Stand: 25.03.2019 06:02 Uhr

Nandus in MV bereiten Bauern zunehmend Sorgen

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Etwa 560 Nandus leben derzeit in der Region rund um den Ratzeburger See.

Die einzige wildlebende Nandu-Population in Europa bereitet den Bauern in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend Sorgen. Die Tiere leben im Grenzland zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in der Nähe des Ratzeburger Sees. Ihr Bestand hat sich vom Frühjahr bis zum Herbst im vergangenen Jahr auf rund 560 Tiere verdoppelt.

Maßnahmen zur Eindämmung ohne Wirkung

Landwirt Reinhard Jahnke schätzt die Schäden auf seinen Feldern zwischen Utecht und Schlagsdorf (Landkreises Nordwestmecklenburg) auf etwa 7.000 Euro allein im vergangenen Jahr. Er baut dort unter anderem Raps an. Die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Population, wie das Anbohren der Eier, hätten nichts gebracht.

Zehn Fakten über den Nandu

- Der Nandu ist ein flugunfähiger Vogel und lebt ursprünglich in Südamerika.
- Nandus erreichen eine Scheitelhöhe von bis zu 1,40 Metern und werden bis zu 35 Kilo schwer
- Kurzzeitig können die Tiere bis zu 60 Stundenkilometer schnell laufen
- Die Laufvögel sind Allesfresser, bevorzugen aber Pflanzen. Insekten und kleine Wirbeltiere werden ebenfalls verspeist
- Ein Nandu frisst täglich etwa 1,5 Kilogramm pflanzliche Nahrung
- Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere im Alter von zwei bis drei Jahren
- Um den Nachwuchs kümmern sich die männlichen Tiere. Sie brüten 35 bis 40 Tage lang die Eier mehrerer Weibchen aus
- Nandus sind tagaktiv und können sehr gut schwimmen
- In seiner Heimat ist der Nandu als "gering gefährdet" eingestuft, seine Eier und auch sein Fleisch werden gegessen
- In Deutschland ist der Vogel streng geschützt und darf nicht gejagt werden

Quelle: Landwirtschaftsministerium, Biosphärenreservat Schaalsee

Ärger auch durch Foto-Touristen

Verärgert sind die Bauern in der Gegend auch über Touristen, die auf der Jagd nach einem schönen Foto über Zäune stiegen, über Felder liefen und selbst vor Weiden mit Bullen nicht Halt machten. Die Nandus haben sich im Grenzland von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in den vergangenen zwei Jahrzehnten fest etabliert.

Landwirte beklagen Gefräßigkeit der wilden Tiere

Die Vögel werden regelmäßig von der Arbeitsgruppe Nandumonitoring gezählt. Einige der Tiere erhielten sogar Peilsender. Zwar geht laut Landwirtschaftsministerium keine Gefahr für heimische Arten von den eingewanderten Vögeln aus. Die Nandus verursachen jedoch Schäden auf Feldern. Bauern beklagen vor allem die Gefräßigkeit der Tiere. Sie verursachten Verluste auf Raps- und Rübenfeldern.

 

Einzig frei lebende Nandu-Population in Europa

Die ursprünglich in Südamerika beheimateten Laufvögel stammen von Tieren ab, die zwischen 1999 und 2001 aus einem Gehege bei Lübeck ausgebrochen waren. Sie leben auf einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern nördlich von Ratzeburg. Bei der Frühjahrszählung 2017 waren 220 Nandus gezählt worden. Ein Jahr zuvor waren es demnach noch 160.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.03.2019 | 07:30 Uhr

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