Feldroboter sorgt im Landkreis Peine für Staunen

Stand: 13.05.2021 12:39 Uhr

In Alvesse im Landkreis Peine hat die Zukunft der Landwirtschaft schon begonnen. Dort fährt ein Feldroboter ganz selbstständig auf dem Acker eines Bio-Landwirts.

von Frank Ihben

Ganz langsam bewegt sich der "Farmdroid 20", kurz FD20, über den Acker. Sechs Reihen gleichzeitig kann er bearbeiten. Er sät Zuckerrüben aus, auch Rote Beete, Raps und Zwiebeln sind kein Problem für ihn. FD20 kann zudem Unkraut jäten. Seine Arbeit verrichtet er 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ohne Murren. Es sei denn, es regnet oder er hat sich festgefahren. Dann meldet er sich per E-Mail oder Anruf bei seinem Chef, dem Bio-Landwirt Dirk Stolte. Der löst dann das Problem.

Bislang nur rund 100 Feldroboter weltweit im Einsatz

Stolte hat sich den FD20 rund 80.000 Euro kosten lassen. Das sei er auch wert, sagt er. Der Feldroboter bewegt sich nicht nur selbstständig, sondern lässt beim Unkrauthacken die Rübe ganz und unversehrt. Schon beim Aussäen merkt er sich per GPS, wo sich die Pflanze exakt befindet. Etwa 100 dieser Feldroboter gibt es zurzeit weltweit. In Niedersachsen ist Stolte einer von ganz wenigen, die auf den FD20 setzen. Doch das sei die Zukunft, ist sich der Landwirt sicher.

Ersatz für kostenintensive Handarbeit

Gleich mehrere Faktoren sprechen aus Sicht des Landvolks für die Maschine. Die Handarbeit dauere zu lange und sei sehr kostenintensiv. Erntehelfer aus dem In- und Ausland zu erschwinglichen Löhnen zu verpflichten, sei illusorisch, sagte Wilfried Henties vom Landvolk Braunschweiger Land dem NDR. Der Feldroboter arbeite autonom und exakt. Ohnehin schreite die Digitalisierung in der Landwirtschaft und speziell im Ackerbau immer weiter voran, betonte Henties. Viele kleine Firmen und Institute entwickelten gerade kleine, aber auch große Maschinen, die selbstständig Aufgaben im Ackerbau erledigen sollen.

Auch Google will den Markt aufmischen

Für Bio-Landwirte sind die Roboter, die Unkraut hacken, am interessantesten. Die chemische Keule hat beim Pflanzenschutz ausgedient. Die Landwirtschaft steht vor einem Umbruch: Laut Medienberichten entwickelt Google ein System aus Robotern und Software, mit dem Ernteerträge gesteigert werden könnten. Die Technik soll nicht nur alle Pflanzen erfassen, sondern auch, wie sie auf die Umwelt reagieren und ob es Schädlinge gibt. Anhand dieser Daten werde schließlich errechnet, wann der beste Zeitpunkt zum Ernten ist, heißt es. Andere Unternehmen wiederum forschen an Drohnen, die Blüten bestäuben sollen.

Von der Sensation zum Standard

Nach Ansicht von Experten steht die Robotik in der Landwirtschaft noch am Anfang, große Unternehmen wie Bayer, John Deere oder BayWa sehen in ihr aber die Zukunft. Der Traktor wird zwar auch zukünftig unverzichtbar sein, doch für jüngere Generationen wird wohl auch ein Feldroboter selbstverständlich sein. Landwirt Stolte rechnet damit, dass sein FD20 in zehn Jahren keine Sensation mehr ist, sondern derartige Hightech-Geräte dann zum Bild auf einem Acker einfach dazugehören werden.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.05.2021 | 19:30 Uhr

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