Kinder sitzen in der Schule.

Ministerium lässt Corona-Zertifikate an Schüler verteilen

Stand: 09.06.2021 17:35 Uhr

Mit einem Sonder-"Zertifikat" will das Bildungsministerium allen rund 150.000 Schülern in Mecklenburg-Vorpommern danken. Lob und Anerkennung gibt es für den Einsatz in der Pandemie. Doch die Aktion kommt nicht überall gut an.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Corona-Schulzertifikat für Schüler in MV © Bildungsministerium Foto: Bildungsministerium
Auszug des Sonderzertifikats (Screenshot)

"Zertifikat" ist das Papier mit dem MV-Landeslogo rechts oben in der Ecke überschrieben. Es erinnert an eine Sieger-Urkunde nach schweißtreibenden Sport-Wettbewerben. Allerdings: Der Textanteil ist deutlich größer, die Zeile für Platzierung und Schülernamen fehlt, denn richtig gewonnen hat im Pandemie-Jahr eigentlich niemand. In dem Zertifikat, dass zum Schuljahresende verteilt werden soll, heißt es in der Version für Schüler bis zur 10. Klasse: "Du hast diese schwierige Corona-Zeit gemeistert und dabei ganz besondere Fähigkeiten gelernt, die für deine Zukunft wertvoll sind. Du hast das Lernen am Computer geübt. Du hast Krisenkompetenz gezeigt, indem du dich auf eine außergewöhnlich schwierige Situation eingestellt hast."

CDU-Bildungsexperte: Symbolischer Akt, der niemandem hilft

Gelobt werden auch Verantwortung für Mitschüler und die Kraft, Aufgaben zu Hause zu erledigen. Alle Schülerinnen und Schüler sollen dieses Zertifikat zur Zeugnisausgabe bekommen, so will es das Bildungsministerium in Schwerin. Der CDU-Bildungsexperte Marc Reinhardt hält nicht viel davon. Er meint, solch ein symbolischer Akt helfe keinem weiter. Schüler könnten sich davon nichts kaufen, am Computer hätten sie vorher auch schon gearbeitet, dass müsse nicht extra zertifiziert werden.

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Landesschülerrat: Sinnloser "Zettel im Zeugnis"

Auch der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, hat Bedenken. Es sei doch viel zu früh, jetzt schon zu sagen, dass die Kinder die Krise gemeistert hätten. Niemand könne sagen, wie groß die Lücken sind. Anton Fischer vom Landesschülerrat sieht in dem "Zettel im Zeugnis" keinen Sinn. Das Zertifikat sei überflüssig, er wisse nicht, was er damit anfangen solle, sagte Fischer dem NDR. Linksfraktionschefin Simone Oldenburg meint, Dank und Anerkennung seien sicher gut, dabei dürfe es nicht bleiben. Etwas "Handfestes" wäre es, wenn Schülerinnen und Schülern die Kosten für das Schülerferien-Ticket erlassen würden. Natürlich dürfe nicht verdeckt werde, dass die Kinder große Wissenslücken durch Unterrichtsausfall und Home-Schooling hätten. "Um die zu schließen, reicht ein Zertifikat nicht aus.

Bildungsministerin Martin: Schüler haben Besonderes geleistet

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) verteidigt die Aktion. Diese Art Urkunde solle Fehler und Versäumnisse nicht etwa zukleistern: "Das ist ein Zeichen, um zu sagen, die letzten 15 Monaten waren nicht umsonst." Die Schülerinnen und Schüler hätten etwas geleistet, was Vorgängergenerationen nicht leisten mussten. Außerdem habe das Land ein 38-Millionen-Euro-Programm aufgelegt, um die Lernlücken und Versäumnisse während der Pandemie aufzuholen.

Lehrerin: Gefahr, sich lächerlich zu machen

Pädagogische Bedenken kommen dagegen von einer Praktikerin. Heike Walter, Leiterin der Schulleitungsvereinigung, findet die Idee des Corona-Zertifikats nicht schlecht. Sie meint aber, wenn ein Lehrer Dank und Anerkennung durch die Bank an alle gebe, laufe er Gefahr, sich lächerlich zu machen. Denn nicht alle hätten sich an die Regeln gehalten. Ein Rund-Um-Lob komme nicht an. Es sollte nur an die gehen, die es tatsächlich verdient hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.06.2021 | 18:00 Uhr

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