Stand: 04.11.2018 18:07 Uhr

Virtuelle Therapeuten und digitale Zahnfeen

von Florian Kneifel

Man nehme zwei Dutzend Ärzte, Informatiker, Designer, Krankenpfleger und andere Interessierte, sperre sie drei Tage in einen Raum mit den neuesten technischen Möglichkeiten und warte ab, was passiert - fertig ist der Hackathon. Die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Wolfsburg-Göttingen hatte zusammen mit dem Haus der Wissenschaft, Firmen, Verbänden und der TU Braunschweig eingeladen, und die Jungunternehmer von morgen kamen zahlreich. Nach drei Tagen und zwei Nächten standen die Sieger fest: "Curilab" überzeugte die Fachjury am meisten.

Smarte Hilfe für die Pflegekraft

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So sieht sich der Patient bei der virtuellen Physiotherapie durch die VR-Brille.

"Curilab", von fünf Teilnehmern an diesem Wochende entwickelt, ist praktisch eine virtuelle Pflegeassistenz, die der Pflegerin oder dem Pfleger die lästigen Protokollierungsarbeiten abnehmen soll. Der Pfleger trägt dazu beispielsweise eine sogenannte Smartwatch am Handgelenk und geht ganz normal seiner Tätigkeit nach und spricht mit dem zu Pflegenden. "So, Herr Mustermann, dann gehen wir mal rüber in das Bad und waschen Sie." "Curilab" entnimmt dem Gespräch, wo der Pfleger gerade ist und dass Herr Mustermann gewaschen wird und trägt alles in ein virtuelles Pflegeprotokoll ein. "Wir sehen hier eine große Entlastung für das Pflegepersonal, das vor lauter Papierkram kaum noch seine eigentlichen Tätigkeiten ausüben kann", begründete die Jury den ersten Platz, der mit 1.000 Euro dotiert ist.

Physiotherapie für Zuhause

Der zweite Platz ging an den digitalen Physiotherapeuten. Dank neuester Virtual-Reality-Technik (VR) gelang es einem jungen Team von Informatikern aus Braunschweig, ein Programm zu entwickeln, mit dem Patienten künftig zu Hause krankengymnastischen Übungen machen können. Der Patient trägt eine VR-Brille und Sensoren an Armen und Beinen. Das Programm macht nun eine Übung vor und der Patient macht sie zu Hause im Wohnzimmer nach. Anhand von Bällen, die getroffen werden müssen, sieht der Patient, ob er die Übung richtig ausführt. Das Entwickler-Team kann sich über den zweiten Platz und drei Gratismonate im Protohaus freuen - einer Werkstatt in Braunschweig, in der es vom 3-D-Drucker über superschnelle Rechner bis hin zum Profi-Lötgerät alles gibt, was das Herz junger Tüftler höher schlagen lässt.

Hackathon zeigt, was er kann

Der dritte Platz des Hackathons kam besonders beim Publikum gut an. Die Zahnfee fürs Handy. "Hier sieht man bestens, wie ein Hackathon funktionieren kann", sagte Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion. Was er meint, ist, dass am Freitagabend ein Zahnarzt bei der Veranstaltung auftauchte, der gerne eine Lösung dafür hätte, wie er Patienten das richtige Zähneputzen näher bringen kann. In der Praxis bliebe dafür nur bedingt Zeit, für die Zahngesundheit sei es aber unerlässlich. Es fanden sich ein Informatiker und ein Betriebswirt und zu dritt kreierten sie die Zahnfee-App. Nach dem Zahnarztbesuch bekommt der Patient von seinem Arzt kleine Videos auf das Smartphone geschickt, mit ganz persönlichen Hinweisen zur Zahnpflege und zum Zahnstatus. Also, wo habe ich eine Füllung, wie putze ich bei einer Krone richtig, welche Zahnpasta ist für mich sinnvoll? Die App soll für den Patienten kostenlos sein.

"Es ist unglaublich, wie viele konkrete Umsetzungen wir in dieser kurzen Zeit hatten, die wirklich praktikabel sind", freut sich Thorsten Witt, Geschäftsführer des Hauses der Wissenschaft, über den Erfindungsreichtum der Niedersachsen. Und so darf man gespannt sein, ob wir sie in Zukunft tatsächlich treffen. Die virtuellen Physiotherapeuten, oder die künstliche Pflegeassistenz. Und natürlich die digitale Zahnfee.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 05.11.2018 | 06:30 Uhr

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