Stand: 04.08.2020 06:00 Uhr

Riems: Forscher testen Corona-Impfstoff - an Frettchen

Luftaufnahme der Insel Riems mit den Gebäuden des Friedrich-Löffler-Institutes. © NDR
Auf der Insel Riems bei Greifswald testen Wissenschaftler einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus. (Archivbild)

Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald testen derzeit einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus. Entwickelt wurde der Impfstoff an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Vektorimpfstoff, wie FLI-Präsident Thomas Mettenleiter erklärt: "Das heißt, es gibt ein Trägervirus, das abgeleitet ist von einem schon seit längerer Zeit in Verwendung befindlichen Pockenimpfstoff." Dort werde die genetische Information für ein bestimmtes Eiweiß des SARS-CoV-2 eingesetzt, das dann während der Impfung auch gebildet werde. "Und damit bildet auch der Körper Antikörper, aber vielleicht sogar auch eine zelluläre Immunantwort dagegen aus", hofft Mettenleiter. Auf diese Weise soll am Ende ein Schutz gegen eine mögliche Corona-Infektion erreicht werden.

Frettchen reagieren ähnlich auf SARS-CoV-2 wie Menschen

Doch bis es soweit ist, stehen auf Riems noch umfassende Tests an - und zwar an Frettchen. Die Tests sollen zeigen, ob mit dem Impfstoff eine langfristige Immunität erreicht werden kann. Die Tiere eignen sich aus mehreren Gründen besonders gut. So hatten die FLI-Wissenschaftler bei früheren Forschungen herausgefunden, dass Frettchen - im Gegensatz zu Schweinen und Hühnern - überhaupt infizierbar sind. Auch sonst sei die Reaktion auf den Kontakt mit dem Virus ähnlich wie beim Menschen, so Mettenleiter. "Sie vermehren den Erreger auch in der Nase, also im oberen Respirationstrakt." Außerdem scheiden die flauschigen Tiere den Erreger auch aus und können Artgenossen anstecken. "Das klappt gerade bei Frettchen besonders gut", so Mettenleiter.

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Ergebnisse in einigen Wochen

Derzeit analysieren die Forscher auf der Insel Riems, welchen Einfluss die Gabe eines speziellen Impfstoffs auf eine spätere Infektion hat. Dabei geht es um Fragen wie: Infizieren sich geimpfte Frettchen überhaupt noch? Vermehrt sich das Virus dann nicht mehr so stark? Wird es dann weniger ausgeschieden und übertragen? Die ersten Ergebnisse sollen in ein paar Wochen vorliegen. Wenn der Impfstoff tatsächlich Wirkung zeigt, dann würden die Wissenschaftler im nächsten Schritt die Dauer des Impfschutzes in den Blick nehmen.

Tests an Menschen ab September in Hamburg

Erste Tests an Menschen sind laut Mettenleiter bereits im September vorgesehen. Dabei stehe die Sicherheit im Fokus. Die Tests werden aber nicht auf Riems durchgeführt, sondern von einer Forschergruppe an der Universität Hamburg. Dann wird sich zeigen, ob der Impfstoff wirksam ist und der weltweiten Pandemie Einhalt gebieten kann. Einen großen Vorteil hätte er: Weil es bereits Produktionsstätten gibt, ließe er sich in großen Mengen herstellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.08.2020 | 06:00 Uhr

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