Unwetter auf Rügen: B96 wieder freigegeben

Stand: 12.07.2021 19:30 Uhr

Nach dem Unwetter vom Wochenende kämpfen Privathaushalte weiter mit den Folgen des starken Regens. Die B96 bei Samtens wurde am Montagabend wieder in beide Richtungen freigegeben.

Die für den Urlauberverkehr wichtige B96 war wegen einer in Höhe Samtens-Ost (Landkreis Vorpommern-Rügen) abgerutschten Brückenböschung und Unterspülung in Richtung Bergen gesperrt. Am Montagabend wurde sie wieder freigegeben. Aus Sicherheitsgründen musste der Abschnitt zunächst gesperrt werden. Auf der B96 bildete sich am Sonnabendnachmittag ein mehrere Kilometer langer Stau. Ingenieure sollen nun prüfen, wie tief die Schäden tatsächlich gehen. Augenscheinlich seien sie nur oberflächlich, berichtet unser Reporter Matthes Klemme bei NDR MV Live vor Ort.

Unwetter ist "Jahrhundertereignis"

Vor allem die Insel Rügen und dort die Badeorte Sellin, Göhren und Baabe waren von dem Unwetter stark betroffen. Im Bereich des Amtes Mönchgut-Granitz auf Rügen sei es durch den Starkregen zu Millionenschäden gekommen, hieß es. "Das ist wahrscheinlich ein Jahrhundertereignis", sagte der Selliner Bürgermeister Reinhard Liedtke dem NDR Nordmagazin. "Wir hatten hier in Sellin 160 Liter Regen auf den Quadratmeter. Das muss man sich mal vorstellen. Da war Land unter. Es war wie ein Sturzbach." Jetzt müssen Keller aufgeräumt und Straßen und Gehwege von dem Geröll befreit werden. Das Amt hat sich zudem an die zuständigen Ministerien in Schwerin gewandt und um finanzielle und materielle Unterstützung gebeten.

Warnung vor Betreten der Steilküsten

Die Behörden warnen eindringlich vor dem Betreten der Steilküsten. Wegen der extremen Nässe sind die Hänge stark abrutschgefährdet. Insbesondere die Hänge aus Sand wie in Sellin und Göhren könnten in den kommenden Tagen in Bewegung kommen, hieß es. In Göhren gab es bereits einen Hangabrutsch in der Bahnhofstraße. Es habe auch einige, kleinere Hangabrutsche an der Steilküste Rügens gegeben, die jedoch ohne größere Folgen blieben, hieß es.

Hochgespülte Gehwege, nasse Zelte

In den Orten gab es teilweise bis zu einem halben Meter Hochwasser. Die Feuerwehren mussten zahlreiche Keller leerpumpen. Auch viele Gehwege wurden hochgespült. Auf den Campingplätzen standen zahlreiche Zelte unter Wasser. Der Amtsleiter auf Rügen schätzt, dass sich der Schaden auf ein bis zwei Millionen Euro beläuft.

Überschwemmungen und vollgelaufene Keller

Die Feuerwehren Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald mussten insgesamt zu rund 220 Einsätzen ausrücken. Nach Angaben des Landkreissprechers waren es ausschließlich Meldungen wegen vollgelaufener Keller und Überschwemmungen. Schwerpunkte waren vor allem in Löcknitz, Penkun, Ferdinandshof, Jatznick und die Insel Usedom.

Königsstuhl auf Rügen: So viel Regen wie sonst in zwei Monaten

Der meiste Niederschlag ging nach Angaben des NDR Wetterstudios auf Hiddensee sowie laut Wetterportal kachelmannwetter.de auf Rügen nieder. Am Königsstuhl wurden demnach 114 Liter pro Quadratmeter (l/qm) binnen 24 Stunden gemessen - das entspricht in etwa der doppelten monatlichen Durchschnittsmenge. In Juliusruh fielen 100 l/qm, in Bergen auf Rügen 97 l/qm, am Kap Arkona 82 l/qm und in Putbus 74 l/qm. Aber auch andernorts regnete es heftig.

Der Westen von MV blieb weitgehend verschont

Die Wetterstation Dünenheide auf Hiddensee verzeichnete 101 l/qm, in Karlshagen auf Usedom fielen 69 l/qm und weiter südlich in Steinhagen-Negast bei Stralsund 82 l/qm. In Rothemühl nahe Pasewalk (Kreis Vorpommern-Greifswald) waren es 64 l/qm, in Klink an der Müritz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) 66 l/qm und in Teterow (Landkreis Rostock) 72 l/qm. Von solchen Regenmassen blieb der Westen verschont. In Schwerin betrug der 24-Stunden-Wert 13 l/qm und in Zarrentin und Dodow (beides Kreis Ludwigslust-Parchim) lediglich 4 l/qm.

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An der Steilküste der Ostseehalbinsel Fischland-Darß zwischen Wustrow und Ahrenshoop ist ein Mann unterwegs. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.07.2021 | 15:00 Uhr

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