Eine Angeklagte mit Kapuze und Mund-Nasen-Schutz im Landgericht Braunschweig. © picture alliance/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

370.000 Euro abgezweigt - Ex-Kita-Leiterin gesteht Vorwürfe

Stand: 18.02.2021 14:57 Uhr

Die frühere Leiterin einer DRK-Kita in Seesen muss sich wegen Betrugs und Untreue vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Zum Prozessauftakt legte sie ein umfassendes Geständnis ab.

Die 57-Jährige räumte ein, jahrelang Geld von den Konten der Kita genommen zu haben. "Ich habe Fehler gemacht. Jetzt bin ich froh, dass ich nicht mehr lügen muss", sagte sie unter Tränen vor dem Braunschweiger Landgericht. Irgendwann habe ihr eigenes Geld einfach nicht mehr ausgereicht, begründete sie den Griff in die Kita-Kasse. Zunächst habe sie nur private Einkäufe damit bezahlt, später folgten auch Rechnungen für Autos und Urlaube.

Vorwurf der Untreue in mehr als 500 Fällen

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau gewerbsmäßigen Betrug in zehn Fällen und gewerbsmäßige Untreue in 527 Fällen vor. Zwischen Mai 2014 und September 2019 soll sie laut Anklage insgesamt mehr als 370.000 Euro veruntreut haben. Im Rahmen ihrer Funktion als Leiterin der Kindertagesstätte hatte die 57-Jährige laut Anklage online und per EC-Karte Zugriff auf die Konten der Einrichtung.

Rechnungen fingiert

Als erste Prüfungen drohten, habe sie damit begonnen, Rechnungen zu fälschen, gestand die Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete diese in der Verhandlung teils als "dilettantische Totalfälschungen". Im Frühjahr 2018 fielen dem Rechnungsprüfungsamt der Stadt Seesen vereinzelt Unregelmäßigkeiten auf. Daher durfte die 57-Jährige nicht länger über die Konten verfügen. Um ihre Geldquelle nicht einzubüßen, soll sie von August 2018 bis September 2019 Rechnungen einer Firma mit dem Namen "Glückszwerge GmbH" fingiert haben, auf denen ihre Bankverbindung stand. Erst eine Anzeige löste schließlich Ermittlungen aus und die Frau flog auf.

Längere Haftstrafe droht

Der Angeklagten droht eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren, sagte ein Sprecher des Landgerichts Braunschweig. Außerdem muss sie das erschlichene Geld zurückzahlen. Darum werde sich derzeit gekümmert, teilten die Angeklagte und ihr Verteidiger vor Gericht mit. Ein Makler habe bereits einen Käufer für ihr Haus gefunden. Ihre beiden Kinder und auch ihr Ehemann hätten nichts von den falschen Rechnungen und Überweisungen gewusst, sagte die 57-Jährige.

Urteil soll Ende März fallen

Es sind vier weitere Prozesstage geplant. Das Urteil wird Ende März erwartet. Der Fall sorgte für viel Aufsehen, da die Frau Vorsitzende der CDU in Seesen war und im Rat sowie im Kreistag saß. 2019 trat sie von allen Ämtern zurück und aus der Partei aus.

Weitere Informationen
Der Eingang des Landgerichts Braunschweig mit Schildern mit den Aufschriften "Landgericht", "Oberlandesgericht" und "Generalstaatsanwaltschaft". © Picture Alliance Foto: Christophe Gateau

Kita-Leiterin soll 370.000 Euro veruntreut haben

Eine ehemalige Kita-Leiterin aus Seesen steht im Verdacht, über Jahre insgesamt 370.000 Euro veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die 57-Jährige erhoben. (07.08.2020) mehr

Jederzeit zum Nachhören
Der Braunschweiger Dom von oben. © NDR Foto: Julius Matuschik
8 Min

Nachrichten aus dem Studio Braunschweig

Was in Ihrer Region wichtig ist, hören Sie in dem Mitschnitt der 15:00 Uhr Regional-Nachrichten auf NDR 1 Niedersachsen. 8 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 18.02.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Proben für einen PCR-Test werden von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum in Nordhorn sortiert. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Epidemiologin besorgt über Corona-Lage in Niedersachsen

Die Forscherin Berit Lange fordert von den Kommunen, bei hohen Infektionszahlen auch härtere Maßnahmen anzuwenden. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen