Stand: 07.12.2018 14:59 Uhr

Germanist: AfD-Sprache "Jargon von Verbrechern"

Die NS-Zeit aufwerten, Vernichtungsfantasien heraufbeschwören, die Demokratie als Feind beschwören - Intentionen der AfD, die sie mittels eines "Jargons von Gangstern" verfolge, meint der Göttinger Literaturprofessor Heinrich Detering. Als Beispiel nannte der frühere Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" eine Wahlkampfrede des AfD-Co-Vorsitzenden Alexander Gauland.

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"AfD-Wähler müssen endlich aufwachen"

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Erst provozieren, dann brav zurück rudern - diese Methode der AfD ist abgenutzt und durchschaubar. Für die AfD-Wähler wird es Zeit, aufzuwachen. Torben Hildebrandt kommentiert. Video (01:45 min)

"Volksverräter" sollen erledigt werden

Im Jahr 2017 forderte der, die damalige Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) nach Anatolien zu "entsorgen". Seine Zuhörer sollten Özoguz die "spezifisch deutsche Kultur" in solcher Weise vermitteln, dass sie "danach hier nie wieder herkommt". Detering erkennt hinter dieser Formulierung eine Vernichtungsfantasie - gut zu erkennen an der Reaktion der Zuhörer dieser Rede: In Sprechchören äußerten sie den Wunsch, die "Volksverräter" zu erledigen. "Die Gewaltforderung stellt sich ein, ohne dass sie ausgesprochen werden müsste."

Sprachliche Grenzen durch Zweideutigkeiten ausloten

Als Reaktion empöre sich die Öffentlichkeit jedoch immer wieder über "isolierte sprachliche Entgleisungen". Das reiche aber nicht, so Detering: Es müsse vielmehr darum gehen, "die ideologischen Denkmuster zu rekonstruieren, aus denen die vermeintlichen Entgleisungen folgerichtig und präzise hervorgehen." Denn: "Nicht die einzelne Vokabel, sondern das Narrativ folgt dem Jargon von Gangstern." So sei es denn auch rhetorisches Kalkül Gaulands, sprachliche Grenzen durch Zweideutigkeiten auszuloten. "Er will nichts gesagt haben, aber die Rücknahme ist auf Durchschaubarkeit anlegt."

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Das Wunsch-Deutschland der AfD gebe es nicht mehr

Passend zu der Gewalt-Sprache seien die Rückgriffe mancher AfD-Politiker auf den Nationalsozialismus - für Detering alles andere als Ausrutscher und konstitutiv für die Partei. Die Sprache sei dabei Mittel zum Zweck: "Die AfD muss die NS-Zeit aufwerten, weil sie nur dann die Kontinuität einer deutschen Kulturgeschichte behaupten kann." Die AfD müsse also dem demokratischen Konsens, dass der Nationalsozialismus einen beispiellosen Zivilisationsbruch bedeutet, widersprechen. So bezögen sich die Ankündigungen Gaulands oder von Björn Höcke, man wolle sich "unser Land zurückholen" auf ein Deutschland, das es seit der Kapitulation am 8. Mai 1945 nicht mehr gebe. "Das Feindliche und Fremde, das mit diesem Datum vom Land Besitz ergriffen hat, ist der demokratische Rechtsstaat, die offene Gesellschaft", erläuterte Detering.

Intentionen sichtbar machen

Detering rät, die Intentionen hinter einzelnen Vokabeln und rhetorischen Zweideutigkeiten ernst zu nehmen und sichtbar zu machen. "Sonst gerät man in eine letztlich wirkungslose Empörungsschleife und verheddert sich im Gewirr einzelner Wörter und Begriffe."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 07.12.2018 | 06:30 Uhr

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