Rückenaufnahme von zwei in Westen gekleidete Polizisten. © picture alliance/dpa Foto: Silas Stein

Unbekannte beschmieren KZ-Mahnmal in Barth

Stand: 04.08.2021 15:38 Uhr

Erneut haben Unbekannte das KZ-Mahnmal in Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen) geschändet. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres.

Im August 2020 hatten Unbekannte bereits Gedenktafeln und Gewehgplatten zerstört. Bei dem aktuellen Vorfall wurden Edelstahltafeln mit den Namen der ehemaligen Häftlinge mit Hakenkreuzen übermalt. Zudem wurden Namen, Herzen und Sprüche auf der Vorder- und der Rückseite des Mahnmals gesprüht und Bronzereliefs des Künstlers Jo Jastram beschmiert. Helga Radau vom Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth sagte, es handle sich um die schlimmste Tat in der 30-jährigen Vereinstätigkeit.

Materieller Schaden im niedrigen fünfstelligen Bereich

Mit viel Aufwand habe ihr Verein 500 Namen von Häftlingen recherchiert, die vorher nur Nummern waren. Diese zu beschmieren bezeichnete Radau als eine Verunglimpfung der Toten. Unklar ist, wie teuer die Reinigung wird, und ob überhaupt alle Schmierereien beseitigt werden können. Die Farbe sei tief in den Einkerbungen der Buchstaben getropft und es müsse auch noch ein geeignetes Reinigungsmittel gefunden werden. Die Polizei rechnet mit Kosten von bis zu 12.000 Euro.

Staatsschutz ermittelt - Verein verdächtigt Jugendliche

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Bei der Tat vor gut einem Jahr hatte der Staatsschutz bereits wegen Beschädigungen am Mahnmal gegen Unbekannt ermittelt. Dabei ist jedoch bisher nichts herausgekommen. Die Ermittlungen wurden im Oktober eingestellt und an die Staatsanwaltschaft Stralsund übergeben. Helga Radau vom Förderverein vermutet, dass eine Gruppe Jugendlicher, die schon für andere Straftaten in der Stadt verantwortlich sein soll, die jüngste Tat begangen haben könnte.

Stadtvertreter wollen Belohnung für Hinweise ausloben

Die Stadt will jetzt alles tun, um den Sachverhalt aufzuklären. Mehrere Stadtvertreter haben sich dafür stark gemacht, dass eine Belohnung von 1.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgelobt wird. Auch mehr Präventions- und Aufklärungsarbeit ist im Gespräch, beispielsweise häufigere Schulbesuche der Mahn- und Gedenkstätte.

Landrat "fassungslos" und "erschüttert über Dummheit"

Landrat Stefan Kerth (SPD) verurteilte die neuerliche Verwüstung: "Ich bin fassungslos über die Straftaten, die dort begangen wurden und erschüttert über so viel Dummheit". Kreistagspräsident Andreas Kuhn (CDU) erklärte, es sei beschämend, dass das KZ-Mahnmal in Barth innerhalb kürzester Zeit erneut geschändet worden sei.

In dem Lager in Barth, das als eine Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück im heutigen Brandenburg fungierte, waren nach Angaben der Stadt Barth von 1943 bis 1945 rund 7.000 Menschen inhaftiert. Nach Kriegsende wurde auch ein Massengrab mit mehr als 100 Toten in dem Ort gefunden, die aus dem Lager stammten. Die Gedenkstätte war 1966 eingerichtet worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.08.2021 | 12:00 Uhr

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