"Außer Atem" – Eine Woche auf der Corona-Station Ueckermünde

Stand: 20.05.2021 10:20 Uhr

Eine Woche lang hat ein Kamerateam des NDR die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Covid-19-Station im AMEOS Klinikum Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) begleitet.

von Michaele Rüting, NDR Fernsehen

Eine Woche lang alles miterlebt - von der morgendlichen Visite, über plötzliche Notfälle, bis hin zum ständigen An- und Auskleiden zum Schutz von Mitarbeitenden und Patienten - eben Krankenhausalltag in Corona-Zeiten. Haarschutz, die FFP2-Maske, ein Ganzkörperoverall über der normalen blauen Klinikkleidung - so sind im Moment alle verhüllt, wenn sie in die Zimmer der Corona-Patienten gehen. 20 Betten auf der Corona-Isolierstation und 6 Intensivbetten werden im "AMEOS Klinikum Ueckermünde" vorgehalten, wobei zwei davon eigentlich für Schlaganfallpatienten bestimmt sind. Doch ab und zu müssen die Mitarbeiter alle fünf oder auch sechs Betten für die schwer erkrankten Corona-Patienten nutzen.

Viele Schwerstkranke, die es nicht schaffen

Die Chefin der Intensivstation, Jana Fastnacht-Böttcher, beschreibt die aktuelle Situation folgendermaßen: "Was mich jetzt in dieser Corona-Situation mitnimmt, ist eigentlich, dass wir viel zu viele schwerstkranke Patienten haben, die es nicht schaffen. Auch nicht nur einen die Woche, eher zwei, drei. Das macht uns schon sehr traurig. Die Patienten liegen 14 Tage bis drei Wochen bei uns. Man baut eine Bindung zu den Angehörigen auf, und dann kommt man am nächsten Morgen zum Dienst und das Bett ist leer. Das macht mich manchmal traurig, auch fassungslos, weil man das vielleicht am Nachmittag noch gar nicht so erwartet hat und irgendwann auch einsehen muss, dass wir mit unserer Medizin am Ende sind, dass man das dann einfach akzeptieren muss."

"Das Fell ist dünner geworden"

Ohne die gute Arbeit im Team, sagen sie und ihre Kollegen, würden sie die Corona-Pandemie nicht so gut meistern können. Der fachliche aber auch der menschliche Austausch sind für alle sehr wichtig. Der Chef der Inneren Medizin, Christian Hönnscheidt, sehnt sich wie alle nach Normalität. Länger als ein Jahr versorgen die Ueckermünder Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pfleger nun schon Corona-Patienten. "Es ist schon so, dass man gemerkt hat, dass das Fell die letzten Wochen dünner geworden ist und das wird es jeden Tag mehr, ich habe selten so viel mit nach Hause genommen wie jetzt. Ich glaube, was jetzt einfach anders ist, man denkt mehr darüber nach, man reflektiert mehr und geht nicht sofort wieder in den Alltag über."

"Keine Ansteckungen im Team"

Intensivschwester Madeleine Schulz ist seit 20 Jahren vertraut mit der Arbeit auf der Intensivstation. Doch diese Corona-Pandemie hat vieles noch einmal auf den Kopf gestellt. Die gut ausgebildete Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin erinnert sich noch genau daran, wie sie sich hier im Team am AMEOS Klinikum Ueckermünde auf den ersten Corona-Patienten vorbereitet haben. "Vor einem Jahr, gebe ich ehrlich zu, hatte ich schon große Angst, wie das jetzt hier so ablaufen wird. Viel auch durch die Medien hier, wie das so läuft, auch mit dem Anstecken, mit dem Verkleiden. Wir haben uns dann auch mal bei YouTube die Videos angeguckt, wie müssen wir uns anziehen, wie ist es am sichersten. Mittlerweile merke ich, ich kann gut damit umgehen, wir machen das hier vor Ort sehr gut, finde ich, sehr auf Sicherheit. Hier im Team haben wir uns eigentlich nicht angesteckt untereinander und wir haben auch zu Hause keine Angehörigen angesteckt, toi, toi, toi, bis jetzt."

Um Patienten und Angehörige gleichermaßen kümmern

Was sie am Anfang noch nicht wussten - dass sie länger als ein Jahr Corona-Patienten behandeln werden. Und von Anfang an war es ihnen hier wichtig, dass die Angehörigen ihre Lieben besuchen dürfen. Sie versuchen, sich um die Patienten und um die Angehörigen gleichermaßen zu kümmern. Und nicht selten, erzählt ITS-Chefin Jana Fastnacht-Böttcher, bekommen wir ein Dankeschön, ein paar Zeilen, einen Brief. An einen erinnert sie sich besonders. "Schön ist natürlich, wenn Patienten, die so schwer krank waren, sich hinterher bedanken. Ich habe auch mal fünf Minuten für mich den Brief gelesen und den dann den anderen gezeigt. Und dieser eine Brief macht dann auch wieder, dass die Arbeit Spaß macht, dass man kämpft."

Weitere Informationen
Am Eingang der COVID-19-Station im AMEOS Klinikum Ueckermünde legt eine Schwester die Schutzkleidung an. FFP3-Maske, Schutzhaube und Visier gehören genauso wie ein Schutzkittel und Handschuhe dazu. © NDR/AMEOS Klinikum Ueckermünde

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 10.05.2021 | 19:30 Uhr

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