Stand: 17.01.2018 14:36 Uhr

Warnemünder Wahrzeichen muss saniert werden

Bild vergrößern
Der 1967 errichtete "Teepott" ist ein Wahrzeichen des Seebads - und ein prominentes Beispiel für die Hyparschalenarchitektur Ulrich Müthers.

Um ein Wahrzeichen Warnemündes ist es offenbar schlechter bestellt als gedacht. Der 1967 erbaute "Teepott" neben dem Leuchtturm an der Strandpromenade ist dringend sanierungsbedürftig. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachter, der im Auftrag des Besitzers - der Friedemann Kunz Familienstiftung - das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk untersucht hat.

Undichtes Dach, durchtrennte Träger

Demnach ist das Dach undicht, auch von unten dringe Wasser ins Gebäude ein. Zudem werde die Glasfassade von Stahlträgern gehalten, die nicht ausreichend gegen Seeluft geschützt sind und außerdem rosten. Und: Das Tragwerk, das den geschwungenen Bau sichert, soll an mehreren Stellen durchtrennt worden sein, als der Bau zur Jahrtausendwende saniert wurde. Alles in allem müssten laut Gutachter rund 20 Millionen Euro investiert werden.

Teepott

Warnemünder Teepott muss saniert werden

Nordmagazin -

Das Wahrzeichen von Warnemünde - ein Sanierungsfall. Eine Vollsanierung ist geplant. Kosten: rund 20 Millionen Euro. Für diese Investition stellen die Eigentümer eine Bedingung.

4 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Offene Fragen

Allerdings gibt es dabei noch viele offene Fragen. Denn das Grundstück, auf dem der "Teepott" steht, gehört der Stadt, das Gebäude aber der Stiftung. Deren Vorsitzender ist Friedemann Kunz, der auch Gesellschafter des Fertighaus-Herstellers Scanhaus Marlow ist. Seit einiger Zeit kauft er vermehrt Immobilien in prominenter Lage wie etwa das Radisson Hotel in der Rostocker Innenstadt oder das Hotel am Leuchtturm in Warnemünde.

Kunz teilte mit, dass er sich in Verantwortung für die Menschen und die Region sehe. Zugleich machte der Unternehmer aber deutlich: "Wir werden niemals im Leben dort investieren, wenn wir nicht Eigentümer von Grund und Boden werden." Solche Millionensummen könnten nicht investiert werden, wenn noch Pacht gezahlt werden muss und anschließend nicht klar sei, welche Bedingungen beispielsweise in 60 Jahren herrschten, argumentiert er. Ohne Eigentumsrechte seien die notwendigen Kredite von den Banken nicht zu bekommen.

Gremien wollen Informationen einholen

Das Denkmalschutzamt der Stadt will nun zunächst in Erfahrung bringen, ob der Sanierungsbedarf wirklich so hoch ist, wie von der Stiftung angegeben. Die Behörde habe entsprechende Unterlagen angefordert, hieß es. Die Bürgerschaft, die den Verkauf beschließen müsste, will sich zunächst ebenfalls genauer informieren. Auch im Ortsbeirat von Warnemünde sollen die Pläne im März vorgestellt werden. Der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel (CDU) sprach sich für eine Wiederherrichtung des "Teepotts" aus. Eine Zustimmung zu solch einem Grundstücksverkauf werde man aber nicht blind geben.

Gebaut vom "König des Betonschalenbaus der DDR"

Der unter Denkmalschutz stehende "Teepott" war vom Binzer Bauingenieru Ulrich Müther (1934-2007) und dem Stadtplaner Erich Kaufmann entworfen worden. Er gilt als prominentes Beispiel für die von Müther mitgeprägte, elegante Hyparschalen-Architektur. Müther gilt als König des Betonschalenbaus in der DDR und wird den bedeutendsten Baumeistern der deutschen Nachkriegszeit zugerechnet. Vor allem von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre wurden viele "Müther-Schalen" gebaut - insgesamt gibt es weltweit 74 - vom Planetarium in Wolfsburg über eine Radrennbahn in Kuba bis hin zu einer Moschee in Jordanien.

Ulrich Müther: Pionier des Schalenbetons

Vielen Müther-Bauten droht der Verfall

Seit dem vergangenen Jahr wird Müthers Schaffen an der Hochschule Wismar wissenschaftlich aufgearbeitet. Denn für viele Bauten gebe es kein Bewusstsein, dass es sich um wichtige Beiträge aus der DDR zur Architektur der Moderne handelt, wie es von der Hochschule hieß. Zudem stehen viele der Bauten vor dem Verfall. Ein von Müther entworfenes Restaurant im Zentrum Berlins und eine hölzerne Konzertmuschel auf Rügen wurden bereits abgerissen. Müthers größter noch erhaltener Bau, die 1969 als Messehalle errichtete Hyparschale in Magdeburg, befindet sich nach Angaben von Experten in einem desolaten Zustand.

Weitere Informationen

Warnemünde bekommt neue Flutschutzwand

Im Ostseebad Warnemünde beginnen die Bauarbeiten für eine Schutzwand gegen Hochwasser. Das Bauwerk entsteht am südlichen Ende des Alten Stroms und soll bis zu 2,75 Meter hoch sein. (09.01.2018) mehr

Eine Düne wartet auf die nächste Sturmflut

Am Strand von Warnemünde wird eine künstliche Düne mit allerhand Messtechnik bestückt. Bei der nächsten Sturmflut soll sie wertvolle Erkenntnisse für einen besseren Küstenschutz liefern. (19.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.01.2018 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:06
Nordmagazin

Ahrenshooper Filmnächte eröffnet

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:36
Nordmagazin

Trotz Schwerbehinderung kaum Unterstützung

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:42
Nordmagazin

Interreligöse Andacht in Rostock

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin