Stand: 22.11.2019 17:56 Uhr

Waldschutz: Dem Wild geht's ans Fell

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Umweltminister Backhaus sieht in der Einigung einen "jagdpolitischen Meilenstein".

Kurswechsel in der Jagdpolitik des Landes: Wegen steigender Waldschäden sollen Jäger in Mecklenburg-Vorpommern künftig deutlich mehr Wild schießen. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens von Umwelt-, Jagd- und Forst-Verbänden bei Umweltminister Till Backhaus (SPD). Der Minister sprach nach der Runde am Freitag von einem "Meilenstein", der in Deutschland für Aufsehen sorgen werde.

"Verbiss" und "Schälung" machen dem Wald zu schaffen

Das Treffen im Ministerium war eine Reaktion auf die schärfer gewordene Diskussion der vergangenen Wochen - der Tenor etlicher Verbände wie dem Naturschutzbund NABU: Zu viel Rot-, Dam- und Rehwild mache dem Wald zu schaffen. Abgefressene Jungbäume (Verbiss) und angenagte Baumrinde (Schälung) führten zu immer mehr Schäden, vor allem das natürliche Nachwachsen des Waldes sei gefährdet.

Keine Verbot von Treib- und Drückjagden mehr

Das Land will gegensteuern. Dazu werden die Jagdzeiten erweitert und die Schonzeiten verkürzt. Das gilt besonders für den Rehbock: Bisher ist er von Mitte Oktober bis zum 1. Mai geschützt. Die Spanne verkürzt sich auf die Zeit zwischen dem 1. Februar und dem 15. April - das sind viereinhalb Monate weniger. Auch für jüngeres Rot- und Damwild sollen die Schonzeiten kürzer werden, auch sie können künftig schon vom 16. April an bejagt werden (statt bisher 1. Juni). Gleichzeitig soll das zeitlich begrenzte Verbot von Treib- und Drückjagden gelockert werden. Diese Gesellschaftsjagden könnten dann öfter veranstaltet werden.

Laut Experten 14 Gebiete mit zu viel Wild

Backhaus räumte ein, dass in etlichen Regionen die Wildbestände zu hoch sind und belegte das mit Statistiken: Beim Rot- und Damwild hat sich demnach die Zahl der abgeschossenen Tiere seit 1997 nahezu verdoppelt. Insgesamt haben Backhaus' Experten zwischen Boizenburg und der Insel Usedom 14 Gebiete mit zu viel Wild ausgemacht, Schwerpunkt ist das Gebiet um Neustrelitz. Vor allem im Privatwald der Eigenjagdbezirke gebe es große Bestände. Hier habe man den Eindruck, Jagd werde als bloßes Hobby ausgeübt, dabei hätten die Jäger auch dort "für einen gesunden Wald zu sorgen". Backhaus will sie allgemein zu höheren Abschusszahlen verpflichten.

Forstwirtschafts-Vertreter zufrieden

Hinrich Bärwald von der Arbeitsgemeinschaft "Naturgemäße Waldwirtschaft" sieht in den geplanten Änderungen der Jagdzeiten einen großen Erfolg: "Der Wald ist im Stress", sagte er. Weniger Wild ermögliche eine schnelleres und leichteres Nachwachsen von Jungbäumen. Ähnlich sieht das Peter Rabe, der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute. Rabe sagte: "Der Wald ist in Not. Eine Verjüngung des Waldes geht nur, wenn die Wilddichte angepasst ist".

Landtag soll Änderungen zum nächsten Jagdjahr beschließen

Das Ministerium will noch vor Beginn des nächsten Jagdjahres am 1. April ein geändertes Jagdgesetz vom Landtag beschließen lassen. Den Gesetzentwurf will Backhaus über die Koalitionsfraktionen SPD und CDU in das Parlament einbringen. Das verkürzt und beschleunigt das Verfahren. Die Forstexpertin der SPD-Fraktion, Elisabeth Aßmann, signalisierte bereits Zustimmung. Aßmann, Backhaus und die beteiligten Verbände sehen in der Einigung vom Freitag einen "jagdpolitischen Meilenstein".

Frisches Wildfleisch länger im Angebot

Backhaus weist auf einen "Nebeneffekt" der neuen Jagdzeiten hin: Frisches Wildfleisch aus Mecklenburg-Vorpommern könne künftig länger im Jahr angeboten werden. Der SPD-Politiker ist selbst Jäger. Nach eigener Aussage ist er seit zwei Jahren nicht mehr aktiv. "Mir fehlt die Zeit", beklagte Backhaus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.11.2019 | 19:00 Uhr

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