Eine Besucherin in einem Pflegeheim wird auf Corona getestet. © dpa picture alliance Foto: Sebastian Gollnow

MV verschärft Corona-Schutzmaßnahmen in Pflegeheimen

Stand: 02.11.2021 15:23 Uhr

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen erhöht Mecklenburg-Vorpommern den Schutz in Pflegeheimen. Außerdem sollen die Booster-Impfungen für über 70-Jährige kommen. Weihnachtsmärkte dürfen mit 3G-Regel in Innenbereichen stattfinden. Modelle prognostizieren für diesen Winter eine Sieben-Tage-Inzidenz von 500 bis 600.

"Der Winter wird nochmal schwierig", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach der Kabinettssitzung am Dienstagmittag. Zuvor hatte der Greifswalder Bioinformatiker Prof. Lars Kaderali neue Zahlen und Prognosen zur Lage in den Krankenhäusern im Nordosten vorgestellt. Im Vergleich zu vor einem Jahr liegen trotz einer mehr als doppelt so hohen Sieben-Tage-Inzidenz weniger Covid-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen. "Das ist ein deutlicher Effekt der Impfung", so Kaderali.

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Mehr als zwei Drittel der Intensivpatienten in MV sind ungeimpft und über 60

Für die zuletzt wieder stark steigenden Infektionszahlen macht Kaderali das Ende der Herbstferien, die Saisonalität des Virus, die deutlich aggressivere Delta-Variante, den nachlassenden Impfschutz bei den frühzeitig Geimpften und "eine gewisse Pandemie-Müdigkeit in der Bevölkerung" verantwortlich. Kaderali appellierte erneut an die Menschen, sich impfen zu lassen. Langzeitfolgen bei Impfungen kämen so gut wie gar nicht vor. Bei den Ungeimpften liege die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei rund 187, bei den Geimpften dagegen nur bei rund 47. 70 Prozent der Covid-Patienten auf Intensivstationen in Mecklenburg-Vorpommern seien ungeimpft und älter als 60. "Es sind fast nur Ungeimpfte, die die schweren Verläufe haben", so Kaderali.

Kaderali: "Es könnte nochmal eng werden"

Mit Blick auf den Winter geht Kaderali von weiter steigenden Fallzahlen aus. "Wir sind in einem exponentiellen Wachstum." Sollten sich die Grundbedingungen nicht ändern, könnte die Inzidenz zum Jahreswechsel auf 500 bis 600 klettern, ehe sie im neuen Jahr wieder abnehmen werde. Für die Krankenhäuser bedeute dies, dass "es nochmal eng werden kann". Die Patienten würden jünger und lägen länger in den Kliniken. Im Unterschied zum Vorjahr werde es aber mehr Patienten auf Normalstationen und weniger auf den Intensivstationen geben. Engpässe könnten beim Personal entstehen - und nicht bei den Betten. Kaderali schloss nicht aus, dass Routineeingriffe verschoben werden müssen. Laut dem Wissenschaftler könnten im Winter weitere Kontakteinschränkungen nötig werden. Kaderali appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger: "Seien Sie vorsichtig. Nehmen Sie die Pandemie nicht auf die leichte Schulter."

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Verschärfte Testpflichten in Alten- und Pflegeheimen

Um die zuletzt wieder stark gestiegenen Fallzahlen in Alten- und Pflegeheimen zu reduzieren, werden die Schutzmaßnahmen verschärft, wie Schwesig ankündigte. Dort werde künftig konsequent die 3G-Regelungen auf alle angewendet. Die Corona-Landesverordnung werde entsprechend geändert. Nicht geimpfte Mitarbeiter müssen sich künftig mehrfach, möglicherweise täglich testen lassen. Bislang sind zwei Test pro Woche üblich. Besucher müssen geimpft oder genesen sein, andernfalls einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Es soll zudem geprüft werden, ob diese Regelungen künftig auch in allen Krankenhäusern des Landes gelten könne, so Schwesig. Große Gemeinschaftsfeiern soll es in den Einrichtungen bis auf weiteres nicht geben, Besuche und kleinere Zusammentreffen sollen aber möglich sein. Alle Heimbetreiber sollen zudem verpflichtet werden, nicht geimpften Mitarbeitern ein Beratungsangebot zu unterbreiten. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben des Sozialministeriums etwa 75 Prozent der Pflegekräfte geimpft. Die Impfquoten schwanken jedoch von Heim zu Heim.

MV setzt auf Booster-Impfung für Ältere

Das Land setzt speziell bei den Älteren auf die Booster-Impfung (Auffrischungsimpfung). Mobile Teams seinen bereits in der großen Mehrzahl der Heime gewesen und hätten dort die Impfwilligen mit der Drittimpfung versehen. Laut Schwesig sind 283.000 Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns älter als 70 Jahre. Ihnen allen wird empfohlen, jetzt die dritte Impfung durchführen zu lassen. Die Personen würden demnächst vom LAGuS dazu angeschrieben. Die Impfung erfolge dann über die Impfärzte oder die Impfstützpunkte. Schwesig geht davon aus, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) die Booster-Impfung bald auch für alle anderen Altersgruppen empfehlen werde. Deshalb werde es in der kommenden Woche einen Impfgipfel mit Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) und den Landräten geben.

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Bei der Frage der Weihnachtsmärkte schaffte das Kabinett Klarheit. "Sicherlich werden die Weihnachtsmärkte anders sein, als wir sie kennen, aber es werden Weihnachtsmärkte möglich sein", so Schwesig. Es werde eine Test- und Maskenpflicht im Innenbereich, aber nicht im Außenbereich geben. Die zuständigen Gesundheitsämter müssen die Veranstaltungen genehmigen.

Corona-Ampel auf dem Prüfstand

Die Corona-Landesverordnung wird bis zum 3. Dezember verlängert. Die Corona-Ampel des Landes soll möglicherweise noch einmal auf den Prüfstand. Derzeit liefen dazu Gespräche mit Wissenschaftlern. Die neuen Regeln sollen zum Ende der Woche gelten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 02.11.2021 | 15:30 Uhr

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