramatisch, dass jemand so schnell so schwer erkranken könne, sagte Watermann NDR 1 Niedersachsen. Auch Ursula Körtner von der CDU, eine der größten Kritikerinnen von Bartels, nannte die Erkrankung Bartels bedauerlich. Seinen Rücktritt bedauere sie aber nicht, sagte Körtner NDR 1 Niedersachsen. Jetzt habe der Landkreis die Chance auf einen Neuanfang, so die Kreistagsabgeordnete.

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Hallo Niedersachsen | 11.10.2019 | 19:30 Uhr

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