Kontroverse Nandu-Jagd in MV

Stand: 24.01.2021 11:30 Uhr

Der Nandu in Nordwestmecklenburg: Vor 20 Jahren büxten an der Grenze zu Schleswig-Holstein sechs Tiere aus - und vermehren sich seitdem fleißig. Bis zu 600 Nandus wurden vor einigen Jahren gezählt, inzwischen ist es etwa die Hälfte.

Weil die Schäden in der Landwirtschaft zu groß waren, darf der Vogel seit knapp einem Jahr bejagt werden. Durch das Fernglas zählt Jäger Heiko Funk 31 Tiere. Sie fressen Rapspflanzen auf einem Feld bei Utecht - in etwa 50 Metern Entfernung. So viele Tiere an einem Ort sind nur noch selten zu sehen, seitdem sie bejagt werden, erklärt Funk.

Jäger in der Region sehen Jagdtourismus kritisch

Jäger aus ganz Deutschland und dem Ausland posierten mit erlegten Nandus im Internet. Das sorgte für Diskussionen. Heiko Funk ist zweiter Vorsitzender des Kreisjagdverbands Nordwestmecklenburg. Er sieht den Jagdtourismus kritisch: "Den lehnen wir eigentlich komplett ab. Es ist auch eine Frage der Zeit, bis die Jagd wieder eingestellt wird. Es ist nur eine Begrenzung der Stückzahl, dass nicht so viele Nandus wie da, über Wochen an einer bestimmten Stelle stehen und Schaden am Raps machen."

Zehn Fakten über den Nandu

  • Der Nandu ist ein flugunfähiger Vogel und lebt ursprünglich in Südamerika.
  • Nandus erreichen eine Scheitelhöhe von bis zu 1,40 Metern und werden bis zu 35 Kilo schwer
  • Kurzzeitig können die Tiere bis zu 60 Stundenkilometer schnell laufen
  • Die Laufvögel sind Allesfresser, bevorzugen aber Pflanzen. Insekten und kleine Wirbeltiere werden ebenfalls verspeist
  • Ein Nandu frisst täglich etwa 1,5 Kilogramm pflanzliche Nahrung
  • Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere im Alter von zwei bis drei Jahren
  • Um den Nachwuchs kümmern sich die männlichen Tiere. Sie brüten 35 bis 40 Tage lang die Eier mehrerer Weibchen aus
  • Nandus sind tagaktiv und können sehr gut schwimmen
  • In seiner Heimat ist der Nandu als "gering gefährdet" eingestuft, seine Eier und auch sein Fleisch werden gegessen
  • In Deutschland ist der Vogel streng geschützt und darf nicht gejagt werden, eine Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle: Landwirtschaftsministerium, Biosphärenreservat Schaalsee

Ranger: Verhalten der Nandus hat sich verändert

70 Nandus wurden seit April vergangenen Jahres geschossen - für einige Jäger ist so ein erlegtes Tier eine begehrte Trophäe. Jährlinge und Einjährige können das ganze Jahr über geschossen werden. Ältere Vögel haben im Sommer eine Schonzeit. Das Verhalten der Nandus hat sich seit Jagdbeginn verändert, registriert Mario Axel, Ranger aus dem Biosphärenreservat Schaalsee: "Man merkt einfach - die Nandus sind aufmerksamer und sie haben eine andere Fluchtdistanz. Wenn man mit dem Auto irgendwo anhält und auf die Nandus zugeht, dann ist schon eine Verhaltensänderung da." Noch vor zwei Jahren sei Axel bis auf drei Meter an die großen Vögel herangekommen - nun sind es 30.

Nandus wandern weiter - Landwirte in MV zufrieden

"Das Populationsgebiet wird größer", erklärt der Ränger, die Nandus hätten nun den Wald für sich entdeckt. Die Tiere wandern weiter weg, einige wurden schon viele Kilometer entfernt von ihrem eigentlichen Gebiet am Schaalsee gesichtet. Das passt auch den Landwirten. Wenn sich die Nandus in kleineren Gruppen auf viele Flächen verteilen, ist der Schaden eines einzelnen Landwirts nicht mehr so hoch, sagt Reinhard Jahnke. Auf seinen Feldern bei Utecht waren die Tiere Stammgäste, verursachten zwischen 3.000 und 5.000 Euro Schaden pro Jahr. Seitdem die Nandus bejagt würden, könne Jahnke mit den Schäden, die immer noch auftreten, leben.

Nandu-Population soll bleiben

Das Jagdrecht für Nandus bleibt. Denkbar wären längere Schonzeiten, sollte die Population stark zurückgehen. Denn eins wollen alle nicht: den Nandu ausrotten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.01.2021 | 12:00 Uhr

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