Die Expeditionsjacht "Crystal Endeavor" legt in Stralsund zu einer Testfahrt ab. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

MV-Werften bekommen Geld aus Corona-Rettungsschirm

Stand: 03.06.2021 16:27 Uhr

Die MV-Werften mit Standorten in Wismar, Warnemünde und Stralsund profitieren vom sogenannten Corona-Rettungsschirm des Bundes. Ein Sprecher der Werftengruppe teilte mit, die positive Entscheidung sei heute gefallen.

Damit ist der Weg für Überbrückungskredite aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) frei. Eine Summe nannten die MV-Werften nicht. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bestätigte, erhält die Werftengruppe rund 300 Millionen Euro in Form einer stillen Beteiligung und Darlehen aus dem WSF. "Das ist eine wichtige Entscheidung, die den Beschäftigten in der Region und dem Land insgesamt Zuversicht gibt", so Altmaier. Die Werften hätten nun die Chance, aus der pandemiebedingten Krise erfolgreich rauszukommen.

Altmaier: Werftengruppe kann nun auch neue Aufträge einwerben

Der Werften-Verbund in Mecklenburg-Vorpommern baut für den asiatischen Mutterkonzern Genting Hongkong Passagierschiffe und war durch den coronabedingten Einbruch im Kreuzfahrttourismus in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Um eine Insolvenz der MV-Werften abzuwenden, waren bereits im Dezember vom Bund verbürgte Kredite von 193 Millionen Euro bewilligt worden. Das Unternehmen könne nun nicht nur begonnene Schiffe fertigstellen, sondern auch neue Aufträge einwerben, sagte Altmaier. Aus der Landesregierung hatte es bereits vor rund einer Woche geheißen, dass die Kreditzusage unter Dach und Fach sei, allerdings fehlte bis zuletzt die Zustimmung des Bundes.

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Wismar: Die Schiffbauhalle der zum asiatische Mutterkonzern Genting Hongkong gehörenden MV-Werft Wismar. (Luftaufnahme mit einer Drohne) © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild

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MV-Werften blicken optimistisch in die Zukunft

In einer Mitteilung vom Donnerstagnachmittag zeigten sich die MV-Werften erleichtert. "Wir freuen uns über das Ergebnis", teilte Geschäftsführer Carsten Haake mit. Die Werftengruppe werde nun zunächst mit einem kleineren Team Aufträge erfüllen und weiter Schiffe entwickeln und bauen. Die Geschäftsführung und die Gesellschafter bemühten sich außerdem um die Finanzierung weiterer Schiffbauprojekte, um die Anschlussbeschäftigung sicherzustellen, so Haake weiter. Nach 14 Monaten Pandemie laufe der Markt der Kreuzfahrtschiffe wieder an - man blicke zuversichtlich in die Zukunft. Die Werften kündigten zudem an, den verabredeteten Job-Abbau umzusetzen.

IG Metall: Alle drei Standorte gesichert, aber Jobabbau

"Mit dem Kredit des Bundes und dem damit greifenden Sozialtarifvertrag werden die drei Standorte Rostock, Stralsund und Wismar als funktionsfähige Werften gesichert", sagte IG-Metall-Küste-Bezirksleiter Daniel Friedrich. Allerdings beinhalte die Vereinbarung auch den Abbau von 650 der knapp 3.000 Stellen. Den betroffenen Mitarbeitern werde der Wechsel in Transfergesellschaften angeboten, in denen sie für neue Aufgaben qualifiziert und damit vor direkter Arbeitslosigkeit geschützt würden.

Expeditionsjacht "Endeavor" fertiggestellt

Friedrich mahnte weitere Schritte zur langfristigen Rettung der MV-Werften an. "Für eine Perspektive sind jedoch weitere Aufträge wie 'Endeavor 2' und 'Global 2' oder neue Geschäftsfelder entscheidend. Darauf müssen sich nun alle Anstrengungen konzentrieren", betonte er. Das eisgängige Luxusschiff "Endeavor 1" ist fertig und soll in Kürze in Dienst gestellt werden. Die Bundeshilfe über 300 Millionen Euro soll dafür genutzt werden, die für den asiatischen Kreuzfahrtmarkt bestimmte "Global 1" für 9.000 Passagiere bis 2022 fertig zu bauen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 03.06.2021 | 15:00 Uhr

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