Stand: 07.11.2016 09:53 Uhr  | Archiv

Ermittlungen gegen VW-Aufsichtsratschef Pötsch

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Vorsitzenden des VW-Aufsichtsrats, Hans Dieter Pötsch. Das hat der Volkswagen-Konzern am Sonntag mitgeteilt. Es geht demnach um den Verdacht der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. Das Ermittlungsverfahren beziehe sich auf die Zeit, als Pötsch Finanzvorstand bei Volkswagen war. VW bleibe bei seiner Auffassung, dass der Konzern "seine kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht ordnungsgemäß erfüllt hat". Pötsch und VW würden die Ermittler aber "in vollem Umfang unterstützen".

VIDEO: "Pötsch war von Anfang an eine Fehlbesetzung" (1 Min)

Landesregierung wartet ab, FDP fordert Rücktritt

"Auch für Herrn Pötsch gilt die Unschuldsvermutung", ließ Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Sonntag über seine Sprecherin mitteilen. "Der endgültige Abschluss der Ermittlungen bleibt abzuwarten, vorschnelle Schlussfolgerungen verbieten sich." Es sei "Sache der Staatsanwaltschaft und gegebenenfalls später der Gerichte, die strafrechtliche Relevanz der damaligen Vorgänge zu analysieren und zu bewerten." Die FDP-Opposition hingegen fordert Pötschs Rücktritt. FDP-Vize Jörg Bode sagte im NDR Fernsehen, Pötsch sei als Aufsichtsratschef "wegen seiner möglichen Verstrickung in den Abgasskandal von vornherein eine Fehlbesetzung gewesen." Ministerpräsident Weil müsse Pötsch deshalb zum Rücktritt bewegen.

Vertrauensmann der Familien Porsche und Piëch

Dass nun auch gegen Pötsch ermittelt wird, kommt nicht überraschend. Schon unmittelbar nach seinem Wechsel auf den Chefposten im Aufsichtsrat war Kritik laut geworden: Weil Pötsch seit Jahren im Unternehmen ist, gilt er vielen zu sehr als Teil des VW-Systems, als dass er unabhängig an der Aufklärung des Diesel-Betrugs mitwirken könnte. Allerdings hat der gebürtige Österreicher auch entscheidende Fürsprecher im Unternehmen: So haben die Eignerfamilien Porsche und Piëch immer wieder betont, dass sie ungeachtet der Kritik an Pötsch festhalten wollen. Auch die am Sonntag bekannt gewordenen Ermittlungen ändern daran nichts: "Die Familien Porsche und Piëch stehen uneingeschränkt hinter Herrn Pötsch", bekräftigte VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche am Sonntag.

Gegen Winterkorn und Diess wird auch ermittelt

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen bereits gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess. Momentan handelt es es sich um einen Anfangsverdacht: Die Manager sollen die Finanzwelt zu spät über die Diesel-Affäre informiert haben. So hätten sie wichtige Informationen für Anleger unterdrückt.

Gewinnwarnung mit Verzögerung

Am 3. September 2015 soll Volkswagen in den USA die Manipulation von Abgaswerten gegenüber der Umweltbehörde EPA eingeräumt haben. Erst nach der Veröffentlichung der Vorwürfe durch die EPA am 19. September machte Volkswagen diese öffentlich. Bis VW unter dem damaligen Finanzvorstand Pötsch eine Gewinnwarnung herausgab, dauerte es weitere drei Tage.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.11.2016 | 19:30 Uhr

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