Der "Spike Coaster" für ein Kreuzfahrtschiff wird in Güstrow getestet.

Güstrow: Achterbahn für Mega-Kreuzfahrtschiff wird getestet

Stand: 27.10.2020 15:34 Uhr

In einem Industriegebiet in Güstrow dreht ein unbemannter Achterbahn-Wagen derzeit seine Runden. Der "Spike-Coaster" ist für ein Kreuzfahrtschiff der MV-Werften bestimmt, das vielleicht niemals fertiggestellt wird.

Mitten im Industriegebiet von Güstrow (Landkreis Rostock) steht eine Achterbahn. Seit Wochen brettert ein Wagen mit fast 60 km/h zu Testzwecken über die Schienen - unbemannt. Der TÜV muss die Anlage noch abnehmen. Das Besondere: Der 303 Meter lange "Spike Coaster" - so der Name der Achterbahn - ist nicht für einen Freizeitpark bestimmt, sondern für Deck 19 eines riesigen Kreuzfahrtschiffs des Genting-Konzerns - 55 Meter über der Meeresoberfläche. Doch fraglich ist, ob die MV-Werften das Kreuzfahrtschiff der "Global Class" überhaupt fertig bauen können. Denn der Bau des Kreuzfahrtschiffs ist seit Mitte März gestoppt.

 

Warten, wie es weitergeht

"Jetzt ist es aufgrund von Corona so, dass wir mit dem Probeaufbau beschäftigt sind - das hat für uns noch keine Auswirkung gehabt", sagt Marco Hartwig, Projektleiter der Münchener Firma Maurer Rides. "Wir haben die Zeit gut genutzt, um die Bahn zu testen und warten auf Gespräche mit der Werft, wie es um die Terminsituation steht." Im Mai hatte die Firma Maurer Rides mit dem Aufbau der Anlage in Güstrow begonnen. Techniker haben Stück für Stück Schienen für die Achterbahn-Wagen zugeschnitten und gebogen, parallel dazu Zahnradleisten Meter für Meter an die Fahrtstrecke angebracht. Die Münchner Firma ist Spezialist auf diesem Gebiet. Gerade erst hat sie auf einem Kreuzliner der Carnival-Gruppe - der "Mardi Gras" - eine Achterbahn eingeweiht.

Millionen-Achterbahn auf Milliarden-Kreuzfahrtschiff

"Mehrere Millionen Euro" kostet der Bau des "Spike Coasters" für die "Global Dream". Genauer will es die Firma nicht sagen. Aufgrund der aktuellen Finanzlage der MV-Werften ist es für viele der 600 Zulieferer der Werft in diesem Jahr nicht immer klar, ob und wann sie für ihre Leistungen Geld sehen. Achterbahn-Projektleiter Hartwig sagt zum Thema Bezahlung: "Bei uns gab es keine Unregelmäßigkeiten im Zahlungsablauf." Es habe lediglich zeitweise keine Koordination gegeben, weil das Kernteam nicht auf der Werft war. "Somit hat sich das Ganze verzögert", so Hartwig.

Weniger Landgänge, spektakulärere Attraktionen an Bord

Doch Zulieferer, die auf dem Rohbau der "Global Dream" waren, sowie einige Branchenkenner sagen, dass es diesen Freizeitpark auf dem Schiff nie geben wird, weil die "Global Dream" niemals fahrbereit sein wird. Doch die Münchener Achterbahnbauer denken da anders: "Wir sind seit der Bekanntgabe weiterhin optimistisch geblieben, dass die Bahn auch auf dem Schiff installiert wird", so Hartwig. Es sei eben nur eine Frage der Zeit. "Gerade weil Landgänge weniger werden, liegt der Fokus auf den Aktivitäten an Bord auf dem Schiff." Und mit der Achterbahn gebe es ein echtes Highlight.

Doch bislang kann man die wilde Fahrt nur im Rahmen einer virtuellen Animation des Genting-Konzerns bestaunen. Und während die Kreuzfahrtbranche und deren Partner derzeit eine wirtschaftliche Talfahrt bislang unbekannten Ausmaßes erleben, drehen die Wagen der Achterbahn in Güstrow weiter ihre Testrunden.


10.11.2020 11:30 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels entstand aufgrund von indirekter Zitation der Eindruck, der Projektleiter hätte behauptet, dass viele der 600 Zulieferer ihrem Geld hinterherlaufen müssten. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.

 

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 27.10.2020 | 17:00 Uhr

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