Stand: 18.07.2016 14:34 Uhr

"Harzburger Hof": Wie vor Brandstiftung schützen?

War es tatsächlich Brandstiftung? Und welchen Schaden hat das mittlerweile dritte Feuer innerhalb von zwei Jahren in der Ruine des Hotels "Harzburger Hof" angerichtet? Zwar waren bereits am Sonntag Ermittler vor Ort, ebenso am Montag. Doch die genaue Brandursache steht noch nicht fest. Allerdings gehen Feuerwehr und Kommune wie auch schon nach dem ersten Brand von Brandstiftung aus. Alles deute darauf hin, heißt es. Das ehemalige Hotel sei außerdem nicht ans Stromnetz angeschlossen, sodass ein technischer Defekt ausgeschlossen werden könne. Auch Blitzeinschlag kann ausgeschlossen werden, da es kein Gewitter gegeben hat. Umso stärker drängt der Bad Harzburger Bürgermeister Ralf Abrahms (Grüne) den Eigentümer dazu, das Gelände ausreichend zu sichern. "Die gesamten Gebäude sind einsturzgefährdet und es besteht Lebensgefahr", so Abrahms. Trotzdem seien immer wieder Menschen unerlaubt auf das Gelände gegangen.

Welcher Schutz ist ausreichend?

Abrahms zeigte sich wütend und enttäuscht von Eigentümer Thomas Funke, der das ehemalige Hotel vor zwei Jahren ersteigert hatte. Seitdem habe er keinen Handschlag an dem Grundstück getan, sagte Abrahms. Obwohl die Stadt mehrfach bei dem Braunschweiger Architekten Funke vorstellig geworden sei, habe er das Gelände nicht ausreichend gesichert. Doch ganz so klar scheint die Lage nicht zu sein. Der Jurist Wolfgang Neumann verweist auf das Gefahrenabwehrrecht, das hier greife. "Der Eigentümer muss das Gebäude verkehrssicher machen", sagt der Fachanwalt für Kommunalrecht aus Hannover.

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Drittes Großfeuer im "Harzburger Hof"

Am Sonntag war die Feuerwehr viele Stunden mit einem Großaufgebot am "Harzburger Hof" im Einsatz. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Dach des leer stehenden Hotels in Bad Harzburg. Bildergalerie

"Es wird immer Idioten geben"

In diesem Fall hieße das, dass etwa Jugendliche den "Harzburger Hof" nicht betreten können. Ist kein Schutz vorhanden, könne die Kommune dies anordnen. Reagiere der Eigentümer nicht, könne die Kommune handeln und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellen. Allerdings ist das Gelände bereits mit Bauzäunen und Hinweisschildern gesichert. Jedoch ist das Gelände relativ groß und wird von mehreren Seiten von Wald umgeben. Wie man also in Anbetracht der räumlichen Gegebenheiten für "ausreichend" Schutz sorgen könne, darüber dürften die Ansichten von Kommune und Eigentümer weit auseinandergehen. Funke hatte im Dezember gesagt, dass, wer wolle, auch auf das Gelände komme. "Das ist kaum zu verhindern", sagte Funke, "da kann ich Zäune bauen, wie ich will. Es wird immer Idioten geben, die auf dumme Ideen kommen."

Kameras? Eher nicht verhältnismäßig

Bürgermeister Abrahms hatte zudem den Vorschlag gemacht, Kameras zu installieren. Doch Eigentümer Funke habe nicht reagiert. "Nicht einmal diese Summe hat er in die Hand genommen", sagte Abrahms nach dem neuerlichen Brand am Sonntag. Doch Kameras zu installieren, das hält Jurist Neumann für nicht unbedingt verhältnismäßig. "Da hätte ich Bedenken", sagt er. Bürgermeister Abrahms jedenfalls sagte, ihm selbst seien die Hände gebunden, da es sich um Privatgelände handele. Der erneute Brand sei nun ein weiteres Kapitel "einer todtraurigen Entwicklung".

Zwei Feuerwehrleute verletzt

Insgesamt 21 Feuerwehren mit 330 Einsatzkräften waren seit Sonntagmorgen im Einsatz. Gegen Abend waren es nach Angaben eines Feuerwehrsprechers noch knapp 100. Auch in der Nacht loderten Glutnester immer wieder auf, sodass die Brandbekämpfung erst gegen halb elf am Montagmorgen beendet war. Bei den Löscharbeiten wurden zwei Feuerwehrleute verletzt: Eine junge Feuerwehrfrau, die bei den sommerlichen Temperaturen mit Atemschutz gearbeitet hatte, habe einen Kollaps erlitten und sei mit Kreislaufproblemen zur Überprüfung ins Krankenhaus nach Goslar gebracht worden. Inzwischen konnte die Verletzte wieder nach Hause. Ein zweiter Verletzter habe zu viel Rauchgas inhaliert und sei ebenfalls zur Überprüfung ins Krankenhaus gebracht worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.07.2016 | 08:00 Uhr

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