Karim Jothann im Hamelner Jugendzentrum Regenbogen. © NDR Foto: Wilhelm Purk

Queere Jugendliche eröffnen eigenen Treffpunkt in Hameln

Stand: 02.10.2021 16:00 Uhr

Eine Gruppe von queeren Jugendlichen in Hameln hat einen eigenen Treffpunkt gegründet. Sie wollen damit gerade in einer Kleinstadt ein deutliches Zeichen für Toleranz setzen.

Schief angeschaut werden, dumme Bemerkungen - gerade im eher ländlichen Raum ist das oft Realität für Jugendliche, die nicht dem üblichen heterosexuellen Schema entsprechen. Der neue Treffpunkt soll deshalb eine Art sicherer Hafen sein: "Man hat sich so ein Ort gewünscht, wo man so sein kann, wie man möchte. Und es geht auch anderen Jugendlichen so", sagt Treffpunkt-Mitbegründer Karim Jothann. Dabei war der Weg dorthin sogar recht einfach: Jothann hat bei der Stadt angefragt und einen großen Raum im Hamelner Jugendzentrum Regenbogen bekommen.

Angst vor dummen Sprüchen

Einmal pro Woche treffen sich jetzt hier bis zu 15 junge queere Leute. Einer von ihnen ist Dominik Büchner: "Hier in Hameln würde ich jetzt auf jeden Fall nicht Händchen haltend in eine Kneipe gehen oder so", gibt er zu. Er wisse, wie Menschen darauf reagierten - und auf dumme Sprüche hat er keine Lust. Auch Elysa Helms kennt solche unangenehmen Situationen: So habe sie schon öfter lieber die Lehrer-Umkleidekabine genutzt, weil die anderen Mädchen in ihrer Klasse sich nicht mit ihr umziehen wollten - "weil sie Angst hatten, dass ich ihnen irgendetwas weg gucke", wie sie sagt.

Zeigen, wie vielfältig Hameln ist

Für Karim Jothann hat das Problem viel mit Provinz zu tun. Kleinstädte hinkten Großstädten in Fragen der Toleranz manchmal hinterher. Ihm gehe es darum, dass Menschen wie er sich nicht länger verstecken müssen. Und er wolle den Hamelnern zeigen, wie vielfältig ihre Heimatstadt ist. Zudem sei es sein Wunsch, dass die Stadt mehr Engagement zeigt und bei queeren Themen präsenter wird. Jothann: "Damit dieses Thema nicht so unter den Tisch gekehrt wird."

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