Stand: 04.02.2020 15:35 Uhr  - NDR Info

Bonpflicht: Digitaler Bon spart Papier

von Janine Artist

Seit dem Jahreswechsel gilt die Bonpflicht in Deutschland - und sorgt für viele Diskussionen. Die Kritik: zu viel Mehraufwand, zu viel zusätzlicher, unnötiger Müll, der durch die Kassenzettelflut anfällt. Ein Start-up aus Hannover hat nun eine App für einen digitalen Bon entwickelt. Die "NDR Info Perspektiven" stellen die vier Jungunternehmer und ihre Idee vor.

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Die Gründer von Epap haben einen digitalen Kassenbon entwickelt: Gerd Trang, Sebastian Berger, Jannis Dust und Fabian Gruß (v.l.n.r.).

Im Büro von Fabian Gruß, Jannis Dust, Sebastian Berger und Gerd Trang stehen vier Schreibtische mit Laptops, Tastaturen und großen Bildschirmen - an den hellen Wänden Whiteboards, in einer Ecke ein Flipchart. Mehr brauchen sie für ihre Arbeit nicht. Die Idee für die App hatte Fabian Gruß - zu einem Zeitpunkt, als die Bonpflicht noch gar nicht in aller Munde war: "Ein Kumpel und ich waren unglaublich genervt von den Kassenbons. Wir haben uns gefragt, warum es in der heutigen Zeit dafür eigentlich noch keine digitale Lösung gibt. Das Ganze wäre technisch gut machbar und man könnte für beide Seiten - also den Einzelhändler und den Endkunden - ein wirklich cooles Produkt bauen. Wir haben aber nichts gefunden, das unseren Ansprüchen genügt hätte. Dann haben wir gesagt: Wir machen das selber."

Bonpflicht: Digitaler Bon spart Papier

Markt -

Die Bonpflicht hat viele Schattenseiten, unter anderem der große Mehraufwand und der zusätzlich entstehende Müll. Den Nutzern einer neuen App könnte das künftig erspart bleiben.

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Digitale Version des Bons ersetzt Papier

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Die App ist kostenfrei. Für die Kassenhersteller fällt allerdings eine monatliche Gebühr für das Gerät an.

Seine drei jetzigen Mitstreiter hat der 26-jährige über die Uni Hannover und über ein Gründercamp gefunden. Epap-Nutzerinnen und Nutzer haben in der App auf ihrem Smartphone einen QR-Code, der beim Bezahlen an der Kasse gescannt wird. Damit wird dem Kassensystem die Berechtigung erteilt, den Bon an das Handy zu senden, statt ihn auszudrucken. Informatiker Gruß erklärt weiter: "An der Kasse wird also im Hintergrund der QR-Code mit dem Kassenbon verbunden. Der wird dann an unser System geschickt und wir sortieren ihn beim Nutzer ein. Der Bon landet dann in weniger als einer Sekunde auf dem Handy des Nutzers."

App soll digitales Haushaltsbuch werden

Ein Bon auf Papier wird dadurch überflüssig. Zurzeit steht diese Funktion aber noch nicht zur Verfügung. Die Software ist gerade bei drei Kassenherstellern im Test. Die rund 3.800 Nutzerinnen und Nutzer, die die kostenlose App schon installiert haben, verwenden sie meist als digitales Haushaltsbuch. Dafür kann die App zum Beispiel auch abfotografierte Bons analysieren und verarbeiten.

Keine Datenkrake

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Seit die Bonpflicht stärker diskutiert wird, haben die vier Gründer viele Anfragen erhalten.

Um die Datensicherheit müssten sich die User keine Sorgen machen, sagt Sebastian Berger. Er studiert Mathematik und ist bei Epap für die statistische Auswertung zuständig. So haben sich die vier Gründer zum Beispiel bewusst für einen Server in Deutschland entschieden. Außerdem bieten sie inzwischen einen anonymen Login an: "Die Leute müssen sich nicht anmelden, um die App zu testen. Das geht ganz fix. Was die Datenspeicherung angeht, versuchen wir so wenig Daten wie möglich von den Nutzern aufzunehmen. Wir fragen zum Beispiel nur noch das Alter ab und nicht mehr das Geburtsdatum, um sicherzustellen, dass das Mindestalter von 16 Jahren gegeben ist. Wir machen also Datenminimierung."

Eine Kiste voller Kassenbons in einem Kiosk

Start-up Epap entwickelt digitalen Bon

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Das Start-up Epap aus Hannover hat eine App für einen digitalen Bon entwickelt. Damit könnte der anfallende Müll zumindest teilweise reduziert werden.

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Mehr Funktionen für professionelle Nutzer

Die Informationen zu den Einkäufen interessieren die Epap-Macher nicht. Diese Daten blieben auf den Smartphones der Verbraucherinnen und Verbraucher, erklärt der 23-jährige. Beim Start ihres Unternehmens helfen den vier Gründern Stipendien. Im Moment verdienen sie mit ihrer Idee noch kein Geld. Das solle sich in Zukunft natürlich ändern, sagt Jannis Dust - und zwar über kostenpflichtige "Premium-Features" für die Nutzerinnen und Nutzer der App. Dazu zählen Funktionen für Buchhaltung oder Finanzplanung: "Wir befinden uns dann im Businessbereich. Für die Kassenhersteller oder die Einzelhändler würde dann eine monatliche Nutzungsgebühr fällig werden, weil man dann ja auch die Kostenersparnis im Vergleich zum Papierkassenbon hat."

Außerdem: Unterstützung nachhaltiger Projekte

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Gründer Gerd Trang (rechts) ist überzeugt, dass die App in viele viele Richtungen erweiterbar ist.

Abgesehen davon, dass die App dazu beitragen soll, den Papierverbrauch zu senken und Müll zu vermeiden, wollen die Vier noch einen weiteren Beitrag leisten: Ein Teil der Umsätze soll in nachhaltige regionale Projekte, etwa zur Aufforstung, investiert werden. Dass es noch andere Start-ups in Deutschland gibt, die auch an digitalen Bons arbeiten, beunruhigt die Jungunternehmer nicht. Sie sehen sich im Vorteil, weil ihre Lösung marktreif ist. Und der papierlose Kassenzettel sei erst der Anfang, sagt Betriebswirt Gerd Trang: "Wir wollen eine richtig coole, intuitive Finanz-App werden - eine Finanz-App basierend auf den Bons. Denn mit Bons macht man ja vieles: Man gibt sie etwa dem Steuerberater oder dem Finanzamt. Wo auch immer diese Bons benötigt werden oder landen sollen - alle diese Funktionen wollen wir perspektivisch abdecken. Das ist unsere Vision."

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NDR Info | NDR Info Perspektiven | 04.02.2020 | 09:53 Uhr

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