Stand: 06.03.2019 07:42 Uhr

Weltfrauentag: Kampf um Rechte geht weiter

Seit 1911 wird der Internationale Frauentag begangen - und auch im Jahr 2019 ist er quicklebendig. Zum Feiertag im Norden hat er es allerdings nicht geschafft.

Die Forderungen sind andere als vor 100 Jahren. Doch der Internationale Frauentag am 8. März ist auch 2019 noch Anlass für Frauenrechtlerinnen, auf Missstände aufmerksam zu machen. Einst kämpfte Frau für ihr Wahlrecht, das 1918 in Deutschland durchgesetzt wurde. Heute verlangen Frauen unter anderem gleiche Bezahlung, mehr Frauen in Führungspositionen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Außerdem einen professionellen Umgang am Arbeitsplatz - soll heißen: keine dummen Sprüche oder gar sexuelle Belästigung. Auch die Anpassung der Sprache, die weg soll von männlichen Allgemeinbegriffen, ist ein Thema. Das zeigt, wie viel seit Beginn der Bewegung erreicht worden ist.

Von der Unzufriedenheit zum jährlichen Aktionstag

Deutlich wird aber auch: Obwohl vielleicht etwas anderes auf den Plakaten steht als vor dem Ersten Weltkrieg, geht es doch immer noch um die Gleichberechtigung, die gleiche Behandlung von Mann und Frau. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, wie lange dieser Kampf bereits geführt wird. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen in den USA Frauen auf die Straße, die sich nicht mehr mit der ihnen zugewiesenen Rolle abfinden wollten. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Bewegung in Europa Fahrt auf. 1910 beschloss die Sozialistische Internationale der Frauen in Kopenhagen, den Einsatz für mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen mit einem jährlichen Aktionstag voranzutreiben.

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März 1911: Hunderttausende beim ersten Frauentag

Es folgte der erste Internationale Frauentag 1911, damals allerdings nicht am 8., sondern am 19. März. Die gewaltige Resonanz überraschte wohl selbst die Organisatorinnen. Hunderttausende nahmen teil. Allein in Berlin waren rund 45.000 Frauen auf der Straße. Außer in Deutschland wurde in der Schweiz und Österreich-Ungarn, in Dänemark und den USA demonstriert, damals vor allem für das Wahlrecht. Gewerkschaften und Sozialdemokraten unterstützten die Bewegung. In einer gemeinsamen Resolution erhoben die Frauen "mit allem Nachdruck Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung". Neben dem Wahlrecht forderten sie unter anderem kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, niedrigere Lebensmittelpreise und legale Abtreibung.

Falsches Frauenbild - Verbot zur NS-Zeit

Seit dem ersten großen Aufbegehren hat der Frauentag eine wechselvolle Geschichte erlebt, vor allem in Deutschland beziehungsweise Westdeutschland. So wurde der "sozialistische" Tag wie so vieles andere von den Nationalsozialisten verboten. Diese stellten lieber den Muttertag in den Vordergrund - der bildete viel eher das Frauenbild ab, das unter der NS-Diktatur befördert werden sollte. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte schon bald der Kalte Krieg. Der Frauentag ging lange Jahre unter. Er wurde in der DDR gefeiert, genoss im Westen jedoch kaum noch Bedeutung.

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Weltfrauentag seit 1977 offizieller UN-Tag

Wie der Wunsch nach Gleichbehandlung war aber auch der Frauentag nie ganz verschwunden. Er drang nach und nach wieder ins Bewusstsein. Ende der 1960er-Jahre war er Teil des Programms der Frauen- und Friedensbewegung. 1977 führten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag als offiziellen Tag ein.

2019 ist der Internationale Frauentag quicklebendig. In Berlin ist er neuerdings sogar Feiertag - dafür hatte auch Niedersachsens Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) plädiert, hier wurde es dann jedoch der Reformationstag. Nichtsdestotrotz wird auch in Niedersachsen am heutigen 8. März der Frauentag begangen, mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Demonstrationen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.03.2019 | 19:30 Uhr

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