Neue Corona-Verordnung: Mit schlanken Maßnahmen in den Herbst

Stand: 20.09.2022 20:36 Uhr

Die Landesregierung hat eine neue Corona-Landesverordnung beschlossen, die ab dem 1. Oktober in Kraft tritt und bis zum 7. April 2023 gelten soll. Da die Infektionslage derzeit entspannt ist, reichen momentan Basisschutzmaßnahmen aus, so Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD).

Um durch den bevorstehenden dritten Corona-Winter zu kommen, setzen Bund und Land auf die Maskenpflicht. Diese gilt ab dem 1. Oktober im Nah- und Fernverkehr sowie in allen medizinischen Einrichtungen. Wer Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und vergleichbare Einrichtungen betritt, braucht außerdem einen Test - im besten Fall einen kostenlosen aus einem Testzentrum. Genesene und Geimpfte sind davon befreit. Der Genesenenstatus gilt derzeit für drei Monate. Als vollständig geimpft gelten ab dem 1. Oktober alle Personen mit insgesamt drei Einzelimpfungen.

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Steigenden Infektionszahlen bedeuten nicht automatisch schärfere Maßnahmen

Bei einem starken Anstieg des Infektionsgeschehens kann laut Drese die Maskenpflicht auch auf Innenbereiche wie den Einzelhandel, Restaurants, Kinos oder Theater ausgedehnt werden. In weiteren Schritten sei auch wieder die Anordnung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern im öffentlichen Raum oder die Festlegung von Personenobergrenzen für Veranstaltungen in Innenräumen möglich. All dies sei aktuell aber nicht erforderlich, betonte die Ministerin.

Fokus auf Krankenhausbelegung und kritische Infrastruktur

Um die Corona-Lage zu bewerten, will die Landesregierung künftig auf die Belegung der Krankenhäuser und den Personalausfall in der kritischen Infrastruktur schauen, so Gesundheitsministerin Drese. So sei es möglich, dass trotz steigender Infektionszahlen keine zusätzlichen Maßnahmen greifen müssen.

Inkonsequente Maßnahmen Grund für Unmut?

Hausarzt Dr. Dieter Kreye aus Neubrandenburg lässt Personal wie auch Patienten in seiner Praxis nach wie vor eine Maske tragen: "Wir wollen uns selber schützen, damit wir den Patienten zur Verfügung stehen", begründet er seine Maßnahmen. Für ihn ist die Inkonsequenz der bisherigen Corona-Maßnahmen ein Grund, warum die Menschen sich häufig unzufrieden mit der Politik zeigen: "Im Flugzeug mit Maske, im Zug auch, im Supermarkt nein. Das macht Unmut." Zur Kritik an der Stiko (Ständige Impfkommission) sagte Kreye: "Es mag dem einen oder anderen Politiker nicht gefallen, was die Stiko entscheidet, aber wenn ich solche Fachgremien habe, soll ich die entscheiden lassen und ihnen auch die Zeit gegeben, in Ruhe zu entscheiden."

Aus der Praxis berichtet er, dass Patienten weniger nach Maßnahmen fragen, sondern vielmehr danach, ob sie sich zum dritten oder vierten Mal impfen lassen sollen. Am Ende müsse aber jeder für sich selbst entscheiden, betont Kreye, man habe gesehen, dass in den vergangenen Wintern erheblich weniger Grippefälle oder Erkältungskrankheiten auftraten. Die Maske würde also insgesamt Infektionen verringern.

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Länder können Bundesregeln ergänzen

Die Grundlagen der neuen Verordnung bilden laut Drese das neue Infektionsschutzgesetz und die Empfehlungen des von ihr eingesetzten Expertenrats aus namhaften Medizinern des Landes. Erst vergangene Woche hatte der Bundesrat die bundesweiten Regeln verabschiedet, denen zufolge eine Maskenpflicht im Fernverkehr, in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen gilt. Die Länder können abhängig vom jeweiligen Infektionsgeschehen zusätzlich Maskenpflichten für Restaurants und andere öffentlich zugängliche Innenräume verhängen oder auch im Nahverkehr, wie derzeit in Mecklenburg-Vorpommern vorgeschrieben.

Keine Corona-Ampel mehr

Reisebeschränkungen, Schulschließungen oder strenge Kontaktverbote soll es nicht mehr geben. Die Ampelregelung mit der stufenweisen Anwendung schärferer Vorschriften je nach Infektionslage und Auslastung der Intensivbetten gehört in Mecklenburg-Vorpommern der Vergangenheit an. Die Eigenverantwortung der Bürger erhält nach Angaben Dreses mehr Gewicht.

Corona-Experte für Winter zuversichtlich

Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali hatte sich nach der Corona-Sommerwelle optimistisch geäußert. Viele Menschen seien durch Kontakt mit dem Virus immunisiert worden. Das helfe im Winter, sagte Kaderali, der dem Expertenrat der Bundes- und der Landesregierung angehört. Die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) deuten bereits darauf hin, dass es wieder mehr Infektionen gibt. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Mecklenburg-Vorpommern war am Montag mit knapp 330 registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner bundesweit die dritthöchste.

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Nordmagazin | 20.09.2022 | 19:30 Uhr

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Coronavirus

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